In Österreich wurden in den vergangenen 24 Stunden fast 350 Neuinfektionen gemeldet.

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Der Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (Ages), Franz Allerberger.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • In den letzten 24 Stunden haben sich 347 Menschen in Österreich neu mit dem Coronavirus infiziert.
  • Einreisende aus Österreich müssen künftig in Großbritannien in Quarantäne. Das Land setzte auch Kroatien auf eine entsprechende Liste.
  • Die Kosten für Corona-Tests von 24-Stunden-Betreuerinnen sollen rückwirkend bis Mitte März erstattet werden.
  • 80 Gäste des Grafenegg-Festivals sollen sich auf das Coronavirus testen lassen. Sie waren mit dem erkrankten Regisseur Robert Dornhelm zu einem Empfang nach einem Konzert geladen.
  • Kroatien meldet am Donnerstag erneut einen Rekord an Neuinfektionen. In den vergangenen 24 Stunden verzeichneten die Behörden 255 Infektionen.
  • Die niederösterreichische Ärztekammer prüft Vorwürfe rund um möglicherweise ungerechtfertigt ausgestellte Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht.
  • Der Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (Ages), Franz Allerberger, hält es "absolut" für möglich, dass bereits 300.000 Menschen in Österreich mit dem Coronavirus infiziert waren, wie er am Mittwoch in der "ZiB 2" sagte.
  • Deutschland hat über Teile Kroatiens eine Reisewarnung verfügt. Davon betroffen sind die zwei südlichen Bezirke um Šibenik-Knin mit dem Nationalpark Krka sowie Split-Dalmatien mit der Hafenstadt Split und den Inseln Brač sowie Hvar.

Aktuelle Zahlen zu Österreich

Die Zahl der binnen 24 Stunden mit Corona-Infizierten ist am Donnerstag in Österreich mit 347 Neuinfektionen auf einen neuen Höchststand seit 12. April gestiegen. Stand 9.30 Uhr sind damit zurzeit 2.609 Menschen in Österreich am Coronavirus erkrankt. Österreichweit sind 729 Personen an den Folgen des Coronavirus verstorben, 21.093 sind wieder genesen. Derzeit befinden sich 116 Personen aufgrund des Coronavirus in krankenhäuslicher Behandlung und davon 21 der Erkrankten auf Intensivstationen. Insgesamt gab es bisher 24.431 positive Testergebnisse.

Spitzenreiter bei den Neuinfektionen ist Wien mit 187 Fällen, wobei die hohe Zahl sich laut Information des Sprechers von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker auf Twitter sich durch die neu eingeführten Drive-in-Tests erklärt. Dort wurden bei insgesamt 3.515 Tests 53 positive Fälle gefunden, die großteils am Donnerstag in die Statistik eingeflossen sind. Viele Neuinfektionen (67) gab es auch in Oberösterreich. Tirol meldete 20 neue Fälle, Niederösterreich 21, Salzburg 20, die Steiermark 11 und Vorarlberg zehn. Die übrigen Bundesländer hatten je weniger als zehn.

Quarantänepflicht für Österreicher in Großbritannien

Einreisende aus Österreich müssen ab Samstag (4 Uhr Früh Ortszeit) in Großbritannien wieder in eine 14-tägige Quarantäne. Das Verkehrsministerium in London veröffentlichte am Donnerstag eine entsprechende Anweisung. Neben Österreich scheinen auch Kroatien und der Karibikstaat Trinidad und Tobago neu auf der Liste auf. Menschen aus Portugal wurde unterdessen die Quarantäne-Pflicht in Großbritannien erlassen.

Hintergrund sind nach Ansicht Londons die steigenden Infektionszahlen. Ob weitere Staaten nachziehen würden, war vorerst unbekannt. Großbritannien hatte jüngst auch Spanien auf die Liste gesetzt, später folgten der Entscheidung weitere europäische Staaten. Unter ihnen war auch Österreich, das eine Reisewarnung für das ganze Land außer den Kanarischen Inseln aussprach. Österreich war kürzlich auch von Norwegen wieder auf eine Quarantäneliste gesetzt worden.

Rekorde bei Infektionen in mehreren Ländern

Kroatien hat am Donnerstag erneut einen Rekord bei Neuansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. In den vergangenen 24 Stunden seien 255 Infektionen verzeichnet worden, teilte der nationale Krisenstab in Zagreb mit. Das ist der höchste Tageswert, seitdem am 25. Februar der erste Coronavirus-Fall in dem Adrialand registriert wurde.

In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen auf den höchsten Wert seit Ende April gestiegen. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 1.707 neue Corona-Infektionen. Dies geht aus den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom frühen Donnerstagmorgen hervor. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl der Nachweise wieder an.

Die Zahl der Coronavirus-Neuinfizierten ist in Italien in den vergangenen 24 Stunden wieder gestiegen. Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 845 neue Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet – nach 642 am Vortag. Das ist der höchste Wert seit den Lockerungen des Lockdowns im Mai.

In Frankreich haben sich binnen eines Tages über 4.700 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt – die höchste Zahl an Neuinfektionen seit Mai. Wie die Gesundheitsbehörden am Donnerstag mitteilten, wurden 4.771 Neuinfektionen seit Mittwoch registriert – das sind rund 1.000 Fälle mehr als am Vortag. Damit wurde seit Mai erstmals die Schwelle von 4.000 neuen Corona-Fällen an einem Tag überschritten.

Kosten für Betreuerinnentests werden rückerstattet

Die Kosten für die Corona-Tests der 24-Stunden-Betreuerinnen sollen rückwirkend erstattet werden: Die Refundierung wird in den nächsten Wochen umgesetzt, berichteten die "Salzburger Nachrichten" am Donnerstag. In den Büros der zuständigen Landesräte hieß es, dass die Kosten der bezahlten Corona-Tests auf Antrag und gegen Vorlage der Rechnung in Kürze rückwirkend bis Mitte März refundiert werden.

Pro Betreuungskraft soll eine Testung pro Monat abrechenbar sein. Für einen PCR-Test bei 24-Stunden-Betreuerinnen im Inland sollen bis zu 85 Euro refundiert werden, für einen im Ausland abgenommenen bis zu 60 Euro, erklärte Jakob Wild vom Fachverband Personenberatung und Personenbetreuung der Wirtschaftskammer gegenüber der Zeitung.

80 Grafenegg-Besucher sollen sich testen lassen

Weil einer der Gäste des Grafenegg-Festivals an Covid-19 erkrankt ist, sollen sich insgesamt 80 Personen auf das Coronavirus testen lassen. Sie waren gemeinsam mit dem Erkrankten nach einem Konzert bei einem Empfang des Starkochs Toni Mörwald. Das berichtet der "Kurier".

Bei dem Erkrankten soll es sich laut "Kurier" um den Regiesseur Robert Dornhelm handeln. Er war von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zu der Veranstaltung eingeladen worden. Wie ein Sprecher der Politikerin gegenüber "Kurier" bestätigt, sei Mikl-Leitners Corona-Test jedoch negativ. Zehn weitere Personen, die bei der Veranstaltung in Grafenegg anwesend gewesen waren, haben sich ebenfalls einem Corona-Test unterzogen. Auch ihre Ergebnisse waren dem Sprecher zufolge negativ.

Russland will seinen Corona-Impfstoff in großer Studie testen

Russland will mit seinem bereits zugelassenen Corona-Impfstoff in der kommenden Woche eine Massenstudie starten. Sie soll in 45 medizinischen Zentren im ganzen Land starten und mehr als 40.000 Teilnehmer umfassen. Die klinische Studie soll von einer ausländischen Forschungseinrichtung überwacht werden, teilte das Moskauer Gamaleja-Institut, das den Impfstoff entwickelt hat, am Donnerstag mit. Die Daten sollen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung gestellt werden. Auch sollen mehrere Länder, die eine Teilnahme an der Studie in Betracht ziehen, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Brasilien, Saudi-Arabien und die Philippinen, die Daten erhalten.

Russland hatte in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt, als das Land weltweit den ersten Corona-Impfstoff zugelassen hatte – jedoch ohne eine große klinische Wirksamkeitsstudie. Eine solche erfolgreiche Phase-3-Studie wird normalerweise als wesentliche Voraussetzung für eine behördliche Zulassung angesehen.

WHO-Europa schätzt Situation als kontrollierbar ein

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Situation in Europa dennoch anders ein als im Februar dieses Jahres. Covid-19-Ausbrüche können mit intelligenten, lokalen Maßnahmen unter Kontrolle gebracht werden, betonte am Donnerstag WHO-Europa-Generaldirektor Hans Kluge.

Pro Tag werden in den 53 Staaten der WHO-Europaregion derzeit durchschnittlich 26.000 Sars-CoV-2-Neuinfektionen registriert. "Wir sind aber nicht wieder dort, wo wir im Februar waren. Wir können regionales Aufflackern des Virus wieder löschen. Dafür müssen wir intelligente, lokale Maßnahmen ergreifen", sagte Kluge in einer Online-Pressekonferenz. Die Situation in Europa sei mittlerweile längst nicht so schwierig wie in anderen Weltregionen, sagte der WHO-Euro-Generaldirektor: "Das Epizentrum liegt derzeit auf dem amerikanischen Kontinent."

Ärztekammer prüft Vorwürfe wegen Maskenschwindels

Die Ärztekammer für Niederösterreich prüft Vorwürfe gegen zwei Mitglieder, die ungerechtfertigte Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausgestellt haben sollen. "Wir können ohne Stellungnahme der Ärzte nichts dazu sagen. Wir haben eine Beschwerdestelle, die hier Kontakt hergestellt hat", sagte Kammersprecherin Birgit Jung am Donnerstag. Derzeit stehe keine Anzeige im Raum.

Die Tageszeitung "Heute" (Donnerstagsausgabe) berichtete von anonymen Beanstandungen gegen die zwei Mediziner, die "dutzende Scheinatteste" ausgestellt haben sollen. "Wir sind für die Maskenpflicht", stellte Jung klar. Für eine Befreiung gebe es klare Vorgaben, beispielsweise Panikattacken. "Dann muss der Arzt auch ein Attest ausstellen", betonte sie. Dies liege im Ermessen des Mediziners, der seine Patienten kenne. Dennoch dürfe es keine "Gefälligkeitsatteste" geben.

Anonyme Beschuldigungen gegen Ärzte sind laut der Sprecherin zudem häufig. "Es kommt öfter vor, dass Personen angeschwärzt werden, aus unterschiedlichen Gründen", sagt Jung. Anonymen Anschuldigungen werde daher in der Regel nicht nachgegangen.

Gratistests für Balearen-Rückkehrer in Niederösterreich

In Niederösterreich werden nun auch Reiserückkehrern von den Balearen Gratis-Corona-Tests angeboten. Das Ankunftsdatum in Österreich müsse dafür im Zeitraum von 14. August bis zum kommenden Sonntag liegen, informierte Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Donnerstag in einer Aussendung. Die entsprechenden Tests werden in den drei Drive-in-Stationen im Bundesland durchgeführt.

Vorgesehen sind die Untersuchungen an den Standorten St. Pölten, Münchendorf (Bezirk Mödling) und Amstetten für Reiserückkehrer ohne Covid-19-Symptome. "Wie gehabt, müssen sich die Menschen bei der Gesundheitshotline 1450 melden, wo sie in der Folge Informationen über den weiteren Ablauf der Testung erhalten", skizzierte die Gesundheitslandesrätin das Prozedere. Das Angebot gelte bis einschließlich 28. August.

Für Rückkehrer aus Kroatien besteht seit Montag und noch bis zum (morgigen) Freitag die Anmeldemöglichkeit für einen Test in einer der drei Drive-in-Stationen. Seit Wochenbeginn haben das Angebot 1.360 Personen in Anspruch genommen. Bis Donnerstagfrüh wurde dabei kein positives Ergebnis registriert, teilte Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung mit.

Ages-Experte hält 300.000 Infizierte für möglich

Die Dunkelziffer an Corona-Infizierten in Österreich könnte sehr viel höher liegen als bisher – mit rund 120.000 – geschätzt. Es sei "absolut" möglich, dass bereits 300.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert waren, sagte Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin der Agentur für Ernährungssicherheit (Ages), am Mittwoch in der "ZiB 2". Er berichtete zudem von schweren Spätfolgen der Viruserkrankung.

Positiv getestet wurden bisher noch nicht ganz 25.000 Menschen in Österreich. Das sei "nur die Spitze des Eisbergs", meinte Allerberger. Darauf deutet auch hin, dass die Sterblichkeit mit 0,25 Prozent angegeben wird – und in Österreich bisher 729 Todesopfer gezählt wurden.

Eine ähnliche Todesrate gibt es auch bei der Grippe. Dennoch hält Allerberger die gegen die Corona-Pandemie ergriffenen einschränkenden Maßnahmen für angebracht. Dies auch im Blick darauf, dass die Covid-19-Infektionen sehr viel schwerer verlaufen können als Grippe – und wesentlich öfter schwere Spätfolgen verursachen. Auch bei milderen Verläufen könnten Dauerschäden nicht nur an der Lunge, sondern auch an Herz, Nieren et cetera aufgetreten, die "wochen-, monate-, wenn nicht jahrelang" anhalten können, berichtete Allerberger.

ORF

Leichtere Ausbreitung in trockenen Räumen

Die Ausbreitung des Coronavirus wird nach Angaben eines Forscherteams aus Leipzig und Indien auch von der Luftfeuchtigkeit beeinflusst. In trockenen Räumen kommt es demnach zu einer leichteren Verbreitung.

"Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet", erläuterte Ajit Ahlawat vom Institut für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig am Donnerstag. Hintergrund ist, dass als wichtiger Übertragungsweg von Sars-CoV-2 neben der Schmierinfektion, sogenannte Aerosole, Mischungen winziger Teilchen in der Luft, gelten.

Das Team aus Physikern des Tropos und des CSIR-National Physical Laboratory in New Delhi hatten zehn internationale Studien ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Aerosol and Air Quality Research" veröffentlicht.

EU sichert sich auch potenziellen Impfstoff von Curevac

Die EU sichert sich den Zugriff auf bis zu 405 Millionen Dosen des potenziellen Corona-Impfstoffs des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac. Man habe Sondierungsgespräche mit dem Unternehmen abgeschlossen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit.

Laut Curevac geht es um einen Vorvertrag über 225 Millionen Dosen sowie eine Option auf 180 Millionen weitere. Diese würden bereitgestellt, sobald sich der Impfstoff als wirksam und sicher erwiesen habe. "Jede Gesprächsrunde, die wir mit der pharmazeutischen Industrie abschließen, bringt uns unserem Ziel, das Virus zu besiegen, näher", sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Ähnliche Vorgespräche über hunderte Millionen Dosen hatte die EU-Kommission zuvor bereits mit Janssen Pharmaceutica NV sowie mit Sanofi-GSK abgeschlossen. Einen Schritt weiter sind die Verhandlungen mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca. Ein Rahmenvertrag für den Kauf von 300 Millionen Dosen mit der Option auf weitere 100 Millionen liegt bereits vor.

Mexiko will Studie mit russischem Impfstoff durchführen

Die mexikanische Regierung will die dritte und entscheidende Testphase des russischen Coronavirus-Impfstoffkandidaten Sputnik V mit tausenden Freiwilligen unterstützen. Dies schrieb der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter.

Er habe bei Gesprächen mit dem russischen Botschafter das Interesse daran bekundet, groß angelegte Studien am Menschen durchzuführen, "um den Impfstoff so bald wie möglich in Mexiko zu haben". Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erklärte sich zudem bereit, den neuen Coronavirus-Impfstoff freiwillig als Erster zu testen, falls er sich als wirksam erweise. (red, APA, dpa, 20.8.2020)