Amazon ist in Österreich mit Abstand der größte Onlinehändler.

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Der Online-Handelskonzern Amazon hat ein neues Verteilzentrum in Wien-Liesing eröffnet. Am Standort sollen 120 Arbeitsplätze geschaffen worden sein, das Unternehmen setzt auf Partnerlieferanten, die täglich Pakete abholen und an Kunden liefern. Insgesamt sollen so etwa 400 Fahrer im Einsatz sein. Damit handelt es sich um das zweite Verteilzentrum in Österreich: Im Herbst 2018 hatte Amazon sein erstes Paketverteilzentrum in Großebersdorf im Bezirk Mistelbach eröffnet. Statt mit den Logistikern Post, DHL und Co stellt Amazon aus dem Lager im nordöstlichen Wiener Umland und aus Wien-Liesing mithilfe von lokalen Lieferpartnern zu. Die Kunden würden "von schnelleren und flexibleren Lieferoptionen" profitieren, so Amazon-Logistics-Direktor Robert Viegers am Dienstag in einer Aussendung.

Größter Versandhändler Österreichs

Amazon ist in Österreich mit Abstand der größte Onlinehändler. Das Unternehmen setzte einer Studie des Kölner EHI Retail Institute gemeinsam mit Statista zufolge im Jahr 2018 719 Millionen Euro in Österreich um. Weniger als halb so viel – 341,8 Millionen Euro – erwirtschaftete das zweitplatzierte Modeversandunternehmen Zalando. Dabei wurden Amazons Einnahmen durch die Provision beim Verkauf von Waren beim Amazon Marketplace durch Dritthändler sowie Streaming-Einnahmen nicht einberechnet.

Schwierige Arbeitsbedingungen

Amazons Strategie, auf externe Lieferanten zu setzen, ist in der Vergangenheit in die Kritik geraten. So schließt der US-Konzern Verträge mit Partnerunternehmen aus der Logistik. Sie arbeiten für Niedrigstlöhne: So erzählte der Betreiber eines Logistikunternehmens, das mit dem Versandhändler in Bochum zusammenarbeitet, dem Sender Euronews im vergangenen Jahr, dass es enorm schwierig sei, Fahrer zu finden, die sich den Job antun wollen.

Diese bekämen gerade einmal 1.600 Euro im Monat – weniger als Eltern über Sozialleistungen vom Staat erhalten könnten. Nicht selten werde die reguläre Arbeitszeit deutlich überschritten, zu viele Pakete müssten von einzelnen Personen ausgeliefert werden. (red, APA, 18.8.2020)