Tour de France

Grand Colombier – Die Slowenen Primoz Roglic und Tadej Pogacar haben ihre Vorherrschaft bei der Tour de France am Grand Colombier gefestigt. Während sie auf der schweren 15. Etappe keine Schwäche zeigten und einen weiteren Doppelsieg feierten, fiel Titelverteidiger Egan Bernal weit zurück. Roglic führt vor dem zweiten Ruhetag 40 Sekunden vor Etappensieger Pogacar.

Bernal musste das slowenische Duo ziehen lassen.
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"Es war eine sehr, sehr schwere Etappe. Jumbo war so stark, da hat es keinen Sinn gemacht zu attackieren", sagte Pogacar angesichts der starken Vorarbeit von Roglics Jumbo-Team: "Also habe ich auf den Sprint gehofft. Einige Fahrer mussten heute bezahlen."

Neuer Dritter ist der Kolumbianer Rigoberto Uran (EF/+1:34 Min.). Dessen bisher drittplatzierter Landsmann Bernal verlor bereits in der Anfangphase des langen Schlussanstieges den Anschluss an die vom Roglic-Team Jumbo-Visma dominierte Topgruppe. Mit Nairo Quintana vermochte auch ein weiterer kolumbianischer Topmann bereits da das Tempo nicht mehr zu halten. Bernal verlor schlussendlich über sieben Minuten auf die Spitze und fiel aus den Top Ten der Gesamtwertung.

Gogl mit Rolland ausgerissen

Fast gleichzeitig mit dem Einbruch des Vorjahressiegers rund 13 Kilometer vor dem Ziel wurde Michael Gogl von Roglic und Co. gestellt. Der Oberösterreicher aus dem NTT-Team hatte das Feld mit seinem Ausreißergefährten Pierre Rolland bis dahin angeführt.

Gogl war Teil der Ausreißergruppe.
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Gogl und der Franzose waren die Überbleibsel einer ursprünglich achtköpfigen Fluchtgruppe, die das Geschehen in der flachen Anfangsphase und über zwei schwere Anstiege geprägt hatte. Ein möglicher Etappensieg für einen der Ausreißer war aber nie realistisch, da das Hauptfeld mit der überlegenen Jumbo-Armada von Roglic diese stets an der kurzen Leine gehalten hatte.

Das Hauptfeld war schon an der bis zu 22 (!) Prozent steilen Montee de la Selle de Fromentel auf eine Gruppe um die Top-Favoriten und ihre Helfer geschrumpft. Auch am Col de la Biche gerieten Fahrer aufgrund des hohen Tempos der Jumbo-Mannschaft in Probleme, einige Bernal-Helfer waren ebenfalls betroffen.

Corona-Tests folgen

Im Kampf um den Tagessieg behielt im Sprint eines Trios der erst 21-jährige Pogacar (Team UAE) vor dem zeitgleichen Roglic die Oberhand. Dritter wurde fünf Sekunden zurück der Australier Richie Porte (Trek). Für Pogacar war es der zweite Etappensieg, er hatte auch schon die neunte Etappe gewonnen.

Ein ungewohntes Bild zeigte sich am Schlussanstieg sowie bei der zweiten Bergwertung am Col de la Biche: Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hatte das Departement Ain den Zugang für Fans zu den Bergen gesperrt. Statt durch eine Menschenmenge kletterten Roglic und Co. über weitgehend leere Pässe, begleitet hauptsächlich vom Lärm der Begleitfahrzeuge und TV-Helikopter.

Am Montag steht neben dem zweiten Ruhetag auch die vierte und letzte Corona-Testreihe der Tour 2020 auf dem Plan. Wie bereits in der Vorwoche gilt: Zwei positive Tests in einem Team – egal ob Fahrer, Mechaniker oder Masseur – führen zum Ausschluss der betroffenen Mannschaft. Selbst Roglic als Träger des Gelben Trikots könnte ausgeschlossen werden. (APA, sid, 13.9.2020)