Wenn Befürchtungen über eine mögliche Einmischung in die Wahl um das US-Präsidentenamt geäußert werden, wird meist mit dem Finger auf Russland gezeigt. Doch auch von anderen Seiten wird eine Einflussnahme praktiziert: peruanische Schamanen haben am Mittwoch bei einem Ritual versucht, in das Ergebnis der Wahl einzugreifen.

Viele Anhänger Donald Trumps, aber auch jene Joe Bidens sehen ihren Kandidaten ja schon als sicheren Gewinner der Wahl im November. Doch wer wird tatsächlich die Nase vorne haben und die kommenden vier Jahre im Weißen Haus residieren? Die Geisterbeschwörer haben versucht, die Antwort auf diese Frage zu finden.

Zur Ergründung griffen sie nicht etwa auf aktuelle Umfragen der verschiedenen Meinungsforschungsinstitute zurück – eine Umfrage von Reuters/Ipsos sah am Mittwoch Biden mit 50 zu 41 satte neun Prozentpunkte vor Trump, doch vor vier Jahren glaubten die Meinungsforscher auch Hillary Clinton mit einem kommoden Vorsprung vor Trump – nein, um in die Zukunft zu blicken, benötigten die Schamanen bei ihrer Zeremonie in Lima neben Räucherwerk, Obst, Blumen, einem Säbel und einer Schlange selbstverständlich auch das Star Spangled Banner und großformatige Portraits der Kontrahenten. Diese wurden mit den vorbereiteten Requisiten bearbeitet.

Liefert möglicherweise mindestens ebenso zutreffende Resultate wie die Methoden der Meinungsforschung: die Versuchsanordnung der peruanischen Schamanen.
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Die Schamanen beschworen Mutter Erde, die sogenannte "Pachamama", damit diese dafür Sorge trage, die Wahl friedlich und ohne Einsatz von Hexerei stattfinden zu lassen.

Stimulus

In Washington wiederum beschwor der US-Präsident am Mittwoch seine republikanischen Parteikollegen, im Streit um ein Hilfspaket gegen die von den Corona-Maßnahmen verursachte Wirtschaftskrise viel höhere Mittel freizugeben als ursprünglich geplant.

Auch ein Säbel wurde dem Portrait Donald Trumps unter die Nase gehalten.
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Die Demokraten seien "herzlos", schrieb Trump auf Twitter. Diese würden keine Zahlungen an jene Menschen geben, die das Geld dringen brauchen und nicht die schuld daran hätten, dass die Krankheit aus China in die USA gekommen ist. "Strebt nach viel höheren Zahlen, Republikaner, es kommt sowieso alles in die USA zurück!", rief Trump seine Genossen im Senat auf. Diese reagierten weitgehend zurückhaltend auf den trumpschen Vorstoß.

Die Demokraten hingegen, die das 300-Milliarden-Dollar-Hilfspaket vergangene Woche im Senat unter der Führung von Nancy Pelosi blockiert hatten, hoffen nun, dass ihnen das Weiße Haus entgegenkommt. Die Demokraten hatten ursprünglich die Ausschüttung von 3,4 Billionen Dollar gefordert, dies aber mittlerweile auf 2,2 Billionen reduziert.

Aufruhranklage gegen Verantwortliche für Ausschreitungen

US-Justizminister Bill Barr hat unterdessen vorgeschlagen, gewalttätige Teilnehmer der Anti-Rassismus-Proteste unter dem Vorwurf von aufrührerischen Aktivitäten gegen die Regierung strafrechtlich zu verfolgen. Konkret will er Anklagen wegen "Aufruhrs", also Bestrebungen zum Umsturz der Regierung, erheben, was in den USA äußerst selten passiert.

Bei derartigen Anklagen drohen langjährige Haftstrafen. Bei Protesten der Black-Lives-Matter-Bewegung war es wiederholt zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen, einige Menschen starben. Das bisher letzte Mal, dass die US-Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen "Aufruhrs" anstrebte, war vor zehn Jahren. Die damaligen Vorwürfe richteten sich gegen eine bewaffnete militante Gruppe im Bundesstaat Michigan. Wegen unzureichender Beweise scheiterte diese Anklage jedoch dann im Jahr 2012.

Corona-Impfung

Zur Bereinigung der Corona-Krise kämen Impfungen "schnell und sicher voran", ist sich Trump sicher. Schnell ist jedoch relativ: im Verhältnis zu der Entwicklungsdauer anderer Impfstoffe mag ein Vakzin gegen das Coronavirus tatsächlich schnell auf den Markt kommen.

Robert Redfield, der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, erklärte am Mittwoch vor dem Senat, dass es möglicherweise im November oder Dezember erste Impfungen geben werde. Doch für die Gesamtheit der US-amerikanischen Bevölkerung werde es wohl noch bis in das späte zweite oder gar dritte Quartal 2021 dauern, bis die Impfung verfügbar sein werde und damit auch eine Normalisierung eintreten kann.

Auch wenn es den Impfstoff noch gar nicht gibt, hat die Regierung in Washington schon den Plan für die Verteilung des Vakzins festgelegt. Sobald ein Impfstoff die Freigabe durch die US-Arzneimittelbehörde FDA erhält, soll dieser binnen 24 Stunden in Verteilungszentren geliefert werden. Den US-Bürgern soll die Impfung weitgehend kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Zuerst sollen die Mitarbeiter des Gesundheitssystems geimpft werden.

Trump widersprach Redfield bei einer Pressekonferenz und erklärte, dass hundert Millionen Impfdosen bis Ende 2020 verteilt werden können, sobald die Genehmigung durch die FDA da sei. Der CDC-Chef dürfte ihn falsch verstanden haben und deshalb von einer Verteilung erst Mitte 2021 gesprochen haben, sagte der Präsident.

Biden warnt vor zu rascher Genehmigung

Trumps Kontrahent hat am Mittwoch hingegen vor einem raschen Einsatz eines Impfstoffes gewarnt. "Ich vertraue Impfungen, ich vertraue Wissenschaftern, aber ich vertraue Donald Trump nicht", sagte Biden. Er warnte davor, einen unausgereiften Impfstoff vor der Wahl im November auf den Markt zu bringen. Schon zuvor hatte Trumps Wahlkampagne Biden vorgeworfen, die US-Amerikaner mit seinen Zweifeln an der Wirkung von Impfungen zu verunsichern. Bidens Kampagne hingegen versucht, Trumps zögerliche Reaktion nach dem Ausbruch der Seuche als Ursache für tausende Tote darzustellen. In den USA werden mittlerweile rund 195.000 Tote auf das Coronavirus zurückgeführt.

Ob Pachamama nun den Einsatz von Hexerei im US-Wahlkampf unterbinden wird, ist unsicher.
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Gereinigter Biden

Und wer wird nun wirklich Präsident? Darüber waren sich die Schamanen nicht einig. Ana María Simeón sprach sich für Biden aus und versuchte ihn zu "reinigen". "Wir haben gesehen, dass sie ihn mit Hexerei angreifen", ist sie überzeugt. Eine schwarze Voodoopuppe würde gegen den Kandidaten der Demokraten eingesetzt werden, um einen Schatten auf ihn zu werfen und ihn zu entfernen. Simeóns Kollege Pablo Torres hingegen versuchte, Trump mit dem Einsatz einer Schlange "gute Energien" zu verleihen, nachdem er eine Flüssigkeit auf das Portrait des Potus gespuckt hatte. Trump brauche gute Energien seiner Anhänger und verdiene diese. "Er wird gewinnen, er ist ein Sieger", ist sich Torres sicher. (Michael Vosatka, 17.9.2020)

Gute Energien für Trump: "Four more years" sind ihm wohl nun nicht mehr zu nehmen.
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