Ran an die Kochlöffel! Denn wer kocht, kümmert sich um sich selbst.

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Mit dem Corona-Lockdown kam im Frühjahr nicht nur der Run aufs Klopapier. Auch Germ und andere Backzutaten waren plötzlich in den Supermärkten heißbegehrt – und teilweise vergriffen. Viele Menschen entdeckten erst bei geschlossenen Restaurants und im Homeoffice, wie entschleunigend die Zubereitung eines Risottos sein kann und wie köstlich ofenwarmes Banana-Bread schmeckt.

"Das war wahrscheinlich seit vielen Jahrzehnten das erste Mal, dass so viele Menschen so viel Zeit in der Küche und am Esstisch miteinander verbracht haben", sagt die Ernährungswissenschafterin Marlies Gruber vom Verein Forum Ernährung heute. Zumindest kulinarisch war diese Zeit für viele also eine positive, entspannende Erfahrung. Allerdings gibt es auch die Kehrseite der Medaille. Denn Kochen kann stressig und belastend sein, vor allem, wenn die kulinarischen Kompetenzen begrenzt sind und der Alltag hektisch ist.

Gut findet Gruber aber, dass viele Menschen so bemerkt haben, wie viel Arbeit und Know-how in vermeintlich simplen Speisen steckt. So mancher im Übereifer angesetzte Sauerteig wurde wahrscheinlich nie zum fluffigen Brot. Die Wertschätzung für Essen, das man selbst zubereitet, sei generell höher, so Gruber weiter. Und wer selbst kocht, hat auch die Kontrolle darüber, was im Kochtopf landet.

Mehr Wohlergehen

Und vor allem, was nicht. Denn wer daheim kocht, nimmt im Schnitt weniger Kalorien, weniger Zucker und weniger Fett zu sich als Menschen, die essen gehen. Außerdem konsumieren Menschen, die sich selbst häufig hinter den Herd stellen, mehr Obst und Gemüse – und liegen, so eine Studie, mit höherer Wahrscheinlichkeit in einem gesunden BMI-Bereich.

Eine taiwanisch-australische Langzeitstudie gab 2012 sogar Hinweise darauf, dass Senioren, die öfter einkaufen gehen und die diese gekauften Lebensmittel dann zubereiten und gemeinsam mit anderen verzehren, auch länger leben.

Wunder darf man sich aber keine erwarten, sagt Gruber. Kochen sei nicht gleichbedeutend mit Schlankheit. Dafür genügt ein Blick auf berühmte Haubenköche, von denen manche zumindest einen klitzekleinen Bauchansatz haben.

Wahrscheinlich ist aber: Wer gern und viel kocht, interessiert sich für Ernährung, wird sich gern abwechslungsreich ernähren und wird sich auch mehr Zeit zum Essen nehmen. Das ist insofern gesund, weil sich das Sättigungsgefühl nach etwa 15 Minuten einstellt. Wer sich also beim Essen Zeit lässt und auf Slow- statt auf Fastfood setzt, isst am Ende auch weniger.

Und Kochen kann auch ein soziales Erlebnis sein, besonders in Familien mit Kindern. Diese sollten zum Mitkochen animiert werden – nicht nur, weil es praktisch ist, wenn die Kids sich mit zehn schon selbst eine Eierspeise zubereiten können. Eine Studie zeigte 2019 auch, dass Kinder mehr Gemüse essen, wenn sie an der Zubereitung der Speisen beteiligt waren.

Beruhigende Wirkung

Das Gute ist: Man braucht keine Pandemie, um das Kochen zu lernen. Und man muss nicht einmal viel Geld in eine gesunde Küche investieren: Studien haben gezeigt, dass gesunde Ernährung auch mit kleinem Budget machbar ist. Nur ein bisschen Zeit muss man sich nehmen. Zeit, die viele im Homeoffice und im zweiten Lockdown, jetzt wieder haben. Auch wenn im Vergleich zum ersten Lockdown, nun deutlich weniger Banana Bread gebacken werden dürfte, wie ein Blick in soziale Netzwerke zeigt. Auch zu Engpässen bei Germ ist es bisher noch nicht gekommen.

Schade eigentlich. Denn wer das mit dem Kochen probiert, wird erkennen, wie kreativ man in der Küche sein kann. Und wie gut es nach einem Arbeitstag am Computer tut, einen dampfenden Laib Brot aus dem Backofen zu holen. (Franziska Zoidl, CURE, 8.11.2020)