Hilary Swank in "Away" auf Netflix.

Foto: AP, Netflix

Der Russe trinkt gerne, ist leidensfähig und revolutionär. Die Chinesin ist durch und durch Soldatin ihres Landes, aber eigentlich lesbisch. Der Chef der ersten Marsmission ist eine Frau – und sie sollte eigentlich auf der Erde bleiben, um ihrem Gatten nach dessen Schlaganfall zur Seite zu stehen und ihrer Tochter durch die Pubertät (die sich in unerheblichen Schwindeleien erschöpft) zu helfen. Aber – so ist das eben mit dem Heldinnenschicksal – sie entscheidet sich für die Mission.

Klar wird noch diskutiert, ob die Unsummen Geldes für die bemannte Marsmission nicht besser auf der Erde gegen soziales Elend eingesetzt werden, aber das ist rasch abgehandelt. Dann geht’s los. Gut durchgetaktet mit allen Ups und Downs, mit der Auferstehung nach jedem fast terminalen Scheitern. Natürlich sind die Controller auf der Erde auch feste Bürokraten, selbstverständlich Patrioten. Allesamt sind fraglos absolut fortschrittswillig, technikgläubig und für diese Menschheitsmission (so gehört sich das) opferbereit.

Netflix

Man sollte sich Away nicht auf dem kleinen Laptop ansehen, sondern auf dem größtmöglichen verfügbaren Schirm und so die Inszenierung der Schwerelosigkeit genießen. Das gibt echt was her. Hilary Swank kann sich da auch am besten entfalten, ihre grundsätzliche Herbheit in der Rolle der Führerin kommt so durch Menschliches, Emotionales angereichert gut zur Geltung. An der Vorhersagbarkeit und Überanreicherung mit sehr vielen Klischeeabhandlungen kann das nichts ändern: Anyway, in Away ist sie großartig. (Und man nimmt sich sofort vor, ab morgen gnadenlos harte Kurse in einem Fitnesscenter zu belegen.) (Karin Bauer, 28.9.2020)