Ganze 10.000 Dollar weniger als der derzeit günstigste Tesla soll ein neuer Wagen der Marke in drei Jahren kosten.

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Palo Alto – Elon Musk will einen Tesla zum Schnäppchenpreis auf den Markt bringen – der zudem vollautonom fahren kann. "Wir sind zuversichtlich, dass wir ein sehr, sehr überzeugendes Elektroauto für 25.000 Dollar bauen können", sagte der Unternehmer am Dienstag bei Teslas "Battery Day" im kalifornischen Fremont. Allerdings müssen sich Kunden noch gedulden, denn Voraussetzung dafür, dass die Preise so stark fallen können, sind drastische Kostensenkungen in der Batterieherstellung.

Musk glaubt zwar, diese erreichen zu können, aber erst in etwa drei Jahren. Da der Tech-Milliardär vor allem Zukunftsmusik lieferte, wurden die hohen Erwartungen an das Event, bei dem Beobachter auf bahnbrechende Innovationen bei der Fertigung von Autobatterien spekuliert hatten, letztlich nicht erfüllt. Effiziente und kostengünstige Batterien gelten als Voraussetzung dafür, dass sich die Elektromobilität im Massenmarkt durchsetzen kann. Tesla trauen Analysten in diesem Bereich besonders viel zu. Entsprechend hoch war die Spannung auf das, was Musk präsentieren würde.

Batteriekosten in Zukunft halbiert

Doch auch wenn der Tesla-Chef wieder viel vorführte und ankündigte – insgesamt sollen die Batteriekosten dank technischer Fortschritte halbiert und die Reichweite der E-Autos massiv erhöht werden –, handelte es sich zunächst nur um mittel- bis langfristige Versprechen. In rund drei Jahren könnte Tesla den Angaben zufolge einen Wagen zum Preis von 25.000 Dollar (21.000 Euro) im Angebot haben. Das wären 10.000 Dollar weniger als bei dem derzeit günstigsten Tesla-Modell.

"Es ist absolut entscheidend, dass wir Autos machen, die die Menschen sich leisten können", sagte Musk. Er begründete das mit dem Klimawandel, angesichts dessen "wir handeln müssen".

Bei der im Internet übertragenen Tesla-Präsentation wurden mehrere Neuerungen an der Batterie erläutert, unter anderem in der Konzeption der Zellen, beim Einsatz von Silizium und in der Herstellungskette. Dadurch sollen die Produktionskosten pro Kilowattstunde um 56 Prozent gesenkt werden.

Enttäuschung bei Anlegern über Zukunftsmusik

Musk hatte die Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch schon am Vorabend gedämpft, indem er auf Twitter erklärte, dass sich die Innovationen bei der Batterietechnologie erst 2022 in größeren Produktionsvolumen bemerkbar machen dürften.

Trotz dieser Vorwarnung reagierten Anleger enttäuscht und ließen die Aktien, die schon mit einem Minus von 5,6 Prozent aus dem regulären US-Handel gegangen waren, nachbörslich weiter um mehr als sieben Prozent fallen. Allerdings zählt Tesla mit einem Kursplus von über 400 Prozent im laufenden Jahr auch zu den größten Überfliegern am Markt, so dass die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen günstig ist. Mit einem Börsenwert von gut 395 Milliarden Dollar (336,5 Milliarden Euro) ist Tesla aktuell der mit Abstand am höchsten gehandelte Autohersteller weltweit.

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Trotz Krise bestätigt Musk Jahresziele

Auch wenn das Batterie-Event nicht ganz überzeugen konnte, haben Tesla-Fans derzeit viel Grund zur Freude. Denn während die Corona-Pandemie der Autoindustrie insgesamt schwer zu schaffen macht, sieht Musk sein Unternehmen weiter auf Erfolgskurs. "Uns geht es 2020 sehr gut, wir werden trotz schwieriger Umstände wahrscheinlich ein Wachstum zwischen 30 und 40 Prozent erreichen", sagte er bei Teslas Hauptversammlung vor dem "Battery Day". Damit machte er deutlich, dass Tesla am ehrgeizigen Jahresziel festhält, rund 500.000 E-Autos auszuliefern. Das wären 36 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Während es für den Rest der Branche abwärtsging, ging es für Tesla nach oben", triumphierte Musk. Der 49-Jährige ließ sich von den Fans per Hupkonzert abfeiern, da das Aktionärstreffen vor Teslas US-Autowerk pandemiebedingt mit einer Freiluftbühne im Stile eines Autokinos zusammenkam. Die Stimmung war angesichts der jüngsten Erfolgswelle bestens und Musk erhielt nach Bestätigung der Jahresziele und des zuletzt erreichten Meilensteins der ersten vier aufeinanderfolgenden Quartale mit Gewinn in Folge viel Anerkennung. (APA, red, 23.9.2020)