Die Corona-Pandemie und der Kulturbetrieb bleiben schwer zu vereinbarende Dinge.

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Nach der existenziell bedrohlichen Schließphase hatten die Kulturbetriebe den Sommer genutzt, um sich auf Betriebsbedingungen unter Corona-Einschränkungen vorzubereiten. Die Corona-Ampelfarbe Grün wäre von allen gut umzusetzen gewesen, aber schon die Farbe Gelb, wie sie im Oktober etwa in Wien weiterhin gelten könnte, stellt viele vor ernste Probleme. Eine Maskenpflicht auf den Sitzplätzen auch während der Vorstellungen – wie sie bei Gelb vorgesehen ist – könnte viele Besucher von Theatern, Kinos oder Konzerten abhalten. Bei ohnehin schon reduziertem Platzangebot ist daher nicht gesichert, ob alle Einrichtungen ihren Betrieb aufrechterhalten können.

In den vergangenen Tagen gab es rund um die Ampelfarbe Gelb in Wien bereits Verwirrung: Während in vielen vor allem kleinen Theatern die Maskenpflicht schon jetzt umgesetzt wurde, schrieben manche größere Theater, etwa die Staatsoper, diese noch nicht vor. Die Maskenpflicht habe vorerst nur Empfehlungscharakter und werde erst nach Vorliegen der entsprechenden Verordnung verpflichtend, heißt es dazu aus dem Kulturstaatssekretariat. Bei den Bundestheatern versicherte man, die gesetzlichen Verpflichtungen nach Vorliegen der Verordnung "wie auch bisher selbstverständlich einzuhalten".

Entschädigung gefordert

Würde die Corona-Ampel auf Orange springen, dürften drinnen nur noch 250 Personen Platz nehmen: Große Betriebe wie die Staatsoper hätten dann keine Chance mehr, auch nur ansatzweise wirtschaftlich spielen zu können. Ende der Woche rauchten daher die Köpfe bei den Bundestheatern – ohne konkrete Ergebnisse, denn Vorgaben aus dem Kulturstaatssekretariat, welcher Betrieb wann aufrechtzuerhalten ist und inwiefern abgesagte Veranstaltungen finanziell entschädigt würden, gibt es bis dato nicht. Gespräche dazu seien am Laufen, heißt es auf STANDARD-Anfrage, aber die Umsetzung einer solchen Regelung sei kompliziert.

Die Forderung wurde von Vertretern der Branche am Freitag wieder lautstark erhoben, nachdem die Regierung Sitzplatzbeschränkungen in ganz Österreich angekündigt hatte. (Stefan Weiss, 11.9.2020)