Nicht nur der märchenhafte Aufstieg des saudischen Königreichs unter Kronprinz Mohammed bin Salman im Doing-Business-Report der Weltbank steht auf dem Prüfstand.

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Wien/Washington – Für Russland, Aserbaidschan, Kenia oder Usbekistan ging es steil bergauf. Die Länder verbesserten ihre Platzierung im Doing-Business-Report der Weltbank innerhalb von fünf Jahren um bis zu 80 Plätze. Indien katapultierte sich von Rang 132 auf 63 nach vorn, und heuer sollte es dem Subkontinent zur Freude von Premierminister Narendra Modi sogar gelingen, unter die Top 50 zu kommen. Sofern die für ausländische Direktinvestitionen inzwischen als maßgeblich qualifizierte Liste hält und es im Oktober einen neuen Report gibt.

Das ist mehr als fraglich. Denn die Weltbank macht die vergangenen fünf Reports wieder auf, nachdem sie am Wochenende Unregelmäßigkeiten bei der Erstellung ihres weltweit beachteten Global-Business-Climate-Index einräumen musste. In den Reports 2018 und 2020 habe es eine Reihe von Unregelmäßigkeiten gegeben, heißt es in einer Stellungnahme der multilateralen Organisation und Entwicklungsbank.

Gründliche Überprüfung

Es brauche in den Reports der vergangenen fünf Jahren eine systematische Überprüfung. Infrage steht nicht weniger als die Seriosität der Daten. Bis dahin werde es keine neue Ausgabe des erstmals 2002 erstellten Index geben, der Aufschluss über die Wirtschaftsausstattung, Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit von 190 Ländern gibt, heißt es in der Financial Times (FT).

Gut möglich, dass Daten nachträglich revidiert werden (müssen). Besonders auffällig waren zuletzt die Sprünge von Saudi-Arabien, China und Aserbaidschan. Das saudische Königreich hatte sich von Platz 92 auf Rang 62 katapultiert, obwohl Zweifel und Kritik daran geäußert wurden, dass sich die regulatorischen Rahmenbedingungen beispielsweise für eine Unternehmensgründung tatsächlich so signifikant verbessert hätten.

China vor Frankreich

China wiederum hatte wie durch ein Wunder Frankreich überholt, obwohl es laut dem Index 2015 noch ziemlich aufwendig und kompliziert war, in China tätig zu werden – in etwa so kompliziert wie in Namibia oder in Paraguay, die in einer ähnlichen Liga spielten wie die Volksrepublik: ausgeprägte, langsame Bürokratie, unklare Zuständigkeiten, sehr komplizierte Verfahren, die ohne chinesische Partnerunternehmen kaum zu bewältigen waren. Peking wies Kritik an seinem Aufstieg von Rang 46 auf 31 scharf zurück, qualifizierte diese als westliche Propaganda.

Es war nicht das erste Mal, dass Beobachter und Wirtschaftslenker über die von der Weltbank erstellte Rangliste den Kopf schüttelten. Paul Romer, ehemals Chefvolkswirt der Weltbank, argwöhnte vor zwei Jahren, dass der Index für Manipulationen empfänglich sei. Chiles Ranking könnte sich von Platz 34 (im Jahr 2014) auf Rang 55 im Jahr 2018 verschlechtert haben, weil die Weltbank-Mitarbeiter ideologische Vorbehalte gegen die sozialistische Regierung von Präsidentin Michelle Bachelet gehabt haben könnten.

Neue Regeln, neue Sieger

Außerdem sei die Methodologie der Berechnung des Index mehrfach verändert worden. Diese Änderungen hätten einigen Ländern Vorteile in der Rangliste verschafft, während sich dieselben Staaten bei den grundlegenden Parametern kaum verbessert hätten. Von solchen Umstellungen könnte Indien profitiert haben, das sich im Report 2018 von 130 auf Platz 100 nach oben katapultierte. Bereits damals kritisierten Forscher, dass diese massive Verbesserung maßgeblich auf Änderungen der methodischen Standards zurückzuführen sei.

Der Fokus auf Investoren verführe Länder zu Steuersenkungen oder Lockerungen in der Regulierung, obwohl makroökonomisch das Gegenteil angezeigt sei, zitierte die FT den früheren Vorsitzenden der UN-Wirtschaftskommission für Afrika, Carlos Lopes, der im Brotberuf an der Universität Kapstadt lehrt. Regierungen begäben sich in Wettrennen um Direktinvestitionen, obwohl Investoren Stabilität und Rechtssicherheit deutlich höher einschätzten.

Korruption wird nicht gemessen

Das wiederum könnte Korruption befeuern, die im Weltbank-Index übrigens nicht abgebildet wird. Rasche Baugenehmigungen sind so ein Einfallstor. Im Sudan etwa sieht das Gesetz für die Erteilung einer Baugenehmigung an die 270 Tage vor, Unternehmen können diese aber bereits nach fünf Tagen erhalten. Das bringt im Doing-Business-Index viele Gutpunkte. (Luise Ungerboeck, 31.8.2020)