Zumindest im Kampf gegen Covid-19 sind Apple und Google friedlich vereint.

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Angesichts der Covid-19-Pandemie formierte sich vor einigen Monaten eine Allianz zweier Unternehmen, die sich sonst spinnefeind sind: Ausgerechnet Apple und Google haben gemeinsam ein Framework ersonnen, das die Kontaktnachverfolgung via Smartphone mit einem Fokus auf der Wahrung der Privatsphäre vereinheitlicht. Dass es dabei schnell gehen musste, manifestierte sich anschließend auch in dem einen oder anderen Defizit. Nun kündigen die Unternehmen eine Reihe von Verbesserungen an.

Update

Mit einem aktuellen Update werden diverse Optimierungen an jenem "Exposure Notification"-Framework vorgenommen, das sowohl von der österreichischen "Stopp Corona"- als auch der deutschen "Corona Warn"-App genutzt wird. So gebe man den App-Entwicklern – und damit den dahinter stehenden Gesundheitsbehörden – nun mehr Flexibilität, in der Festlegung jener Parameter, die bestimmen, ob ein Kontakt als gefährlich oder nicht angesehen wird. Langfristig noch wichtiger: Die Schnittstellen sind nun auf Interoperabilität zwischen mehreren Ländern ausgerichtet. Damit wird der Grundstein für ein länderübergreifendes Warnsystem gelegt. Über ein solches wird derzeit etwa auf EU-Ebene verhandelt. Zuletzt war dabei zu hören, dass mit der Implementation die Deutsche Telekom und SAP beauftragt werden sollen also die selben Firmen, die schon für die "Corona Warn"-App verantwortlich zeichnen.

Android

Einige der im Blogeintrag von Google herausgestrichenen Änderungen betreffen hingegen lediglich Android-User: So habe man gemeinsam mit zahlreichen Smartphone-Herstellern die Bluetooth-Werte bei hunderten Geräten neu kalibriert, um zuverlässigere Messwerte zu bekommen. Die Signalstärke von Bluetooth LE wird beim Contact Tracing genutzt, um den Abstand zwischen zwei Geräten zu schätzen. Zudem betont Google, dass man bemüht ist, die Transparenz zu erhöhen. So wird auf Geräten, bei denen das Tracing aktiv ist, nun vom System selbst regelmäßig auf diesen Umstand hingewiesen.

Standortverwirrungen

Vor allem aber räumt man ein Problem aus, das bei vielen Nutzern für Verunsicherung gesorgt hat: Nämlich den Umstand, dass das Contact Tracing unter Android nur dann funktioniert, wenn die Standortdienste am Smartphone aktiviert sind. Dies hatte bei manchen Nutzern die Befürchtung aufkommen lassen, dass hier laufend Ortsdaten gesammelt werden. In Wirklichkeit sei das aber nie der Fall gewesen, genau genommen sei das in den Regeln für das gemeinsame Apple/Google-Framework sogar explizit verboten, betont Google.

Die zugegebenermaßen verwirrende Kombination entstand aus einer paradoxerweise vor einigen Jahren eigentlich aus Privacy-Gründen getroffenen Entscheidung. Da sich mithilfe von Bluetooth Scans theoretisch auch ein exakter Standort ermitteln lässt – etwa indem man genau weiß, wo das Gegenüber positioniert ist – hat man deren Verfügbarkeit an die Aktivierung der Standortdienste gebunden. Das bedeutet nun aber umgekehrt eben, dass das Contact Tracing nur dann geht, wenn auch diese Dienste an sind – was manche User generell nicht wollen.

Ausnahme

Künftig will Google also eine Ausnahme für das Contact Tracing machen: Das entsprechende Framework darf die Bluetooth-Signalstärke also auch dann ermitteln, wenn die restlichen Standortdienste deaktiviert sind. Eine generelle Aufweichung des Privatsphärenschutzes sieht man durch diese Maßnahme nicht, da dies eben nur auf diesen einen Anwendungsfall beschränkt ist. Zudem sei das Framework ohnehin als Open Source veröffentlicht, womit man auch selbst sehen könne, dass hier keine Standortdaten ermittelt werden – und natürlich auch weil die gemeinsame Policy der beiden Unternehmen dies eben verbietet.

Nur für Android 11

Diese Ankündigung ist allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung verbunden: Da es sich hier um einen Eingriff in das Berechtigungssystems von Android handelt, ist dafür ein größeres System-Update notwendig. Entsprechend wird die Nutzung der Contact-Tracing-Apps ohne Aktivierung der Standortdienste erst mit dem kommenden Android 11 funktionieren. Dieses soll den aktuellen Plänen zufolge Anfang September veröffentlicht werden. Bis es eine relevante Verbreitung gefunden hat, dürften aber erfahrungsgemäß noch einige Monate vergehen. (Andreas Proschofsky, 02.08.2020)