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Bangkok – In Bangkok sind erneut tausende Menschen gegen die Regierung von Ex-Armeechef Prayut Chan-O-Cha (Prayuth Chan-ocha) auf die Straße gegangen. Unter Protestrufen wie "Nieder mit der Diktatur" besetzten Demonstranten am Sonntag die zentrale Kreuzung rund um das 1932 errichtete Demokratie-Denkmal in der thailändischen Hauptstadt.

Die pro-demokratische Protestbewegung fordert den Sturz der Regierung und eine offene Debatte über die Rolle der Monarchie in Thailand. An der Demonstration beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen. Es soll sich um die größte Protestaktion seit Jahren gehandelt haben. Auch der prominente Studenten-Anführer Parit Chiwarak beteiligte sich; er war vor mehr als einer Woche wegen Anstiftung zum Aufruhr sowie Verstößen gegen die Corona-Regeln angeklagt worden. Der Studentenführer war gegen Kaution unter der Auflage freigekommen, dass er dieselben Verstöße nicht wieder begehen dürfe. Als Parit sich trotz der Auflagen am Sonntag zeigte, jubelte ihm die Menge zu.

An der Kundgebung beteiligten sich Demonstranten aller Altersgruppen. "Wir können die Studenten diesen schwierigen Weg nicht alleine gehen lassen", sagte eine 68-jährige Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP.

Derweil versammelten sich Anhänger der Regierung zu einer Gegenkundgebung. "Lang lebe der König", riefen mehrere der in der royalistischen Farbe Gelb gekleideten Demonstranten. Viele hielten Porträts des Königspaars in die Höhe.

Hongkong als Vorbild

Die Spannungen zwischen dem Monarchie-treuen Lager und pro-demokratischen Aktivisten in Thailand haben in den vergangenen zwei Wochen massiv zugenommen. Die teils von der Hongkonger Protestbewegung inspirierten Demonstranten fordern neben dem Rücktritt der Regierung auch die Abschaffung eines umstrittenen Gesetzes zum Schutz der Monarchie, das drakonische Strafen für Kritik am Königshaus vorsieht. Viele Demonstranten fordern zudem eine allgemeine öffentliche Debatte über die von der Armee unterstütze Monarchie.

Thailand blickt auf eine konfliktreiche Geschichte zurück, in der es in den vergangenen zwölf Jahren mehr als ein Dutzend Militärputsche gegeben hat. Der letzte Militärputsch fand 2014 statt. Aus einer von Betrugsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl ging dann im vergangenen Jahr der Ex-Armeechef Prayut als Sieger hervor. (AFP, 16.8.2020)