Zielsprint mal anders.

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La Roche-sur-Foron – In der Manier eines großen Champions hat Primoz Roglic auch auf der letzten Alpenetappe alle Attacken pariert und steht dicht vor dem ersten Tour-de-France-Triumph für die aufstrebende Radsport-Nation Slowenien. Beim kuriosen und emotionalen Sieg des Polen Michal Kwiatkowski auf der Achterbahnfahrt über fünf Pässe hielt Roglic am Donnerstag seine Rivalen souverän in Schach und kann nun fast schon den Siegersekt kalt stellen.

Kwiatkowski und sein Teamkollege Richard Carapaz fuhren nach 175 km Arm in Arm über die Ziellinie. Weil Carapaz das Bergtrikot sicher hatte, einigten sich beide auf den letzten Kilometern auf Ex-Weltmeister Kwiatkowski als Sieger und verzichteten auf einen Sprint um Platz eins – beide hatten ihren großen Grund zur Freude, das so gebeutelte Ineos-Team jubelte am Tag nach dem Ausstieg von Titelverteidiger Egan Bernal über einen Doppelsieg.

Maßarbeit vor der Ziellinie.
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Die Vorentscheidung im Kampf um den Tagessieg fiel am letzten Anstieg, als das Spitzenduo den Spanier Pello Bilbao abhängte. Zugleich profitierte es von einem Sturz des jungen Schweizers Marc Hirschi, der auf der Abfahrt des Col des Saisies bei Tempo 68 stürzte und nicht mehr an die Spitzengruppe herankam. Die Auszeichnung als kämpferischster Fahrer war dem 22-Jährigen zum dritten Mal bei dieser Rundfahrt gewiss.

"Das ist einer dieser Tage, an denen man seinen Dank kaum ausdrücken kann. Ich hatte sicher schon einige schöne Momente im Radsport, aber das ist eine neue Erfahrung, sagte Tagessieger Kwiatkowski, "wir hatten heute einfach die besten Beine und so viel Spaß."

Roglic vor dem Sieg

Roglic trennen derweil noch 304,7 km sowie eine ultimative Herausforderung beim Bergzeitfahren am Samstag vom großen Triumph in Paris – die Ausgangsposition des 30-Jährigen ist bei 57 Sekunden Vorsprung auf seinen jungen Landsmann Tadej Pogacar bestens. 15 Kilometer vor dem Ziel legte Roglic seinem mutigen Gegner und Freund Pogacar, der alles versucht hatte, die Hand auf die Schultern, sprach aufmunternd auf ihn ein.

Nach überwundenen 5166 Höhenmetern, Spitzenwert bei der laufenden Tour, erreichte Roglic das Ziel in La Roche-sur-Foron 1:53 Minuten hinter dem Siegerduo als Vierter. Bernals mutmaßlicher Nachfolger hatte mit seinem erneut sehr dominanten Jumbo-Visma-Team alles im Griff, der stärkste Fahrer in der stärksten Mannschaft der Tour zeigte sich als würdiger Patron. Auch zwei mutige Antritte seines schärfsten Kontrahenten Pogacar (UAE Team Emirates) auf der gefürchteten Schotterpiste Plateau des Glieres in der Schlussphase konterte Roglic mit großer Ruhe.

Letzte Prüfung Zeitfahren

Somit wartet nur noch eine einzige wirkliche Prüfung auf Roglic: Beim immens schweren Zeitfahren am Samstag in den Vogesen über 36 zunächst flache, dann leicht ansteigende und schließlich steile Kilometer hinauf zur Planche des Belles Filles ist der Jumbo-Visma-Kapitän allerdings der klare Favorit – nur Einbruch, Sturz oder Defekt können Roglics historischen Tour-Triumph wohl noch verhindern.

Von Beginn an gaben die 150 von einstmals 176 verbliebenen Startern Vollgas, schon am ersten Anstieg, dem 1968 m hohen Cormet de Roselend, zerfiel das Feld in viele Gruppen. Die in den vergangenen Tagen so aktive Bora-Mannschaft konnte sich nicht entscheidend unter den Ausreißern platzieren. "Man merkt schon auf den ersten fünf Kilometern, ob die Beine gut sind", sagte Max Schachmann vor dem Etappenstart – bei ihm waren sie trotz aller Bemühungen nicht gut. Bora-Profi Felix Großschartner erreichte das Ziel als bester Österreicher mit 19:27 Minuten Verspätung.

Carapaz, der mehrmals nur knapp nach langen Attacken einen Etappensieg verpasst hatte, und Kwiatkowski zogen an der Montee du Plateau des Glieres, dem kurzen, aber sehr steilen letzten Hors-Categorie-Berg der 107. Tour, davon. Auf dem archaischen Schotter der Glieres-Hochebene, die zum zweiten Mal nach 2018 und erstmals in einer Etappen-Schlussphase auf dem Tour-Programm stand, war das Ineos-Duo schon nicht mehr einzuholen.

Roglic-Teamchef ausgeschlossen

Merjin Zeeman, Teamchef von Roglic bei Jumbo-Visma, ist am Donnerstag von den Veranstaltern der Rundfahrt ausgeschlossen worden. Der Niederländer habe nach der 17. Etappe einen Offiziellen des Radsport-Weltverbands (UCI) und einen Vertreter eines anderen Teams bei der Inspektion der Räder beleidigt und eingeschüchtert, hieß es.

Aus dem täglichen Bericht der Jury geht zudem hervor, dass Zeman wegen des nicht näher erläuterten Vorfalls auch 2.000 Schweizer Franken (1.859,95 Euro) Strafe zahlen muss. Die UCI prüfte nach der Etappe mehrere Räder, um mögliche technische Doping-Vergehen aufdecken zu können. (sid, APA, 17.9.2020)

18. Etappe, Meribel – La Roche-sur-Foron (175 km):

1. Michal Kwiatkowski (POL) Ineos 4:47:33 Std.
2. Richard Carapaz (ECU) Ineos gl. Zeit
3. Wout van Aert (BEL) Jumbo +1:51 Min.
4. Primoz Roglic (SLO) Jumbo +1:53
5. Tadej Pogacar (SLO) UAE gl. Zeit
6. Richie Porte (AUS) Trek +1:54
7. Enric Mas (ESP) Movistar
8. Mikel Landa (ESP) Bahrain
9. Damiano Caruso (ITA) Bahrain
10. Tom Dumoulin (NED) Jumbo alle gl. Zeit

Weiter:
49. Felix Großschartner (AUT) Bora +19:27
81. Lukas Pöstlberger (AUT) Bora +28:51
125. Marco Haller (AUT) Bahrain +31:32
144. Michael Gogl (AUT) NTT gl. Zeit

Gesamtwertung:

1. Primoz Roglic (SLO) Jumbo 79:45:30 Std.
2. Tadej Pogacar (SLO) UAE+0:57 Min.
3. Miguel Angel Lopez (COL) Astana +1:27
4. Richie Porte (AUS) Trek+3:06
5. Mikel Landa (ESP) Bahrain +3:28
6. Enric Mas (ESP) Movistar +4:19
7. Adam Yates (GBR) Mitchelton +5:55
8. Rigoberto Uran (COL) EF +6:05
9. Tom Dumoulin (NED) Jumbo +7:24
10. Alejandro Valverde (ESP) Movistar +12:12

Weiter:
64. Felix Großschartner (AUT) Bora +3:19:37 Std.
86. Michael Gogl (AUT) NTT +4:03:45
129. Lukas Pöstlberger (AUT) Bora +5:06:43
146. Marco Haller (AUT) Bahrain +5:36:39