Demonstrationen in Charabowsk gegen den Kreml und Präsident Wladimir Putin.

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Chabarowsk – Der Kreml bekommt die Situation nicht in den Griff. Im äußersten Osten Russlands dauern die Proteste gegen die Inhaftierung des Ex-Gouverneurs von Chabarowsk an. Am Samstag gingen erneut Tausende Menschen auf die Straße – das mittlerweile achte Wochenende in Folge. Videos und Fotos zeigten, wie die Menschenmenge mit Plakaten und Fahnen durch die Straßen der Stadt nahe der Pazifikküste zog.

Die Stadtverwaltung von Chabarowsk sprach von 1200 Teilnehmern mit rückläufiger Tendenz. Unabhängige Journalisten am Ort gingen aber von Tausenden Menschen aus.

Der frühere Gouverneur Sergej Furgal war vor gut zwei Monaten festgenommen worden. Er sitzt in Moskau in Untersuchungshaft. Die Ermittler werfen ihm vor, als Geschäftsmann vor 15 Jahren zwei Morde in Auftrag gegeben zu haben. In einem weiteren Fall sei es bei versuchtem Mord geblieben. Der 50-Jährige bestritt die Vorwürfe.

Hausarrest statt Haft? Putin nicht befugt

Furgals Liberaldemokratische Partei (LDPR) des Ultranationalisten Wladimir Schirinowski hatte den Kreml zuletzt dazu aufgerufen, den beliebten Politiker in Hausarrest zu überstellen. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte dazu: "Der Präsident ist nicht befugt, solche Entscheidungen zu treffen." Furgal hatte sich bei der Gouverneurswahl 2018 gegen den Kandidaten der Kremlpartei durchgesetzt.

Viele Demonstranten riefen "Putin ist ein Dieb" und forderten den Rücktritt der Regierung. Neben der Forderung nach einem fairen Verfahren für den mittlerweile entlassenen Gouverneur wenden sich die Menschen auch gegen einen zu großen Einfluss Moskaus auf die Region, die gut acht Flugstunden von der Hauptstadt entfernt liegt.

Demonstrationen sind in Russland wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Die Polizei in Chabarowsk schreitet nur vereinzelt ein. Die Stadt sprach am Samstag von 19 Festnahmen seit Mitte Juli. In mehr als 160 Fälle sei wegen einer Teilnahme ermittelt worden. Die größten Proteste mit rund 50.000 Menschen gab es vor anderthalb Monaten. (APA, 29.8.2020)