Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren 2018 ermordet worden.

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Bratislava – In der Slowakei sind am Donnerstag die Urteile im Mordfall Ján Kuciak gefallen. Der bekannte Geschäftsmann Marian Kočner sowie Alena Z. wurden freigesprochen, beide waren als Drahtzieher angeklagt. Laut Gericht konnte ihre Schuld nicht bewiesen werden. Der dritte Angeklagte, Tomáš S., der den bereits früher verurteilten Todesschützen zum Tatort gefahren haben soll, wurde hingegen schuldig gesprochen und muss für 25 Jahre ins Gefängnis.

Die Tat hatte 2018 zu Massenprotesten geführt und ein politisches Erdbeben ausgelöst. Der damals 27-jährige Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren im Februar 2018 erschossen worden. Ausgeführt hatte den Doppelmord der Ex-Soldat Miroslav M. – er war geständig und wurde bereits im April in einem gesonderten Verfahren zu 23 Jahren Haft verurteilt.

Kočner bleibt vorerst in Haft

Der Unternehmer Kočner wird trotz des Freispruchs nicht aus der Haft entlassen: Erst kürzlich wurde er in einem anderen Prozess wegen Wechselbetrugs zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt, die Entscheidung ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Die Entscheidung des Strafsenats in Pezinok löste bei den im Gerichtssaal anwesenden Familien der Opfer einen Schock aus. Sie verließen noch vor der Verlesung der Urteilsbegründung den Saal und wollten das Urteil auch später nicht kommentieren. Premierminister Igor Matovič erklärte nach der Urteilsverkündung via Facebook: "Anscheinend wollen die offensichtlichen Hintermänner des Mordes den Fängen der Justiz entwischen ... Lasst uns glauben, dass die Gerechtigkeit auf beide warten wird." Die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, gegen die Freisprüche berufen zu wollen.

Massendemonstrationen

Kuciak hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert und sich auch mit den umstrittenen Geschäften von Kočners zahlreichen Unternehmen befasst. Die postume Veröffentlichung eines seiner Artikel hatte Massendemonstrationen gegen einen Filz aus Politik und Geschäftemacherei ausgelöst und schließlich zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Robert Fico geführt. Die Proteste ebneten zudem den Weg für die Wahl der Rechtsanwältin und Anti-Korruptions-Aktivistin Zuzana Čaputová zur Präsidentin des Landes. (APA, red, 3.9.2020)