Wie sieht das Hygiene- und Präventionskonzept der Tour aus?

Der Slowene Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma zählt zu den Favoriten.
Foto: REUTERS

Die Fahrer mussten sich sechs und drei Tage vor dem Start in Nizza auf Corona testen lassen, zudem stehen Tests an den beiden Ruhetagen an. Zweimal täglich gibt es für jeden Profi eine Gesundheitsbefragung. Ursprünglich wollte die veranstaltende Amaury Sport Organisation (AOS) Teams nach zwei positiven Tests ausschließen. Nach heftigen Interventionen wurde diese Regel aber gelockert. Nur noch bei zwei positiven Tests von Fahrern innerhalb von sieben Tagen wird der gesamte Rennstall ausgeschlossen. Physiotherapeuten, Busfahrer oder Teamoffizielle zählen nicht, werden aber wie auch Medienvertreter, die direkt im Tourtross arbeiten, regelmäßig getestet.

War eine Tour de France ohne Zuseher an der Strecke ein Thema?

Ja, aber die Idee einer "Geistertour" war mangels Durchsetzbarkeit auf knapp 3.500 Streckenkilometern flott vom Tisch. Es gibt aber Beschränkungen. Auch aufgrund der Covid-19-Maßnahmen in Frankreich, die bei Großereignissen maximal 5.000 Personen vorsehen, ist der Zugang zu Start- und Zielbereichen stark limitiert. Beim Start in Nizza sind 500 ausgeloste Fans zugelassen, die Teampräsentation auf der Place Massena dürfen 1.500 Zuschauer sitzend verfolgen. An den Bergpassagen gibt es Zufahrtskontrollen, Wohnmobile und Pkws sind dort nicht erlaubt. Die beliebte Werbekarawane, die vor dem Peloton die Strecke befährt, wird halbiert. Fans haben diesmal keinen Zugang zum Teambus-Bereich, Autogramme und Selfies sind untersagt. Tour-Chef Christian Prudhomme forderte alle Besucher an der Strecke zum Tragen einer Maske auf. Eine Verschärfung der Maßnahmen ist jederzeit möglich. Normalerweise zieht die Tour an die zehn Millionen Zuseher an.

Hat sich durch die Verschiebung um zwei Monate etwas an der Route geändert?

Nein, die 107. Tour findet grosso modo so statt, wie sie am 15. Oktober des Vorjahres präsentiert wurde, also mit 21 Etappen bzw. 3.484 Kilometer ausschließlich auf französischem Boden zwischen Nizza und Paris. Sechs Etappen enden mit einer Bergankunft, darunter auch das einzige Zeitfahren am vorletzten Tag an der Planche des Belles Filles. Die ersten beiden Bergankünfte stehen ungewöhnlich früh auf der vierten und sechsten Etappe an. Ebenfalls ungewohnt: Nur auf der 17. Etappe, die auf dem 2.304 Meter hohen Col de la Loze endet, geht es über 2.000 Meter hinaus. Einige neue oder bisher selten gefahrene Berge sind im Programm, dafür fehlen so legendäre Anstiege wie Tourmalet, Galibier oder L'Alpe d’Huez. Alle fünf französischen Gebirgszüge werden jedoch besucht.

Wer sind die Favoriten?

Zu erwarten ist ein Duell der Teams Ineos (bei der Tour Ineos Grenadiers) mit dem kolumbianischen Titelverteidiger Egan Bernal und Jumbo-Visma um den slowenischen Ex-Skispringer Primoz Roglic, dem Sieger der Spanien-Rundfahrt. Bei Ineos fehlen die formschwachen britischen Ex-Toursieger Chris Froome und Geraint Thomas, Bernal selbst hat Rückenprobleme. Roglic stürzte bei der Tour-Generalprobe Dauphiné, dazu fällt sein niederländischer Co-Kapitän Steven Kruijswijk ebenfalls nach einem Sturz bei der Dauphiné verletzt aus. Die Franzosen hoffen auf Kletterer Thibaut Pinot von Groupama-FDJ. Bei den Buchmachern an dritter Stelle hinter Bernal und Roglic, aber vor Pinot wird allerdings Tom Dumoulin geführt. Der Niederländer, 2018 Zweiter der Tour de France, ist für Jumbo-Visma die beste Alternative, sollte Roglic doch nicht durchhalten.

Die Strecke samt Höhenprofil wichtiger Bergetappen.
Foto: APA

Welche Österreicher sind dabei? Welche Chancen haben sie?

Fünf österreichische Radprofis nehmen teil: Gregor Mühlberger, Felix Großschartner und Lukas Pöstlberger für das deutsche Team Bora, Marco Haller für Bahrain-McLaren und Michael Gogl für NTT aus Südafrika. Der 26-jährige Oberösterreicher wird als einziger Freiheiten genießen. Marco Haller (29) aus Kärnten muss für den Spanier Mikel Landa arbeiten. Gregor Mühlberger, im Vorjahr Etappendritter, hat nach einem Handwurzelknochenbruch noch Schmerzen. Der 26-jährige Niederösterreicher soll bei Bora wie auch der Oberösterreicher Felix Großschartner (23) Kapitän Emanuel Buchmann, den Gesamtvierten 2019, unterstützen. Der Oberösterreicher Lukas Pöstlberger (28) ist ein wichtiger Helfer für den dreimaligen Weltmeister Peter Sagan. Der Slowake fährt um den achten Gewinn des Grünen Trikots des Punktebesten.

Wer überträgt die Tour im deutschsprachigen Raum?

Eurosport überträgt jede Etappe live und mit Start des internationalen Signals in voller Länge. Bernhard Eisel, mit zwölf Teilnahmen an der Tour de France Österreichs Rekordmann, ist als Experte und bei Interviews im Einsatz. Die ARD steigt am Nachmittag ein.

Was gibt es für die Profis bei der Tour zu verdienen?

Insgesamt geht es um 2,3 Millionen Euro. Wer in Paris im Gelben Trikot auf dem Podium steht, erhält eine Siegesprämie von 500.000 Euro. Die Gewinner des Grünen und des Gepunkteten Trikots des Bergbesten müssen sich mit jeweils 25.000 Euro begnügen. Der beste Jungprofi im Weißen Trikot erhält 20.000 Euro. Jeder Etappensieg bringt 11.000 Euro, Platz zwei bringt 5.500 und Platz drei 2.800 Euro. (Sigi Lützow, 28.8.2020)