Bei den Inuit hatte es seit jeher Tradition, dass leibliche und adoptierte Kinder zusammenlebten oder mehrere Paare samt Nachwuchs ihre Ressourcen poolten.
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Gibt es Muster darin, wie sehr unterschiedliche menschliche Gesellschaften dazu neigen, dass man sich nicht ausschließlich um den eigenen Nachwuchs kümmert, sondern auch um den von anderen? Ein Forscherteam mit Beteiligung der Universität Zürich glaubt einen der Faktoren gefunden zu haben, die dies beeinflussen: nämlich die klimatischen Bedingungen, unter denen die jeweilige Gesellschaft lebt.

Das Team um den Verhaltenspsychologen Jordan Martin bezeichnet das sogenannte alloparentale Verhalten als zentral für die menschliche Lebensgeschichte. Um eine Übersicht über dieses Verhalten zu gewinnen, verglichen die Forscher 141 vorindustrielle Gesellschaften miteinander. Die Daten stammten aus der "Datenbank für Orte, Sprachen, Kultur und Umwelt" (D-PLACE), welche kulturelle, sprachliche, ökologische und geografische Informationen zu mehr als 1.400 vorindustriellen Gesellschaften enthält. Bei den 141 ausgewählten gab es auch Informationen zum Säuglingspflegeverhalten.

Den daraus abgelesenen Trend haben die Forscher nun im Fachmagazin "Proceedings B" der Royal Society veröffentlicht. Demnach soll gemeinschaftliche Säuglingspflege in Regionen mit unberechenbarem Klima, geringerem mittleren Jahresniederschlag und relativ niedrigen Temperaturen stärker ausgeprägt sein als in anderen. Die Forscher schließen daraus, dass sich die Fürsorge für nicht-leibliche Kinder vor allem dort entwickelt hat, wo es galt, die Risiken einer rauen Umwelt abzufedern. (red, APA, 24. 8. 2020)