Regisseurin Dea Kulumbegashvili mit dem Preis.

Foto: REUTERS/Vincent West

San Sebastian – Der georgische Film "Beginning" war der große Gewinner auf dem 68. Internationalen Filmfestival von San Sebastian. Am Samstagabend wurde der religionskritische Film der jungen Nachwuchsregisseurin Dea Kulumbegashvili mit der "Goldenen Muschel" ausgezeichnet.

Die Filmemacherin, die mit "Beginning" in der nordspanischen Küstenstadt ihre Spielfilmdebüt feierte, erhielt auch den Preis für die "beste Regie" und für "beste Drehbuch". Hauptdarstellerin La Sukhitashvilli wurde als "beste Schauspielerin" gekürt. Der Film ist eine Art Parabel für die Unterdrückung von Frauen in patriarchalischen Gesellschaftsstruktur konservativer Religionsgemeinschaften wie den Zeugen Jehovas.

Der Film, der mit seiner extrem radikalen Inszenierung niemanden kalt lässt, lehnt sich thematisch an die Bibelgeschichte Abrahams aus dem Alten Testament an. "Von Dea Kulumbegashvili werden wir in Zukunft mit Sicherheit noch viel hören. Sie ist eine der vielversprechendsten Filmemacherinnen der jüngeren Generation", erklärte Festivaldirektor Jose Luis Rebordinos bereits vor der Preisvergabe im Gespräch mit der APA.

Der Preis für den "besten Darsteller" ging an den dänischen Hollywoodstar und James Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen gemeinsam mit den anderen Protagonisten für die Interpretation in "Druk" – Eine weitere Rund" des dänischen Kult-Regisseurs Thomas Vinterberg. Ein urwitziger und gleichzeitig hochdramatischer Film, bei dem vier Lehrer an einer Schule beweisen wollen, dass Menschen bei einem permanentem Alkoholpegel bessere Leistungen auf allen Ebenen des Lebens bringen können.

Musik-Doku erhält Jurypreis

Der begehrte Jurypreis wurde heuer an Julie Temples "Crock of Gold" verliehen, eine gelungene, sehr raffinierte und von Hollywoodstar Johnny Depp produzierte Musik-Doku über den The Pogues-Sänger Shane MacGowan. Unterdessen konnte das chinesische Sozialdrama "Any crybabies around?" den Preis für die "beste Fotografie" für sich behaupten.

Im "New Directors"-Wettbewerb konnte sich unterdessen die junge deutsche Nachwuchsregisseurin Isabel Lamberti mit "La ultima primavera" durchsetzen. Den Publikums-Preis gewann in diesem Jahr der chilenische Festivalbeitrag "The Mole Agent" von Maite Alberdi, ein hochemotionaler Film über eine Pandemie, die bereits vor der Corona-Krise die Altenheime heimsuchte – die der Einsamkeit.

Insgesamt 13 Wettbewerbsfilme kämpften heuer um die "Goldene Muschel". Sieben Filme konnte San Sebastian vom Filmfestival Cannes übernehmen, dem weltweit wichtigsten Filmfestival überhaupt, das in diesem Jahr wegen der Corona-Krise abgesagt wurde. "Ohne diese Filme hätten wir in produktionsschwachen Zeiten wie diesen mit Sicherheit nicht diese enorm hohe Qualität an Filmen im Wettbewerb gehabt", erklärte Festivaldirektor Jose Luis Rebordinos im Gespräch mit der APA.

Sicherheitsmaßnahmen

Bis kurz vor Beginn stand auch nicht fest, ob das Festival in der nordspanischen Küstenstadt überhaupt stattfinden könnte. Mit 50 Prozent Forum in den Kinosälen sowie strikten Abstands- und Hygienemaßnahmen entschlossen sich die Organisatoren allerdings, das Festival durchzuführen.

Dennoch blieben zahlreiche internationale Stars dem Festival wegen der Covid-Krise fern. So auch der österreichische Oscar-Darsteller Christoph Waltz und US-Kultregisseur, die das diesjährige Festival von San Sebastian mit "Rifkin ´s Festival" eröffneten. Auch Colin Firth und Stanley Tucci aus Harry Macqueen ´s Schwulen-Demenzdrama "Supernova" kamen nicht. Dennoch gab es einige Highlights auf dem Roten Teppich vor dem Kursaal von San Sebastian. So sorgten Johnny Depp, Gina Gershon und Matt Dillon für etwas Hollywood-Glamour.

Wer das diesjährige Festival ebenfalls nicht verpassen wollte war Hollywood-Star Viggo Mortensen. Der aus Filmen wie "Herr der Ringe" und "Greenbook" bekannte Darsteller erhielt bereits am Donnerstag den "Donostia"-Ehrenpreis für seine Schauspielkarriere. Mortensen stellte in San Sebastian mit "Falling" auch sein Regiedebüt vor.

In San Sebastian, das neben Cannes, Berlin und Venedig zu den weltweit wichtigsten Filmfestivals gehört, wurde auch der Film "The Trouble with being born" der österreichischen Nachwuchsregisseurin Sandra Wollner gezeigt, der bereits auf der Diagonale triumphierte und auf der 70. Berlinale mit dem Spezialpreis der Jury in der Sektion "Encounters" ausgezeichnet wurde. (APA, 26.9.2020)