Bisher hat sich für die Besitzer älterer Huawei-Smartphones durch den US-Handelsbann wenig geändert. Das könnte sich nun ändern.

Foto: Andy Wong / AP

Einmal mehr verschärfen die USA die Gangart gegen den chinesischen Hardwarehersteller Huawei. Dieses mal allerdings nicht mit neuen Anordnungen sondern indem man etwas ganz anderes tut, nämlich: nichts. Das Handelsministerium hat jene "Temporary General License" (TGL) dank der bisher US-Firmen zumindest eine minimale Form der Kooperation mit Huawei pflegen möglich war, auslaufen lassen. Und dies könnte nun äußerst unerfreuliche Konsequenzen für die Nutzer von Huawei-Smartphones mit Google-Diensten bedeuten – darunter auch die Geräte der in Österreich äußerst beliebten P30, P20 und Mate 20-Reihen.

Hintergrund

Die besagte Lizenz war bisher vom US-Handelsministerium alle 90 Tage verlängert worden. Ihr Ziel war es vor allem kleineren Netzbetreibern in den USA, die zum Teil Hardware von Huawei einsetzen, eine Übergangsphase zu bieten, während der sie weiter Support von dem chinesischen Hersteller erhalten können. Diese Ausnahmegenehmigung findet nun aber ihr Ende. Wie ein Sprecher des Handelsministeriums gegenüber der Washington Post betont, gebe es keine Pläne, die temporäre Lizenz zu verlängern, man habe den Anbietern bereits genügend Zeit gegeben, alternative Zulieferer zu finden.

Google-Kooperation

Für die Welt außerhalb der USA ist aber eine zweite Konsequenz dieser Entscheidung wesentlich wichtiger: War es doch exakt jene Lizenz, die es Google bisher erlaubt hat, mit Huawei zu kooperieren, um vor dem Mai 2019 veröffentlichte Geräte weiter mit Updates zu versorgen. Dies bestätigte auch ein Google-Sprecher gegenüber der Zeitung knapp, ansonsten will das Unternehmen die aktuelle Entwicklung vorerst nicht kommentieren. Dieses öffentliche Schweigen dürfte in deutlichem Widerspruch zur aktuellen Situation hinter den Kulissen stehen. Immerhin müssen beide Unternehmen nun überlegen, welche Konsequenzen dies für die weitere Update-Versorgung all der bestehenden Huawei-Smartphones mit Play Store hat.

Ein Verbot der Kooperation würde nicht notwendigerweise bedeuten, dass diese umgehend keine neuen Updates mehr erhalten. Immerhin ist Android Open Source, insofern kann sich Huawei auch direkt am Quellcode bedienen. Zumindest Sicherheitsaktualisierungen für die gleiche Android-Generation sollten damit also theoretisch weiter möglich sein. Deutlich schwieriger wären allerdings große Android-Versionssprünge, die im Android-Modell von Google getestet und abgesegnet werden müssen. Mit einem totalen Kooperationsverbot, wäre das nicht mehr möglich.

Viele potentielle Probleme

Ebenso ungeklärt ist, was dies für die Aktualisierung der bestehenden Google-Apps auf diesen Geräten bedeutet. Zwar ist unwahrscheinlich, dass Google diese nachträglich löschen muss, allerdings darf das Unternehmen wohl auch nicht mehr helfen, wenn es zu Problemen zwischen den eigenen Apps sowie Infrastrukturdiensten und dem Basissystem kommt. Und selbst die Frage, ob Google weiter App-Updates an die bestehenden Geräte liefern darf, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten – was gerade beim Play Store und den Play Services schnell zu einem Problem werden könnte.

Ein weiteres Problem könnte es bei Bank-Apps geben: Wenn Google die Huawei-Software nicht mehr offiziell zertifiziert, verlieren die betreffenden Geräte die sogenannte "SafetyNet Attestation", eine Sicherheitsgarantie, ohne die die meisten dieser Apps nicht laufen. Ein Problem, das bereits von neuen Huawei-Smartphones ohne Google-Dienste nur allzu gut bekannt ist.

Keine Vorabinformationen mehr

Doch selbst für einfache Sicherheitsaktualisierungen zeichnen sich zusätzliche Hürden ab. Bekommen Google-Partner doch bereits rund ein Monat vor der Veröffentlichung entsprechender Updates eine Vorabinformation sowie den Zugriff auf den Quellcode der kommenden Anpassungen. Aus diesem System dürfte Huawei nun herausfallen, was dazu führen dürfte, dass es Sicherheits-Updates von dem Hersteller künftig mit einer weiteren Verzögerung gibt.

Angesichts all dieser Probleme bliebe Huawei natürlich die Möglichkeit, nachträglich über eine System-Update die Google-Dienste von den betreffenden Geräten zu entfernen, und somit die Software an jene von neueren Geräten wie der P40-Reihe anzupassen. Dies wäre allerdings ein tiefer Eingriff in den Smartphone-Alltag von Millionen Nutzern, der von diesen wohl kaum positiv aufgenommen würde.

Reaktion

Von Seiten Huaweis versucht man in einer kurzen Reaktion gegenüber dem STANDARD zu beruhigen: Es werde weiterhin System-Updates und Sicherheitsaktualisierungen für die betroffenen Smartphone geben. Auf all den Geräten, wo schon Google Play mitgeliefert wird, werde es zudem auch in Zukunft möglich sein, die installierten Apps über den Store zu aktualisieren. Sehr allgemeine Antworten also, die insofern auch nicht auf die vielen erwähnten Detailprobleme eingehen.

Einschätzung

Betont sei, dass derzeit komplett unklar ist, ob diese Befürchtungen so eintreten – und in welcher Form. Angesichts dessen, dass Google selbst betont hat, dass die TGL bisher die Grundlage für die Kooperation mit Huawei rund um ältere Smartphones war, erscheint es aber unwahrscheinlich, dass die Softwareauslieferung wie gewohnt weiter gehen kann. Die beiden Firmen stehen nun also vor einer Reihe von schwierigen Entscheidungen, in denen es gilt die schlechte Option gegen die schlechtere abzuwägen.

Außer natürlich die US-Politik besinnt sich doch noch einmal um, und nimmt die Ausnahmeerlaubnis wieder auf. (Andreas Proschofsky, 17.08.2020)