Ein Bild von der Techcrunch Disrupt aus dem Jahr 2019. Heuer finden die Präsentationen ausschließlich virtuell statt.

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In den USA läuft derzeit die TechCrunchDisrupt, die Vorzeigemesse der US-Start-up-Szene. Auch Unternehmen aus Österreich haben ihre Produktinnovationen und Apps gegenüber Investoren und Messegästen präsentiert. Coronabedingt wurde dieses Jahr ausschließlich virtuell gepitcht und genetzwerkt.

Die normalerweise in San Francisco stattfindende Messe gilt als ein Fixstern in der US-Start-up-Szene. Bei der heurigen Edition wurden die Produktdemonstrationen und Expertengespräche jedoch erstmals nur via Bildschirm geführt. Gastredner per Videoeinschaltung waren unter anderem Sequoia-Partner Roelof Botha, Dropbox-CEO Drew Houston und Facebook-Messenger-Chef Stan Chudnovsky.

Die Messe selber gilt in den USA vor allem als eine "Plattform für Tech-Scouts und Early-Stage-Investoren, um früh die Start-ups kennenzulernen", erklärt Georg Fürlinger, Leiter des heimischen Acceleratorprogramms "GoSiliconValley" der Außenwirtschaft Austria im Gespräch mit der APA. Das Programm begleitet heimische Unternehmen, die den Sprung in die US-Technologieszene schaffen wollen.

Vernetzung

Für die Teilnehmer an der Messe steht jedoch nicht nur die Suche nach Finanziers im Vordergrund, sie ist auch eine Gelegenheit für Start-ups, sich untereinander zu vernetzen und Projektpartner zu finden. "Direkte Finanzierungsdeals sind eher unwahrscheinlich", so Fürlinger. "Das passiert dann eher in Folge."

Insgesamt zwölf heimische Unternehmen sind bei der heurigen TechCrunchDisrupt vertreten, acht davon als Aussteller. Manche Gründerinnen, wie CEO Sophie Bolzer der Salzburger Audio-Lern-App Audvice, haben bereits ein marktfähiges Produkt und arbeiten derzeit an der Skalierbarkeit. In den USA sucht man nicht zuletzt mögliche Partner für Pilotprojekte.

Unternehmen wie der 2005 gegründete Videobroadcasting-Anbieter Stryme haben bereits ein Büro in San Francisco und sind somit schon einen Sprung weiter. Die Selbsttherapie-App Pocketcoach wurde im Gegenteil nur vor knapp eineinhalb Jahren gegründet, hat aber den Großteil der Nutzer in den USA. "Pocketcoach ist eines der frühphasigsten Start-ups im diesjährigen Durchgang von GoSiliconValley", erklärt Fürlinger.

Bei der Teilnahme an der TechCrunchDisrupt winkten für die heimischen Unternehmen in der Vergangenheit Einladungen zum Google Campus sowie Distributionsdeals oder auch besondere Sichtbarkeit am Heimatmarkt, erklärt Earl Schaffer, der gemeinsam mit Fürlinger die heimischen Unternehmen aus San Francisco betreut. "Unsere Start-ups haben uns gesagt, dass ihnen das auch in Europa und in der Start-up-Szene einen Schub gebracht hat".

Unternehmen, die Erstkontakte knüpfen wollen, müssen das nun auf der Messe dennoch vermehrt über Plattformen wie LinkedIn tun, ohne vorherigen persönlichen und informellen Kontakt. "Das Vertrauen zu möglichen Investoren lässt sich jedoch virtuell deutlich schwerer aufbauen", gibt Fürlinger zu bedenken. Auch auf einen Besuch des, seit dem Jahr 2016 bei der Messe bestehenden, Österreich-Pavillons, wird man heuer verzichten müssen. (Reuters, 18.09.2020)