Neben Bürgerkrieg und Armut leiden die Menschen auch an den Folgen der starken Regenfälle der letzten Tage. Häuser werden unterschwemmt und brechen zusammen (Bild).

Foto: MOHAMMED HUWAIS / AFP

Sanaa – Die Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen werfen der von Saudi-Arabien geführten Koalition einen Luftangriff mit 20 Toten vor. Ein Sprecher des von den Huthis kontrollierten jemenitischen Gesundheitsministeriums erklärte, der Angriff in der Provinz Al-Dschauf im Norden habe eine Bürgerversammlung getroffen. Mehrere Menschen, meist Frauen und Kinder, seien schwer verletzt worden.

Die Hilfsorganisation Save the Children teilte am Freitag mit, unter den Todesopfern seien auch sieben Kinder. Bereits im Juli waren in der Region zehn Kinder bei Luftangriffen getötet worden. "In weniger als einem Monat haben mindestens 17 Kinder durch wahllose Angriffe im Jemen ihr Leben verloren", sagte der Landesdirektor von Save the Children im Jemen, Xavier Joubert. Die Organisation forderte einen sofortigen Stopp aller Feindseligkeiten in dem bitterarmen Land. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Welt tatenlos zusehe, wie Kinder, die auf der Straße spielten oder nur in die Schule gingen, ihr Leben verlören.

Blutiger Konflikt

Im Jemen tobt seit mehr als fünf Jahren ein Bürgerkrieg. Im sechsten Jahr ist der Krieg an allen Ecken und Enden des Landes wieder ausgebrochen. Die Huthis kontrollieren große Teile des Landes im Süden der Arabischen Halbinsel, darunter die Hauptstadt Sanaa. Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition unterstützt die international anerkannte Regierung im Kampf gegen die Rebellen.

Wichtige zivile Infrastruktur wurde gezielt zerstört. Bei Luftangriffen des Bündnisses sterben immer wieder Zivilisten, was die Frage von Kriegsverbrechen aufwirft und auch die Waffenlieferanten Saudi-Arabiens in die Kritik bringt. Die Huthi-Herrschaft ihrerseits ist von Repression und Menschenrechtsverletzungen geprägt, Kriegsgewinnler machen Geld, während sich die Bevölkerung das Lebensnotwendige nicht mehr leisten kann.

Der Konflikt hat im Jemen eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Rund 80 Prozent der Bevölkerung sind nach Angaben der Uno auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Corona-Pandemie verschlimmert die Lage. Das Gesundheitssystem ist in vielen Teilen des Landes völlig zusammengebrochen. Hunderte Menschen sind zudem von schweren Regenfälle und Überschwemmungen betroffen. Durch die Fluten wächst die Sorge, dass vor allem die Vertriebenen an Malaria und Dengue-Fieber erkranken könnten. Beide Krankheiten werden durch Insekten übertragen. (red, APA, dpa, 7.8.2020)