Fati begeistert ganz Spanien.

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Madrid – Ansu Fati führt den Ball eng am Fuß. Körpertäuschung links, Haken nach rechts. Abschluss von der linken Strafraumecke. Tor. Vom rechten Innenpfosten klatscht der Ball zum 3:0 in die Maschen – und Fati avanciert mit seinen 17 Jahren und 311 Tagen zum jüngsten Torschützen der spanischen Länderspiel-Historie.

Doch anstatt den nächsten Meilenstein seiner noch jungen Karriere gebührend auszukosten, gab sich der Jungstar vom FC Barcelona hinterher zurückhaltend. "Ich muss demütig bleiben", sagte Fati nach dem 4:0 seiner Spanier in der Nations League gegen die Ukraine.

Auf dem Gaspedal

Dabei war es beileibe nicht bloß das Traumtor in der 32. Minute, mit dem Fati die Fußballwelt am späten Sonntagabend verzückt hatte. Der in Guinea-Bissau geborene Linksaußen benötigte bei seinem Startelf-Debüt für La Roja gerade einmal 86 Sekunden, um eine Duftmarke zu setzen. Mit seinem ersten Ballkontakt, einem High-Speed-Dribbling über das halbe Spielfeld, erzwang der Youngster einen Strafstoß, den Kapitän Sergio Ramos – mit seinen 34 Jahren doppelt so alt wie Fati – zur frühen Führung verwandelte.

"Ich freue mich sehr für Ansu", sagte Nationaltrainer Luis Enrique. Er glaubt an eine große Zukunft seines Schützlings, der bei den spielfreudigen Spaniern noch hervorstach. Fati habe bereits die Reife, damit ihm die Sachen nicht zu Kopf steigen. "Er sieht den Hype um sich sehr entspannt, gleichzeitig ist er bescheiden", sagte Luis Enrique. Aber, auch das betonte der erfahrene Coach: "Wir müssen weiter mit ihm arbeiten."

Für Fati sind Bestmarken nichts Neues, er kennt sich trotz seiner jungen Jahre schon mit Rekorden bestens aus. Vor ziemlich genau einem Jahr traf der in Barcelonas legendärer Talentschmiede La Masia ausgebildete Flügelstürmer als jüngster Spieler der Barca-Geschichte im Alter von 16 Jahren und 304 Tagen in einem Ligaspiel, ein paar Wochen später wurde er mit 17 Jahren und 40 Tagen zum jüngsten Torschützen der Champions League.

Auf dem Bremspedal

Kein Wunder, dass viele in Barcelona schon vom rechtmäßigen Erben und Nachfolger Lionel Messis sprechen. Doch Fati bremst. Seine Rolle im Barca des neuen Trainers Ronald Koeman muss erst noch definiert werden. "Ich werde weiterhin in jeder Trainingseinheit hart arbeiten, und wenn ich die Gelegenheit dazu habe, werde ich versuchen, sie zu nutzen", sagte Fati.

Sein von allen Kollegen unterschriebenes Sonntag-Dress wird einen Ehrenplatz an der Wand in seinem Haus bekommen. "Neben meinen Debüt-Shirts in der Liga und der Champions League", so Fati. Ein Rekord bleibt ihm verwehrt: Angel Zubieta war bei seinem Debüt im spanischen Team 1936 noch ein weniger jünger, als Fati am Donnerstag beim 1:1 gegen Deutschland. (sid, APA, 7.9.2020)