Der Westen der USA kämpft mit verheerenden Waldbränden. Es könnte in Zukunft noch schlimmer werden.
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Boise – Seit Mitte August wüten an der US-Westküste unzählige Waldbrände. Allein in Kalifornien kämpften rund 19.000 Einsatzkräfte gegen mehr als zwei Dutzend Großfeuer. Die Flammen zerstörten seither mehr als 5.800 Gebäude. Die völlig ausgedörrten Landschaften sind vielleicht aber nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, was Nordamerika in Zukunft noch blühen könnte: Einer aktuellen Studie zufolge besteht die Möglichkeit, dass der Klimawandel in den USA sogar zu Jahrzehnte andauernden Dürren führt.

Die globale Erderwärmung habe das Risiko für solche extremen Ereignisse jedenfalls stark erhöht, erläuterten Forscher um Mohammad Reza Alizadeh von der McGill University und Mojtaba Sadegh von der Boise State University in der Fachzeitschrift "Science Advances". Solche langen Dürrephasen hat es auf dem Gebiet der USA bereits in der Vergangenheit vor über 800 Jahren gegeben.

Hohe Temperaturen und Trockenheit – eine fatale Kombination

Mit dem Fortschreiten des Klimawandels komme es häufiger vor, dass extreme Ereignisse wie Hitzewellen und Trockenheit gleichzeitig auftreten, so die Forscher. Ihre Studie konzentriert sich auf dieses gemeinsame Auftreten von Dürre und Hitze während der vergangenen 122 Jahre. "Episoden extremer Trockenheit und Hitze sind das Rezept für große Waldbrände", erklärte Mojtaba Sadegh. "Diese Extreme intensivieren und weiten sich in beispiellosem räumlichem Ausmaß aus und ermöglichen die derzeitigen Waldbrände entlang der gesamten US-Westküste."

Die Great Plains in den USA und Kanada wurden in den 1930er-Jahren zur "Dust Bowl": Durch Dürren und die Vernichtung des Präriegrases zur "Urbarmachung" für den Weizenanbau kam es immer wieder zu verheerenden Staubstürmen.
Foto: AP/NOAA George E. Marsh Album,

Auch kürzere Dürrephasen, die weniger als ein Jahrzehnt dauerten, wie etwa die als "Dust Bowl" bekannte US-Dürren in den 1930er-Jahren, könnten verheerende Auswirkungen haben, wenn sie gleichzeitig mit Hitze und Umweltzerstörung aufträten. Unter anderem könnten klimatische Ereignisse in der Atmosphäre und am Boden in ihrem Zusammenspiel zu solchen Extremen führen, heißt es in der Studie. Die Wissenschafter vermuten, dass der treibende Faktor für gleichzeitige Hitze-Dürre-Perioden in der jüngeren Vergangenheit vor allem übermäßige Hitze ist. In der "Dust Bowl"-Periode sei hingegen vor allem mangelnder Niederschlag der Auslöser gewesen.

Verstärkte Hitzewellen

Einer Megadürre geht in der Regel ein längeres Hochdruckgebiet voraus, wodurch wolkenlose Bedingungen geschaffen werden, die eine Zufuhr von heißer Luft erlaubten. Trockene Böden erhöhen die Auswirkungen der Wärme durch die eintreffenden Sonnenstrahlen, die sich wiederum auf die Umgebungstemperatur auswirkt. Dies hat zur Folge, dass sich Hitzewellen verstärken.

Als Beispiel nennen die Forscher die Hitzewelle in Russland im Jahr 2010. Dort habe sich die Wahrscheinlichkeit einer gewaltigen Hitzewelle durch die Wechselwirkung von Dürre und Hitze um das 13-fache erhöht. Das Zusammenspiel von trockenen Böden und heißer Luft verhindere die Entstehung von Wolken, was weniger Regen zur Folge habe und im Ergebnis die Dürre verstärke, erklärten die Forscher. (red, APA, 28.6.2020)