Es war wohl eine Schlüsselszene der schwierigen Beziehung zwischen zwei Brüdern. In Atlantic City, wo Donald Trump groß ins Geschäft mit dem Glücksspiel einstieg, war etwas schiefgelaufen bei einer Premiere, bei der nichts schiefgehen durfte. Als das "Taj Mahal", ein gigantischer Casinopalast, mit charakteristischem Hang zur Übertreibung als achtes Weltwunder gefeiert, im April 1990 mit glitzernder Gala eröffnet wurde, durfte an den meisten Automaten nicht gespielt werden.

Es fehlte das grüne Licht der zuständigen Behörden, die noch auf Monate ihre Zustimmung verweigerten. Ein wütender Donald Trump gab seinem Bruder Robert die Schuld an dem Debakel, das seine Firma um Millionen an Einnahmen gebracht haben dürfte. Bei einer Besprechung in seinem Büro soll er ihn angebrüllt haben, zitiert die "New York Times" einen Zeitzeugen namens Jack O’Donnell, der seinerzeit zur Führung der Trump-Organisation gehörte.

Kein Herz und eine Seele: Robert und Donald Trump.
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Er allein habe das Debakel zu verantworten, warf er dem Jüngeren vor, der sich in seinem Auftrag um das "Taj Mahal" zu kümmern hatte. "Robert stand ganz ruhig auf, ging aus dem Zimmer, und das war das letzte Mal, dass ich ihn zu Gesicht bekam", schildert O’Donnell die Szene.

Talent zur Selbstironie – nicht wie der Bruder

Ein netter, humorvoller Mensch sei dieser Trump gewesen, erzählen andere, die ihn kannten. Einer, der sich selber auf die Schaufel zu nehmen wusste, anders als Donald, der Dünnhäutige. Robert Trump ist am Samstag im Alter von 71 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus verstorben. Nach einem Sturz soll es zu Gehirnblutungen gekommen sein, sein Zustand habe sich rasant verschlechtert, berichten US-Medien.

Wie ernst es um ihn stand, war erst am Freitag bekannt geworden. Da sprach der Präsident davon, dass sein Bruder in einem Klinikbett liege und zu kämpfen habe. Noch am selben Tag flog er nach New York, um den Patienten zu besuchen.

Am Samstagabend machte er die Todesnachricht publik. "Er war nicht nur mein Bruder, er war auch mein bester Freund. Er wird schmerzlich vermisst werden, aber wir treffen uns wieder." Zumindest wiederholte sich damit nicht, was Mary Trump, eine Nichte des Staatschefs, unlängst in ihren Memoiren schilderte: An dem Abend, an dem Donald Trumps ältester Bruder starb, ging der Firmenerbe ins Kino. An jenem 26. September 1981 erlitt Freddy Trump, der der den Erwartungen seines strengen Vaters nicht gerecht geworden war und seinen Frust im Alkohol zu ertränken versuchte, eine Herzattacke und wurde mit Blaulicht in eine Klinik gefahren. Am Nachmittag, schreibt Freddys Tochter Mary, habe der Familienrat getagt. Schon zu dem Zeitpunkt hätten die Ärzte im Queens Hospital Center kaum noch Hoffnungen gemacht. "Und dennoch ging niemand hin." Bald darauf, um 21.20 Uhr, wurde der 42-Jährige für tot erklärt.

Gesunde Distanz

In Amerika hat Marys Erinnerungsbuch die Bestsellerlisten gestürmt. Schon deshalb war die Frage, wie Donald Trump diesmal mit schlechten Nachrichten aus einem Spital umgehen würde, fast schon ein Politikum.

Nach dem Streit wegen der Spielautomaten-Panne scheint der jüngere Trump offenbar Wert auf eine gesunde Distanz zum Star der Familie gelegt zu haben. Statt sich wie bis dahin als Donalds rechte Hand zu verstehen, zog er sich in ein Büro in Brooklyn zurück und widmete sich fortan weniger schillernden Bauprojekten, ohne seinem Bruder, dem Unternehmenschef, direkt berichten zu müssen. Es soll Jahre gedauert haben, bis die Wunden heilten.

Was freilich nichts daran änderte, dass sich der nettere Trump ohne Abstriche hinter den aggressiveren stellte, als der fürs Weiße Haus kandidierte. "Ich unterstütze meinen Bruder zu tausend Prozent", sagte er der "New York Post", dem Boulevardblatt, dem er 2016 ein Interview gab. "Sollte er mich brauchen, wäre ich jederzeit für ihn da." Noch im Juni war es Robert Trump, der den brisanten Memoirenband seiner Nichte Mary mit einer Klage zu verhindern versuchte. Ohne Erfolg. (Frank Herrmann aus Washington, 16.8.2020)