Enttäuschung in Rot-Weiß-Rot.

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Rumänien-Trainer Mirel Radoi klatscht ab.

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Es mag ein etwas destruktiver Ansatz sein, aber Österreichs Teamchef Franco Foda hatte angekündigt: "Wir müssen ihnen die Freude am Fußball nehmen." Montagabend gastierte die rumänische Nationalmannschaft im Klagenfurter Wörthersee Stadion, Anlass war die Nations Legaue, Abteilung B, Gruppe 1.

Natürlich war es wieder ein Geisterspiel, Corona ist ein einziges Ärgernis oder Foul, Fußball ohne Fans ist wie Ostern ohne Hase oder Hochzeit ohne Braut. Foda nahm im Vergleich zum erbaulichen 2:1 in Oslo gegen Norwegen nur zwei Änderungen vor, Stefan Ilsanker und Karim Onisiwo raus, Kapitän Julian Baumgartlinger und Florian Grillitsch rein. Abwehrchef Martin Hinteregger konnte mittun, ein robuster Kerl steckt eine Prellung im Sprunggelenk locker weg.

Es hätte vor fünf Jahren niemand gedacht, dass einmal drei Legionäre von Hoffenheim die Startformation einer österreichischen Nationalelf schmücken. Am 7. September 2020 war es endlich so weit. Mit Grillitsch begannen Christoph Baumgartner und Stefan Posch. Baumgartlinger erwartete "fast freche Rumänen", er hatte vor allem Respekt vor George Puscas und Ianis Hagi, der irgendwann in die Fußstapfen seines legendären Vaters Gheorghe treten soll. Teamchef Mirel Radoi hat sich aber etwas einfallen lassen, er ließ beide auf der Bank, das war ganz schön frech.

Fehlstart

Und schlimm ging es aus heimischer Sicht los. 3. Minute: Florinel Coman lässt Stefan Lainer stehen, seinen Querpass verwandelt Denis Alibec so flach wie trocken zum 0:1. Ein Schock wurde auch geschaffen, um sich rasch davon zu erholen. Die ÖFB-Auswahl legte mit Verspätung los, wurde Herr ím Haus, und der Ball lief zeitweise wie am Schnürchen. 10. Minute: Freistoß Baumgartner, Hinteregger steigt hoch, köpfelt an die Latte. 17. Minute, eine Traumaktion: Baumgartlinger verlagert mit weitem Pass das Spielgeschehen, Lainer leitet per Kopf weiter, Baumgartner volliert aus elf Metern das 1:1. Der Schuss wurde leicht abgefälscht, was der Schönheit aber nicht abträglich war.

Für den 21-Jährigen, der gegen Norwegen debütierte, war es das Premierentor. Der linke Flügel ist eine absolute Bereicherung. Sein Doppelpass mit Xaver Schlager war ein weiterer Beleg, allerdings scheiterte Schlager, Torinstinkt kann man nicht kaufen (26.). Der Pausenstand von 1:1 schmeichelte Rumänien. Was wurscht war, weil es eine 51. Minute gibt: Freistoß Alexandru Maxim, Österreichs Abwehr ist desorientiert, Dragos Grigore staubt zum 1:2 ab. Dieser Schock saß tiefer, der Faden war gerissen. 70. Minute: Ein spektakulärer Heber von Maxim führt zum 1:3. Aber die Moral passte, 80. Minute: Flanke Baumgartner (wer sonst), der für Baumgartlinger eingewechselte Onisiwo verkürzt per Kopf auf 2:3. Der Ausgleich gelang nicht mehr, also war es ein bitterer Abend, ein Selbstfaller gegen durchaus freche Rumänen.

Fortsetzung

Die Länderspielpause ist nur kurz, am 7. Oktober wird in Klagenfurt gegen Griechenland getestet, am 11. und am 14. wird die Nations League in Nordirland beziehungsweise Rumänien fortgesetzt. Ob mit oder ohne Publikum, entscheidet nicht die Corona-Ampel, sondern der europäische Verband Uefa.

Die Rumänen haben in Klagenfurt dreimal gejubelt, einmal öfter als die Österreicher. (Christian Hackl, 7.9.2020)

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Nations League live: Österreich verliert gegen Rumänien 2:3

Fußball-Nations-League, Liga B, Gruppe 1, 2. Runde:
Österreich – Rumänien 2:3 (1:1)
Klagenfurt, Wörthersee Stadion, keine Zuschauer (wegen Coronavirus), SR Nyberg (SWE)

Tore:
0:1 (3.) Alibec
1:1 (17.) Baumgartner
1:2 (51.) Grigore
1:3 (70.) Maxim
2:3 (80.) Onisiwo

Österreich: A. Schlager – Lainer, Posch, Hinteregger, Ulmer – Baumgartlinger (59. Onisiwo), X. Schlager, Grillitsch (81. Monschein) – Sabitzer, Gregoritsch (73. Grbic), Baumgartner

Rumänien: Tatarusanu – Burca, Chiriches (74. Nedelcearu), Grigore, Bancu – Maxim, Cretu, Stanciu – Deac (40. Iancu), Alibec (68. Puscas), Coman

Gelbe Karten: keine bzw. Grigore, Burca, Stanciu