Dass Corona-bedingt ein Hundeboom ausgebrochen ist, hat auch seine Schattenseiten.

Foto: AP/John Minchillo

Vergangenen Freitag fuhr ich zur jährlichen Prüfung nach Salzburg, das heißt zur Hundeprüfung. Das ist nämlich so: Unser Golden Retriever Timmy ist ein Partnerhund. Seit vier Jahren unterstützt sie eines unserer Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Als Assistenzhund muss sie einmal im Jahr zur Prüfung, um ihren Ausweis und die damit verbundene blaue Weste zu behalten.

Früher hatte ich mit Hunden nichts am Hut und tat mir schwer mit dem Enthusiasmus so manchen Hundebesitzers. Heute ist das anders.

Eine Bereicherung für die Familie

Timmy bereichert mit ihrer Zärtlichkeit und ihrer Ruhe die ganze Familie. Wir hatten herausgefunden, dass man mit Assistenzhunden in der Therapie bei Kindern mit Asperger-Syndrom gute Erfahrungen gemacht hat. Wir bewarben uns für einen Hund, wurden zum Interview geladen, und zwei Jahre später kam Timmy in unsere Familie. Sie absolvierte vorher eine einjährige Ausbildung, um auf ihre Aufgaben mit unserem Kind gut vorbereitet zu sein.

Heute darf sie uns in jedes öffentliche Gebäude begleiten und in U-Bahn und Zug ohne Beißkorb fahren. Für unser Kind, das in größeren Menschenmengen schnell in Stress gerät, ist sie ein sicherer Anker. Mit Timmy an seiner Seite hat sich sein Aktionsradius enorm vergrößert. Mit der jährlichen Prüfung beweist Timmy, dass unsere Hündin eine verlässliche Begleiterin ist und ihren Privilegien alle Ehre macht. So diszipliniert sie auch ist, wenn am Sonntag den Kindern "versehentlich" ein Käsestück vom Frühstückstisch fällt, kann sie nicht widerstehen. Niemand ist perfekt.

Corona-bedingter Hundeboom

Es braucht nicht unbedingt ein Therapiehund zu sein. Ich kann gut verstehen, warum sich viele Menschen in Pandemiezeiten nach einem Hund sehnen. Dass Corona-bedingt ein Hundeboom ausgebrochen ist, hat auch seine Schattenseiten. In England zum Beispiel gehen die Preise für Rassehunde durch die Decke, und es kommt vermehrt zu Hundediebstählen. In Österreich befürchten Tierschützer, dass sich nach der Krise die Tierheime füllen, weil viele am Ende mit ihren Tieren überfordert sind. Die Anschaffung eines Hundes sollte wohlüberlegt sein. Täglicher Auslauf und Bewegung sind für einen Hund kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Der Hund geht feinfühlig auf unsere Bedürfnisse ein, wir sind auch dazu verpflichtet, Gleiches mit den seinen zu tun.

Ob man das also auch tagtäglich leisten kann, sollte gut überlegt werden.

Potenzial der vierbeinigen Gefährten

Aber nicht nur als Ruhepole scheinen die vierbeinigen Gefährten gerade ihren Beitrag zu leisten. Die deutsche Bundeswehr startete im Juni einen Testlauf, um zu sehen, ob sich Hunde eigen, um das Coronavirus zu identifizieren, wie das schon bei anderen Erkrankungen (beispielsweise Diabetes) oder im Aufdecken von Suchtgiftschmuggel der Fall ist. Geübt wird mit Speichel von Covid-infizierten Personen, indem die Viren zunächst chemisch unschädlich gemacht werden. Die Trefferquote der Hunde liegt im Testsetting mittlerweile bei 95 Prozent. Einmal mehr beweisen Hunde, welche Bereicherung sie seit Tausenden von Jahren für uns Menschen sind. Gut, dass wir damals in ferner Urzeit auf den Hund gekommen sind!

PS: Timmy hat die Prüfung auch heuer wieder mit Bravour bestanden. (Philippe Narval, 16.8.2020)