Kim Yo-jong geht ihrem Brunder Kim Jong-un zur Hand.

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Pjöngjang – Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat laut Meldungen südkoreanischer Geheimdienste weitere Machtbefugnisse an seine Schwester Kim Yo-Jong abgegeben. Sie solle sich nun um "die Steuerung staatlicher Angelegenheiten" kümmern, heißt es. Was genau damit gemeint ist, bleibt freilich offen. Laut südkoreanischen Medienberichten sollen unter anderem die Beziehungen zu den USA und zu Südkorea in ihren Aufgabenbereich fallen. Von nordkoreanischer Seite ist die Meldung nicht offiziell bestätigt. Allerdings ist das Land bekannt dafür, dass wichtige Personalentscheidungen erst Wochen oder Monate später nebenher in den Staatsmedien kommuniziert werden.

Eine Beförderung Kim Yo-jongs würde zu dem Verhalten Nordkoreas in den vergangenen Wochen und Monaten passen. Schon bei der letzten Welle an Drohungen, die das Land Mitte Juni an Südkorea und die USA gerichtet hatte, war sie in der vordersten Reihe gestanden. Damals hatte Nordkorea unter anderem ein Verbindungsbüro gesprengt, das für die Beziehungen zu Seoul als zentral gegolten hatte.

Kim Yo-jongs damaliges Auftreten passt in ein Muster, wonach sich zahlreiche nordkoreanische Führungspersonen vor Aufstiegen in der Pjöngjanger Führungsriege durch hartes Auftreten gegenüber Gegnern des Landes zu profilieren versuchen. Wichtig ist ihr Aufstieg auch vor dem Hintergrund angeblicher Gesundheitsprobleme ihres Bruders, der in den vergangenen Monaten immer wieder von der Bildfläche verschwunden war.

Lage miserabel

Nordkorea befindet sich ohnehin gerade in einer in jeder Hinsicht schwierigen Phase. Die Sanktionen der USA und der Uno werden nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche um eine Denuklearisierung wieder schärfer durchgesetzt. Wegen der Corona-Pandemie ist zudem die vormals für Schmuggler häufig offene Grenze zu China weitgehend geschlossen. Die Wirtschaft des Landes schrumpft.

Offiziell gibt es in Nordkorea weiterhin keine Corona-Ansteckungen, die Armee des Landes soll allerdings wegen der Pandemie den Großteil des Februar im Lockdown verbracht haben. Der Fall eines vor einigen Wochen aus Südkorea zurückgekehrten Deserteurs, der an Covid-19 erkrankt gewesen sein und die Krankheit so hereingeschmuggelt haben soll, ist unbestätigt – der Süden hat diesbezügliche Berichte aus dem Norden zurückgewiesen.

Zweifel an Meldung über Hunde als Nahrung

Laut der Uno steht das Land wegen der miserablen wirtschaftlichen Lage am Rande der Hungersnot. Die konservative südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" hat vor diesem Hintergrund Anfang der Woche berichtet, Mitglieder der nordkoreanischen Führungsschicht müssten ihre Haustiere – darunter auch Hunde – an den Staat abgeben, der sie an Restaurants und Zoos weiterleite. Grund sei Ärger in der Bevölkerung über die "dekadente" Nomenklatur, die mitten in der Krise Haustiere halte und ernähre.

"Chosun Ilbo" beruft sich auf einen nicht genannten Informanten. Die Entscheidung der Partei habe zu Unmut in der Nomenklatur der Partei geführt, berichtet sie weiter. Die Berichte der Zeitung haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt, stehen allerdings in Zweifel. In der Vergangenheit haben sie sich immer wieder auch als unzutreffend erwiesen. (Manuel Escher, 20.8.2020)