Im Bild zwar eine Elefantenkuh, aber nicht Sita – die hat sich höchstwahrscheinlich zum Malen zurückgezogen.

Foto: dpa/Jens Büttner

Zum Glück gibt es in dieser Corona-versifften Zeit manchmal noch Positives. Aus dem Zoo von Osnabrück erreicht uns die gute Nachricht, dass dort die Elefantenkuh Sita vor kurzem mit ihrem Rüssel zu malen begonnen und etliche Gemälde verfertigt hat, die auch käuflich zu erwerben sind.

Genderpolitische Relevanz

Erfreulich daran ist einiges. Erstens ist die malende Sita von genderpolitischer Relevanz, weil es im Osnabrücker Zoo bereits den ebenfalls malenden Orang-Utan Burschi gibt und somit Gleichstellung und feminine Inklusion hergestellt wurde. Zweitens widerlegt die Story das überhebliche speziesistische Vorurteil, dass nur Zweibeiner der Kunstproduktion fähig seien, während in Wahrheit auch Tiere animalisch gut pinseln können. Nach Velázquez, Picasso, Rainer und Nitsch kommen endlich Sita und Burschi zum verdienten Ruhm. Es ist zu hoffen, dass der Trend zur Beseitigung von Artenschranken in der Kunst weitergeht und wir es bald mit singenden Schlangen, deklamierenden Wildschweinen und komponierenden Nasenbären zu tun bekommen.

Bescheidene Preise

Die Preise für Tierkunst sind noch bescheiden. 2000 Euro haben Sitas Werke bisher eingebracht, ein Einzelgemälde kostet 149 bis 199 Euro, das Äquivalent von etwa drei bis dreieinhalb Strohballen. Sita könnte sich allenfalls mit der Einsicht trösten, dass auch Kleinvieh Mist macht. Aber in Bezug auf Elefantenkunst von "Kleinvieh" zu reden, klingt doch ein wenig blödsinnig. (Christoph Winder, 13.9.2020)