Bei Infineon Graz wird ein Chip für drahtloses Zahlen entwickelt.

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Berührungslos bezahlen statt Münzen und Scheine von Hand zu Hand: Das kontaktlose Bezahlen ist bequem und – gerade auch in pandemischen Krisenzeiten – hygienisch. Neben Bankomatkarten und Mobiltelefonen haben auch schon smarte Armbänder und Uhren oder Fingerringe diese Möglichkeit der Transaktion integriert. Das Infineon-Entwicklungszentrum für Kontaktlostechnologien in Graz macht nun sogar aus einer analogen Uhr ein kontaktloses Zahlungsmittel.

Kontaktloses Zahlen ist im Trend

An der Kasse im Supermarkt, an der Bar oder in öffentlichen Verkehrsmitteln – kontaktlose Zahlungslösungen werden immer beliebter, wie Stefan Rohringer, Leiter des Infineon-Entwicklungszentrums in Graz, im Gespräch mit der APA schilderte. In Graz betreibt der Halbleiterhersteller ein eigenes Kompetenzzentrum für Kontaktlos-Technologien. Die Nahfunk-Technologie NFC (Near Field Communication) hat sich bei den Karten zum kontaktlosen Bezahlen als internationaler Übertragungsstandard durchgesetzt. Das Grazer Entwicklungszentrum von Infineon treibt hier seit mehr als 20 Jahren die Entwicklung voran.

Winwatch mit Grazer Knowhow

Für das Schweizer Unternehmen Winwatch wurde zuletzt mit dem Know-how aus Graz eine Lösung entwickelt, um analoge Armbanduhren mit der smarten Bezahlfunktion auszustatten. Dazu wird der winzige Sicherheitschip des Halbleiterherstellers nahezu unsichtbar in das Saphirglas integriert. Laut dem Grazer Experten Josef Haid ermöglicht der Chip die schnelle und abgesicherte Zahlungstransaktion per Funk in Millisekunden. "Eine schnelle und robuste Verbindung von der Uhr zum Lesegerät an der Kasse ist ausschlaggebend für die Kundenakzeptanz", erklärte am Mittwoch auch Alex Kalbermatten, CEO von Winwatch. Durch die Integration des Kontaktloschips in das Saphirglas könne "aus jeder Uhr – vom mechanischen Erbstück bis zur metallenen Sportuhr" ein "kontaktloses Zahlungsmittel" gemacht werden.

Inegrierter Chip mit zentraler Rolle

Der integrierte Chip spielt dabei eine zentrale Rolle: Mit einer Größe von wenigen Quadratmillimetern, ist er ein Mini-Computer, der über eine kleine Antenne die gesamte Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Finanzinstitut initiiert und steuert, wie Haid schilderte. Die Echtheit des Zahlungsmittels wird innerhalb von rund 200 Millisekunden, also etwa der Dauer eines Wimpernschlages, über die individuelle Signatur ausgewiesen, ein Kryptogramm aus Kartendaten, Zahlungsbetrag und Ort der Zahlung erstellt. Nach erfolgreicher Prüfung bestätigt die Bank wiederum die Zahlung an das Lesegerät. Durch Innovationen in der Antennentechnik gelingt es den Grazer Experten – auch trotz störender Materialeinflüsse – einen robusten kontaktlosen Datenaustausch herzustellen.

Aufschwung dank Corona-Pandemie

"Ob mit klassischer Karte, einem Modeaccessoire wie einem Ring oder Smart Wearables – unsere Chip-Innovationen verbinden die reale mit der digitalen Welt und ermöglichen eine einfache sichere und hygienische Zahlungsabwicklung. Gerade in den vergangenen Monaten hat sich dieser Trend aufgrund der Corona-Pandemie verstärkt", berichtete Rohringer. Insgesamt sei die Anzahl der kontaktlosen Zahlungen in Österreich seit Vorjahresbeginn um rund die Hälfte angestiegen: Von rund 32 auf 63 Millionen Transaktionen. Zahlungen mit Smartphones und sogenannten Wearables – tragbarer Elektronik – hätten sich laut jüngsten Erhebungen binnen eines Jahres von sieben auf 14 Prozent verdoppelt.

Forschungsaufwand bei 525 Millionen Euro

Die Infineon Technologies Austria AG ist eine Tochter der Infineon Technologies AG. Mit rund 4.600 Beschäftigten (mehr als 1.900 in Forschung und Entwicklung) erzielte das Unternehmen mit der Zentrale in Villach und Niederlassungen in Graz, Klagenfurt, Linz und Wien im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. Der Forschungsaufwand lag 2018 laut Angaben des Unternehmens bei 525 Millionen Euro. (APA, 23.9.2020)