Im Frühling schien die ganze Welt innezuhalten – aber der Eindruck hat getäuscht
Foto: REUTERS/Charles Platiau

Es war nicht wirklich eine Überraschung, die UN-Generalsekretär António Guterres nun in New York bekanntzugeben hatte. Der Bericht zur globalen Klimaentwicklung, der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und anderen UN-Unterorganisationen erstellt wurde, bestätigt nur, was Experten schon vor Monaten prognostiziert hatten: Trotz all der ökonomischen Einschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 bremst das "Corona-Jahr" den Klimawandel nicht merklich ein.

Es geht weiter nach oben

Zwar seien die weltweiten Kohlenstoffdioxid-Emissionen im April angesichts der Corona-Beschränkungen um rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Doch bald danach ging die Kurve schon wieder nach oben. Schon Anfang Juni hätten die täglichen CO2-Emissionen nur noch rund fünf Prozent unter denen von 2019 gelegen. Für das Gesamtjahr prognostizieren die Autoren des Berichts eine Minderung von vier bis sieben Prozent gegenüber den Vorjahreswerten.

Und es ist wohlgemerkt nur eine (leichte) Reduktion des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre, nicht des Gehalts an sich – der ist auch 2020 weiter nach oben gegangen, nur eben minimal langsamer. "Während viele Aspekte unserer Leben 2020 durcheinandergebracht wurden, ist der Klimawandel unvermindert weitergegangen, wie dieser Bericht zeigt", sagte WMO-Chef Petteri Taalas.

Fünfjahresbilanz

Die Jahre 2016 bis 2020 würden wahrscheinlich zur wärmsten Fünfjahresperiode seit Beginn der Aufzeichnungen, bilanzieren die Autoren. Die globale Durchschnittstemperatur in diesem Zeitraum liege 0,24 Grad Celsius über dem der Jahre 2011 bis 2015 – und 1,1 Grad über dem der Zeit zwischen 1850 und 1900.

In den kommenden fünf Jahren besteht laut dem Bericht eine 24-prozentige Chance, dass zumindest eines dieser Jahre um satte 1,5 Grad über dem vorindustriellen Temperaturniveau liegen wird. Dafür, dass der Schnitt zumindest einen oder mehrere Monate lang 1,5 Grad wärmer wird, liege die Wahrscheinlichkeit sogar bei 70 Prozent.

2020 sei bisher ein "so nie da gewesenes Jahr für die Menschen und den Planeten", sagte Guterres. "Die Coronavirus-Pandemie hat Leben auf der ganzen Welt durcheinandergebracht. Gleichzeitig ist die Erwärmung unseres Planeten und die Klimakrise schnell vorangeschritten." Nun sei Zusammenhalt gefragt: "Wir müssen die Erholung von der Pandemie als echte Gelegenheit zum Aufbau einer besseren Zukunft nutzen." (red, APA, 9.9.2020)