Primoz Roglic zeigte zum ersten Mal bei dieser Tour sein Potenzial.

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Orcieres Merlette – Herausforderer Primoz Roglic hat bei der Tour de France die Muskeln spielen lassen und mit dem Sieg bei der ersten Bergankunft Titelverteidiger Egan Bernal einen Schlag verpasst.

"Es war ein schöner Tag, so kann es weitergehen", sagte Vuelta-Sieger Roglic (Jumbo-Visma), der sich auf 1825 m Höhe in Orcieres-Merlette an einem slowenischen Festtag vor seinem jungen Landsmann Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) durchsetzte. Roglic untermauerte seinen Status als großer Tour-Favorit.

Mit Platz fünf verteidigte der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) das Gelbe Trikot. Bernal (Kolumbien/Ineos) kam als Siebter zwar zeitgleich mit Roglic ins Ziel, der Slowene holte aber aufgrund der Zeitgutschriften zehn Sekunden auf seinen Widersacher heraus.

Roglic in Topform

Alaphilippe hatte am Dienstag zu kämpfen, seine schwächeren Kletterfähigkeiten machte er mit einer weiteren Energieleistung wett. So wird Frankreichs Liebling am Mittwoch zum 17. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot tragen, womit er in der ewigen Bestenliste der Franzosen auf den neunten Platz vorrückte – auf einer Stufe mit Ex-Weltmeister Andre Darrigade und dem früheren Tour-Champion Roger Pingeon.

Die Entscheidung über den Tagessieg fiel auf dem letzten Kilometer, als Roglic das Kommando übernahm. Für ihn war es bereits der sechste Saisonsieg in 13 Renntagen. Auch der Sturz bei der Dauphine-Rundfahrt scheint ihn nicht mehr zu beschäftigen. Zuvor hatte eine sechsköpfige Ausreißergruppe das Geschehen bestimmt. Direkt nach dem Start hatte das Sextett die Flucht ergriffen und zwischenzeitlich vier Minuten Vorsprung herausgefahren.

Anfeuern mit Maske

Die rauschende Bergfest-Stimmung wollte aber beim ersten Gipfelsturm der Corona-Ausgabe der Tour nicht aufkommen. Wohnmobile und PKW waren am Schlussanstieg nicht gestattet, auch die Heerscharen an Hobbyradlern nicht im gewohnten Maße unterwegs, die Strecke schon Kilometer vor dem Ziel mit Gittern geschützt.

Dennoch fanden viele Fans den Weg an den Schlussanstieg, vor allem Publikumsliebling Alaphilippe hatte an seinem zweiten Tag in Gelb wieder reichlich Unterstützer unter seinen Landsleuten. Jene beklatschten ihren Helden aber diszipliniert und feuerten unter Masken an – die Mahnungen der Organisatoren scheinen Gehör zu finden.

Am Tag nach der ersten Bergankunft erhalten die Sprinter am Mittwoch auf der fünften Etappe ihre nächste Chance. Von Gap auf gut 850 m Höhe geht es über 183 km hinunter nach Privas auf 270 m Seehöhe. Topfavorit auf den Tagessieg ist der Australier Caleb Ewan, der Sieger der dritten Etappe am Montag nach Sisteron. (sid, APA, 1.9.2020)