Am 4. August hatte die Crew des Öltankers die Migranten gerettet.

Foto: Reuters / Kai von Kotze/Sea Watch

Genf – Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), die Internationale Organisation für Migration (IOM) und die internationale Schifffahrtskammer (ICS) haben die EU-Staaten zur sofortigen Aufnahme von 27 Flüchtlingen aufgefordert, die seit einem Monat an Bord des dänischen Tankers Maersk Etienne ausharren müssen.

Die Lage an Bord verschlechtere sich "rapide", warnte ICS-Generalsekretär Guy Platten in der gemeinsamen Erklärung am Montag. "Wir können nicht länger tatenlos zusehen, wie die Regierungen die Notlage dieser Menschen ignorieren", fügte Platten hinzu. Die ICS und die beiden anderen Organisationen warfen der EU vor, gegen internationales Recht zu verstoßen, wenn sie sich weiterhin weigern, die Migranten von Bord gehen zu lassen.

Drei Gerette sprangen von Bord

Der Tanker hatte die Migranten am 4. August auf Bitten Maltas aufgenommen, nachdem sie auf dem Weg von Libyen in die EU in Seenot geraten waren. Später jedoch wies Maltas Regierungschef Robert Abela jede Verantwortung für die Geretteten zurück. Die dänische Reederei Maersk berichtete am Sonntag, dass drei der Geretteten in ihrer Verzweiflung von Bord gesprungen seien, von der Crew jedoch gerettet werden konnten.

Der dänischen Regierung zufolge ist "Tunesien verantwortlich dafür, diese Menschen aufzunehmen", teilte der dänische Interims-Minister für Immigration und Integration, Kaare Dybvad Bek, der Nachrichtenagentur AFP mit. Nach dänischen Presseberichten befand sich das gerettete Flüchtlingsboot in tunesischen Gewässern.

UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi forderte die EU-Staaten auf, sich solidarisch zu zeigen und "einen effektiven Verteilungsmechanismus" aufzubauen.

Handelsschiffe seien für die Rettung und Unterbringung von Flüchtlingen nicht ausgelegt, hieß es in der Erklärung der internationalen Organisationen vom Montag weiter. Demnach ist die "Etienne" das dritte Handelsschiff seit Jahresanfang, das Geflüchtete aufgenommen hat. Doch im Gegensatz zu dem dänischen Tanker hätten die geretteten Insassen der beiden anderen Schiffe schon nach wenigen Tagen an Land gehen dürfen.

In der ersten Jahreshälfte 2020 waren nach Angaben des UNHCR bereits 14.481 Menschen von der libyschen Küste aus in Richtung Europa aufgebrochen. (APA, 7.9.2020)