203 Tests fielen in Wien von Freitag auf Samstag positiv aus.

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Virologisch gesehen haben sich die Wolken über Wien am Samstag ein wenig verdunkelt.

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In Frankreich steigen die Corona-Fälle massiv.

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Corona-Zahlen in Österreich sind von Freitag auf Samstag wieder gestiegen. Die Zahl von 395 ist die höchste seit dem 3. April. Allein in Wien wurden 203 neue Fälle verzeichnet. Die Reproduktionszahl war zuvor leicht gesunken.
  • Die für Samstag geplante Demo gegen Corona-Maßnahmen in Berlin, deren Teilnehmer bewusst auf Schutzmaßnahmen verzichten wollen, durfte laut einem Gerichtsentscheid stattfinden. Nach wenigen Stunden begann die Polizei den Protestzug aufzulösen, weil unter anderem Sicherheitsabstände nicht eingehalten worden sind.
  • In Frankreich spitzt sich die Lage rund um das Coronavirus wieder zu. Zuletzt gab es mehr als 7.000 Neuinfektionen.
  • Das Unterrichtsministerium besteht darauf, dass es trotz Coronavirus keine Maskenpflicht im Unterricht geben wird. Laut "Profil" will die polytechnische Schule in Wien-Währing den Erlass des Ministers umgehen und über die Hausordnung eine Maskenpflicht einführen.
  • Die britische Regierung warnt vor dem Winter: "Eine zweite Welle ist in anderen Teilen der Welt klar erkennbar", sagte Gesundheitsminister Matt Hancock.
  • In Seoul wird ebenfalls eine neue Infektionswelle vermeldet. Dort werden laut den Gesundheitsbehörden die Krankenhausbetten knapp.
  • Ungarn schließt am 1. September seine Grenzen für alle Ausländer. Diese dürfen nur noch mit "triftigem Grund" ins Land.
  • Auch in den USA ist nun ein Fall einer Reinfektion mit dem Coronavirus festgestellt worden.
  • Ebenfalls in den USA gibt es weiter Streit über das geplante Corona-Hilfspaket. Die Demokraten fordern etwa doppelt so viel wie Präsident Donald Trump bereitstellen will.

Steigende Corona-Zahlen in Österreich

In Österreich sind am Samstag wieder mehr Corona-Neuinfektionen verzeichnet worden als an den Vortagen. Insgesamt beläuft sich deren Zahl auf 395, das ist der höchste Wert seit dem 3. April. Allein in der Bundeshauptstadt Wien waren es diesmal 203 neu festgestellte Sars-CoV-2-Fälle. Am Vortag waren es mit nur 70 Fällen deutlich wenige als im Schnitt der vergangenen Wochen gewesen. Aber auch in Oberösterreich wurden 57 Fälle registriert, in Tirol 49. Etwas wenig, nämlich 35 Fälle, waren es in Niederösterreich, 24 in der Steiermark. Alle anderen Bundesländer hatten weniger als 20 neue Fälle.

Die effektive Reproduktionszahl des Coronavirus – wieviele Menschen steckt im Durchschnitt ein Betroffener an – war davor in Österreich für den Zeitraum von 14. bis 26. August auf 1,14 gesunken. Im vorangegangenen Vergleichszeitraum hatte sie noch 1,31 betragen. Dies teilte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) Freitagabend mit. Offenbar nehmen die Reise-assoziierten Infektionen ab. Die genauen Daten lassen sich – auch in tabellarischer Form – auf der Homepage der Agentur einsehen und downloaden.

Auch die tägliche Steigerungsrate bei den Neuinfektionen reduzierte sich wieder auf geschätzte 1,4 Prozent. Zwischen dem 7. und dem 19. August war sie bei 9,9 Prozent gelegen. Für das Burgenland weist die Statistik in etwa eine Reproduktionszahl von zuletzt etwa 1,3 (ähnlich die Steiermark) aus, in Kärnten sind es etwa 0,8. Niederösterreich dürfte bei 1,2 liegen, ganz ähnlich wie Oberösterreich, Salzburg hingegen bei einem Pegel von um 1,0. Für Tirol ließ sich der Wert aufgrund technischer Probleme nicht errechnen. Vorarlberg hatte zuletzt eine Reproduktionszahl von etwa 1,0. Auch in Wien ging die Reproduktionszahl für SARS-CoV-2 auf etwa 1,2 zurück.

Bei der "Großdemo" haben sich am Samstagabend laut Veranstaltern rund 3.000 Teilnehmer beim Wiener Resselpark versammelt, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Im Gegensatz zu der Kundgebung in Berlin habe es "keinerlei Probleme" gegeben, so Sprecher Martin Rutter zur APA.

Das Ziel der Versammlung laut Hannes Brejcha von Querdenker Wien: "Wir möchten bis zu 15.000 Menschen vor Ort aus dieser 'Coronadiktatur' befreien und Hunderttausende online erreichen." Als Redner hatten sich u.a. Peer Eifler, Franziska Loibner, Alexandra Koller und Merith Streicher zu den Themen Impfzwang, juristische Sicht auf Corona-Maßnahmen, 5G sowie Killervirus Ja oder Nein angekündigt.

3000 Teilnehmer bei Corona-Demo in Wien

Bei der "Großdemo" haben sich am Samstagabend laut Veranstaltern rund 3.000 Teilnehmer beim Wiener Resselpark versammelt, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Im Gegensatz zu der Kundgebung in Berlin habe es "keinerlei Probleme" gegeben, sagte Sprecher Martin Rutter.

Das Ziel der Versammlung laut Hannes Brejcha von Querdenker Wien: "Wir möchten bis zu 15.000 Menschen vor Ort aus dieser 'Coronadiktatur' befreien und Hunderttausende online erreichen." Als Redner hatten sich u.a. Peer Eifler, Franziska Loibner, Alexandra Koller und Merith Streicher zu den Themen Impfzwang, juristische Sicht auf Corona-Maßnahmen, 5G sowie Killervirus Ja oder Nein angekündigt.

Vier Besucher von Innenstadtlokalen in Wiener Neustadt positiv

Vier Besucher von Lokalen in der Wiener Neustädter Herrengasse sind positiv auf Corona getestet worden. Weitere Gäste, die sich in der Nacht auf vergangenen Sonntag dort aufgehalten hatten, wurden am Samstag seitens der Stadt Wiener Neustadt dringend zur Selbstüberwachung aufgerufen.

Empfohlen wurde Personen, die im Zeitraum von 22.00 Uhr am vorigen Samstag bis 2.00 Uhr am Sonntag in dem Innenstadtbereich gewesen waren, im Fall von Symptomen die Gesundheitsberatung 1450 zu kontaktieren. Nach Angaben eines Sprechers der Statutarstadt handelt es sich bei dem Aufruf um eine Vorsichtsmaßnahme, weil die Herrengasse ein großes Einzugsgebiet aufweise. Ein Indiz dafür sei, dass keiner der in diesem Zusammenhang bisher positiv Getesteten aus Wiener Neustadt komme.

Situation in Frankreich verschärft sich

In Frankreich spitzt sich die Lage mit 7.462 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages (plus 2,5 Prozent) weiter zu. Das Gesundheitsministerium sprach am Freitagabend von einem "exponentiellen" Anstieg. Auch in Krankenhäusern und auf den Intensivstationen steige die Zahl der Patienten wieder an – wenn auch die offiziellen Zahlen der Regierung auf ein allenfalls sehr niedriges Steigerungsniveau hindeuten. Gleichzeitig treten immer schärfere Regelungen bei der Maskenpflicht in Kraft. Präsident Emmanuel Macron warnte angesichts der steigenden Zahlen vor Grenzschließungen innerhalb Europas.

In den vergangenen 24 Stunden seien 7.379 neue Fälle gezählt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Freitagabend. Am Vortag waren es mehr als 6.000, davor mehr als 5.000. Die 4.000er-Schwelle war zuvor mehrfach überstiegen worden. "Die Dynamik des Fortschreitens der Epidemie ist exponentiell", hieß es. Seit einigen Wochen steigen die Fallzahlen im ganzen Land an – die Lage ist allerdings regional unterschiedlich.

Die Regierung hat 21 Départements im Land als Risikogebiete klassifiziert. Dort herrscht erhöhte Ansteckungsgefahr. Diese sogenannten roten Zonen liegen vorwiegend – aber nicht ausschließlich – an der Mittelmeerküste und rund um die Hauptstadt Paris. Das deutsche Außenamt hat für diese Gebiete eine partielle Reisewarnung erlassen, Österreich hat dies bisher noch nicht getan.

Maskenpflicht im Unterricht auch nicht über Hausordnung

Das österreichische Unterrichtsministerium besteht darauf, dass es trotz Coronavirus keine Maskenpflicht im Unterricht geben wird. Laut "profil" will die polytechnische Schule in Wien Währing den Erlass des Ministers umgehen und über die Hausordnung eine Maskenpflicht während des Unterrichts einführen. Dies sei "keine Option", erklärte eine Sprecherin von Minister Heinz Faßmann (ÖVP) am Samstag.

Die polytechnische Schule in Wien Währing argumentiert laut dem Nachrichtenmagazin, dass der Corona-Abstand zwischen den Schülern nicht gewährleistet werden könne. Die Maskenpflicht solle nur in den Pausen fallen oder, wenn maximal 15 Schüler im Raum sind. Im Ministerium verwiest man auf den Erlass, der selbst bei einer gelben Stufe der Corona-Ampel lediglich eine Maskenpflicht außerhalb der Klasse vorsieht. Selbstverständlich könne jeder eine Maske tragen, wo er möchte. Eine Verpflichtung zur Maske für Schüler im Unterricht über die Hausordnung zu verordnen, sei allerdings "keine Option", betonte die Sprecherin.

Britische Regierung warnt vor dem Winter

Die britische Regierung bereitet die Bevölkerung auf verschärfte Ausgangsbeschränkungen im Falle einer erneuten Corona-Infektionswelle im Winter vor. "Eine zweite Welle ist in anderen Teilen der Welt klar erkennbar", sagte Gesundheitsminister Matt Hancock der Zeitung "Times" (Samstagsausgabe). "Die Fälle nehmen wieder zu, und wir müssen sehr weitgehende lokale Sperren anwenden oder weitere nationale Maßnahmen ergreifen", so der Minister. Die Regierung wolle das zwar nicht, könne es aber nicht ausschließen.

Einem am Freitag bekannt gewordenen Bericht des wissenschaftlichen Beratungsgremiums der Regierung zufolge könnten im schlimmsten Fall 85.000 Menschen in ganz Großbritannien am Virus sterben. Derzeit liegt die Zahl bei mehr als 41.000 – die höchste Europas.

Krankenhausbetten in Seoul werden knapp

Angesichts anhaltend steigender Zahlen von Coronavirus-Infektionen wächst in Südkorea die Sorge vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Im Großraum der Hauptstadt Seoul waren am Freitag für schwere Fälle nur noch rund 15 Klinikbetten frei, erklärte der Koordinator für öffentliche Gesundheitspolitik im Gesundheitsministerium, Yoon Tae Ho. Das seien 4,5 Prozent der vorhandenen Betten. Eine Woche zuvor hätten noch 22 Prozent zur Verfügung gestanden. Er gehe aber von einer Entspannung in den nächsten Tagen aus, weil einige Patienten entlassen würden.

Allerdings steigen die Infektionszahlen in Südkorea seit mehr als zwei Wochen wieder deutlich an. Am Samstag meldeten die Seuchenkontrollzentren 308 Neu-Infektionen. Insgesamt sind in Südkorea damit 19.400 Covid-19-Erkrankungen bekannt, 321 verliefen den Angaben zufolge tödlich. Das Land hatte im Frühjahr den ersten schweren Corona-Ausbruch außerhalb Chinas vergleichsweise gut in den Griff bekommen.

Ungarn schließt seine Grenzen ab 1. September

Angesichts steigender Infektionszahlen verschärft die ungarische rechtsnationale Regierung die Corona-Bestimmungen und schließt ab 1. September die Grenzen des Landes. Das gab Kanzleiminister Gergely Gulyás am Freitag in Budapest bekannt. Ausländische Staatsbürger dürfen damit nur mit begründeter Ausnahme ungarisches Territorium betreten. Transitkorridore werden gesichert, betonte Gulyás. mehr dazu finden Sie hier.

Reinfektion nun auch in den USA

Wissenschafter haben einer Studie zufolge eine erneute Corona-Infektion eines bereits seit längerem genesenen Patienten in den USA nachgewiesen. Dies zeige, dass die Immunität nach einer Infektion nicht absolut sei und Mehrfachansteckungen möglich seien, hieß es in der Studie. Zudem sei die zweite Erkrankung des Patienten schwerer ausgefallen als die erste.

Es sei aber unklar, inwieweit daraus generelle Schlussfolgerungen gezogen werden könnten. Die Studie von Forschern um Richard Tillett von der Universität Nevada wurde beim Magazin "The Lancet" eingereicht, bisher aber noch nicht unabhängig geprüft und veröffentlicht. Der Fall schien die erste nachgewiesene Zweifach-Infektion in den USA darzustellen.

Zuletzt hatten bereits Forscher in Hongkong, Belgien und den Niederlanden von dokumentierten Fällen erneuter Infektionen berichtet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht angesichts von inzwischen weltweit fast 25 Millionen Coronavirus-Infektionen davon aus, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt.

Weiter Streit um Corona-Hilfen in den USA

Die Verhandlungen über ein neues Corona-Hilfspaket stecken derweil trotz eines neuen Angebots von Präsident Donald Trump weiter fest. Trump sei bereit, das Volumen um 300 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar aufzustocken, teilte sein Stabschef Mark Meadows am Freitag mit. Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, wies dies aber umgehend als zu wenig zurück.

Sie bekräftigte die Forderung ihrer Partei nach einem Volumen von 2,2 Billionen Dollar. Erst wenn die republikanische Seite dem zustimme, könnten die vor rund drei Wochen abgebrochenen Verhandlungen fortgesetzt werden. Die Demokraten hatten im Mai zunächst ein 3,4 Billionen Dollar schweres Hilfspaket gefordert. Später zeigten sie sich aber zu einem Kompromiss bereit, um sich in der Mitte bei 2,2 Billionen Dollar zu treffen. (red, APA, 29.8.2020)