Am Donnerstag hat das Schiff laut Sea-Watch 89 Menschen in Seenot gerettet, darunter 14 Frauen und vier Kinder.

Foto: Laila Sieber / Sea Watch / Handout via REUTERS

London – Der geheimnisumwitterte Streetart-Künstler Banksy unterstützt laut der Hilfsorganisation Sea-Watch ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Die deutsche Organisation twitterte am Donnerstag, dass das rosa bemalte Schiff bereits 89 Menschenleben gerettet habe.

Dazu veröffentlichte die Organisation ein Foto, auf dem das rosa – offenbar von Banksy – bemalte Schiff, das unter deutscher Flagge fährt, zu sehen ist. Auf einem vom "Guardian" am Donnerstag veröffentlichten Foto ist auf dem Schiff ein Kunstwerk zu sehen, das ein Mädchen mit Schwimmweste und einem herzförmigen Rettungsring zeigt.

Banksys Beteiligung an der Rettungsaktion geht der Zeitung zufolge auf eine E-Mail zurück, die er im September 2019 an die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Pia Klemp geschickt hatte. Darin habe es geheißen, er – Banksy – habe Klemps Geschichte in der Zeitung gelesen. "Du klingst, als ob du ein harter Typ bist. Ich bin ein Künstler aus dem Vereinigten Königreich und habe einige Arbeiten über die Flüchtlingskrise gemacht, offensichtlich kann ich das Geld nicht behalten. Könnten Sie es benutzen, um ein neues Schiff oder etwas anderes zu kaufen? Lassen Sie es mich bitte wissen. Gut gemacht. Banksy."

Politische Einstellung

Klemp, die die Mail laut "Guardian" zunächst für einen Scherz gehalten hatte, glaubt mittlerweile, Banksy habe sie wegen ihrer politischen Einstellung ausgewählt. "Ich sehe die Seenotrettung nicht als eine humanitäre Aktion, sondern als Teil eines antifaschistischen Kampfes", sagte sie dem "Guardian". Sie habe deutlich gemacht, dass sich Banksys Beteiligung an den Operationen auf die Bereitstellung finanzieller Unterstützung beschränke. "Banksy wird nicht so tun, als wüsste er besser als wir, wie man ein Schiff führt, und wir werden nicht so tun, als seien wir Künstler."

Der Zeitung zufolge ist das Schiff am 18. August in Valencia ausgelaufen und befindet sich nun im Mittelmeer, wo es am Donnerstag 89 Menschen in Not gerettet habe, darunter 14 Frauen und vier Kinder. Nun werde ein sicherer Hafen gesucht, um die Passagiere von Bord zu bringen.

Schiff von Zollbehörden

Die 31 Meter lange Motorjacht gehörte der Zeitung zufolge früher den französischen Zollbehörden. Sie ist kleiner, aber wesentlich schneller als andere NGO-Rettungsschiffe. Die Louise Michel könne "hoffentlich die sogenannte libysche Küstenwache überholen", bevor diese Boote mit Flüchtlingen und Migranten erreiche und sie in die Internierungslager in Libyen zurückbringe, sagte Klemp.

Banksys Identität gibt nach wie vor Rätsel auf. Bekannt ist, dass er aus Bristol im Südwesten Englands stammt und Ende der 90er-Jahre nach London kam. Einen Namen machte er sich mit gesellschaftskritischen und meist kontroversen Motiven, die oft überraschend auftauchen. Er thematisierte zum Beispiel auch Obdachlosigkeit, Konsumverhalten und die Corona-Krise. (APA, 28.8.2020)