New York – Dominic Thiem steht im zweiten Tennis-Grand-Slam-Turnier des Jahres zum zweiten Mal im Endspiel. Der 27-jährige Niederösterreicher kämpft am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/live ServusTV) in seinem ersten US-Open-Finale – seinem vierten Major-Endspiel – gegen Alexander Zverev (GER-5) um die Erfüllung seines Traums.

Thiem ging im Halbfinale mehrmals zu Boden, soll körperlich aber nicht beeinträchtigt sein.
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Thiem könnte sich 25 Jahre nach Thomas Muster zum zweiten österreichischen Einzel-Grand-Slam-Sieger küren. Dass dies entgegen aller Erwartungen nun auf Hartplatz und nicht auf Sand passieren könnte, überrascht spätestens seit dem hauchdünn verlorenen Melbourne-Finale vergangenen Jänner nicht mehr. Mit 2:1-Sätzen hatte Thiem damals gegen Novak Djokovic schon geführt, ehe er sich noch beugen musste.

Auch wenn sich Djokovic wegen seines Fauxpax' selbst aus dem New Yorker Turnier geworfen hat, und Rafael Nadal sowie Roger Federer fehlen: Der Triumph bei diesem "Geister-Major", ohne Fans, ohne Atmosphäre und der mental belastenden Sicherheits-Blase wäre besonders viel wert.

Hadern nach Melbourne-Finale

Thiem ist "überreif" für den ersten Titel, in seinen bisherigen drei Major-Endspielen haben ihn zwei Mal Nadal in Paris und eben einmal Djokovic in Melbourne gestoppt. "Es war wirklich schwer, die Niederlage in Australien zu verdauen, weil ich so knapp dran war. Ich bin glücklich, dass ich mir in ziemlich kurzer Zeit wieder eine Chance verschafft habe", sagte Thiem nach seinem hart erkämpften 6:2,7:6(7),7:6(5)-Halbfinal-Erfolg über Vorjahresfinalist Daniil Medwedew.

Noch auf dem Platz scherzte Thiem nach dem Sieg zum TV-Publikum im Interview mit Patrick McEnroe. "Wenn ich gewinne, habe ich meinen ersten Titel, wenn nicht, dann muss ich Andy Murray anrufen und ihn fragen", sagte Thiem. Der Schotte hatte, übrigens ebenso wie der große Ivan Lendl, seine ersten vier Major-Finali verloren. Murray hält nun bei 3 Grand-Slam-Titeln, der in die USA ausgewanderte Tscheche hatte danach sogar noch acht Triumphe auf höchstem Level gefeiert.

Im Halbfinale musste Thiem am rechten Fuß behandelt werden.
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Impingement im rechten Fuß

Gegen Medwedew hatte sich Thiem gegen Ende des zweiten Satzes nach einem unglücklichen Schritt verletzt. Am Sonntag soll ihn dies jedoch nicht behindern, wie Physiotherapeut Alex Stober meint. "Domi wird am Sonntag voll da und spielbereit sein", versicherte der Deutsche in New York.

Betroffen ist der rechte Fuß des Österreichers. "Domi hat sich beim Rutschen das Bein überstreckt und hinten Richtung Achillessehne, Ferse ein kleines, sogenanntes Impingement ausgelöst. Also praktisch Gewebe eingeklemmt", erklärte Stober. "Nach der ersten Untersuchung ist es aber doch nicht so schlimm, wie es vielleicht ausgesehen hat", beruhigte der Betreuer. "Das kriegen wir auf alle Fälle bis Sonntag hin."

Man werde Thiem ganz intensiv behandeln und eventuell auch mit Kälte arbeiten um sicherzugehen, dass keine Schwellung aufkomme.

Mit vier Endspielen innerhalb von neun Grand-Slams steht Thiem für ungeheure Konstanz und es zeigt auch seine Allrounderqualitäten. "Es ist eine unglaublich starke, sensationelle Statistik, aber es wird mir nicht wirklich helfen", sagte Thiem.

Comeback-Zverev

Der 23-jährige Alexander Zverev steht erstmals in einem Endspiel auf diesem Niveau. Er hatte im Halbfinale einen 0:2-Satzrückstand gegen Pablo Carreno Busta (ESP-20) noch in einen 3:6,2:6,6:3,6:4,6:3-Sieg verwandelt. Zverev will sich zum ersten Grand-Slam-Champion aus Deutschland seit Boris Becker 1996 bei den Australian Open küren. Dass er auf ganz großer Bühne reüssieren kann, hatte er 2018 mit dem Sieg bei den ATP Finals bewiesen.

Auf Major-Bühne ist er bisher drei Mal von Thiem gestoppt worden: zweimal in Roland Garros (2016/3. Runde und 2018/Viertelfinale) sowie dieses Jahr bei seinem bisher besten Abschneiden bei einem der Grand-Slam-Events im Halbfinale der Australian Open.

"Hier weit zu kommen ist vielleicht sogar mental eine stärkere Leistung als in normalen Zeiten", meinte Thiem. Er werde seine Herangehensweise nicht ändern, nur weil ihm diesmal keiner der "big three" gegenüberstehen wird. "Ich weiß, wozu Sascha imstande ist. Ich werde mich voll auf ihn fokussieren."

Freut sich auf sein erstes Grand-Slam-Finale: Alexander Zverev.
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Noch ein Schritt

Auch seine sehr gute Bilanz gegen den Deutschen spielt Thiem herunter. "Es ist nett, dass ich im Head-to-Head 7:2 vorne liege. Wenn wir beide am Sonntag auf den Platz gehen, spielt das keine Rolle mehr."

Zverev ist der jüngste Grand-Slam-Finalist seit Djokovic vor zehn Jahren bei den US Open und der erste Deutsche in einem Major-Endspiel seit Rainer Schüttler vor 17 Jahren bei den Australian Open. "Ich konnte es nicht glauben, als ich 0:2 in Rückstand geriet. Ich wusste gar nicht, was los war. Aber ich bin in meinem ersten Grand-Slam-Finale, das ist das Wichtigste", sagte Zverev. "Ich könnte nicht glücklicher sein, aber es ist noch ein Schritt zu gehen."

Der Sieger der US Open darf sich über brutto 3 Millionen US-Dollar (2,53 Mio. Euro) freuen, als Finalist erhält man die Hälfte. Zudem gibt es 2.000 bzw. 1.200 wertvolle ATP-Zähler. Thiem hat bereits 8.325 Punkte für das Ranking stehen und seinen Top-3-Platz schon jetzt klar abgesichert. Den führenden Djokovic und den zweitplatzierten Nadal kann er aber auch mit einem Titel noch nicht überholen. (APA, 12.9.2020)