Bewohner sehen sich die Zerstörung durch das Glass Fire an.

Foto: Reuters / Adrees Latif

Santa Rosa / San Francisco – Zwei seit Sonntag wütende Waldbrände haben im Norden des US-Bundesstaats Kalifornien Menschenleben gefordert und zehntausende Bewohner zur Flucht gezwungen. Mindestens drei Menschen seien beim sogenannten Zogg Fire im Norden Kaliforniens gestorben. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom rief den Notstand in den Regionen Napa, Sonoma und Shasta aus.

Die drei Opfer seien südwestlich der Stadt Redding, Shasta County in den sich schnell fortbewegenden Flammen ums Leben gekommen, zitierte die Zeitung "Los Angeles Times" den zuständigen Sheriff Eric Magrini. Die Flammen haben inzwischen eine Fläche von mehr als 160 Quadratkilometern niedergebrannt, wie die Behörde Cal Fire mitteilte. Bisher seien 146 Gebäude zerstört worden, mehr als 1.500 weitere seien bedroht. Mehr als 700 Feuerwehrleute sind im Einsatz, unter anderem mit acht Hubschraubern. Man sei dennoch bisher nicht mit Versuchen vorangekommen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Weingüter abgebrannt

Rund 320 Kilometer weiter südlich wütet zur selben Zeit das "Glass Fire" im Weinbaugebiet Napa Valley. Es brannte der Feuerwehr zufolge bisher mehr als 145 Quadratkilometer Fläche nieder und zwang zahlreiche Bewohner zur Flucht. Rund 68.000 Menschen seien von Evakuierungsmaßnahmen betroffen, berichtete die Zeitung "San Francisco Chronicle". Der Brand vernichtete unter anderem das Weingut Chateau Boswell und Teile des Weinguts Castello di Amorosa. Andere Weingüter wurden durch die Flammen bedroht.

Im Napa Valley und dem angrenzenden Sonoma Valley trafen zwei Großbrände aufeinander.
Foto: AFP / Samuel Corum

Das Feuer breitet sich nach Angaben der Feuerwehr angefacht durch starken Wind in "gefährlichem" Tempo weiter aus. Es sei an keiner Stelle unter Kontrolle. Mehr als tausend Feuerwehrleute waren im Napa Valley im Einsatz. Rund 68.000 Menschen seien von Evakuierungsmaßnahmen betroffen, berichtete die Zeitung "San Francisco Chronicle".

In dem direkt an das Napa Valley angrenzenden Verwaltungsbezirk Sonoma tobte ein weiterer Großbrand namens "Shady Fire". 4.500 Bewohner einer Anlage für Senioren wurden dort mitten in der Nacht in Fahrzeugen der Behörden an sichere Orte gebracht. Die Brände rückten zudem in die Nähe der Stadt Santa Rosa vor, in der vor drei Jahren bereits einige hundert Häuser dem Feuer zum Opfer gefallen waren.

Schwerste Brände der jüngeren Geschichte

Seit Mitte August wüten an der US-Westküste Dutzende Feuer. Allein in Kalifornien kämpfen etwa 19.000 Einsatzkräfte gegen diese gewaltigen Brände. Mindestens 26 Menschen kamen Behördenangaben zufolge ums Leben, mehr als 7.776 Gebäude wurden bisher zerstört. Die flächenmäßig schwersten Brände in der jüngeren Geschichte Kaliforniens haben eine Fläche von mehr als 15.190 Quadratkilometern Land erfasst.

Das Napa Valley und Sonoma County waren bereits vor drei Jahren von verheerenden Wald- und Buschbränden heimgesucht worden, durch die 44 Menschen ums Leben gekommen und tausende Gebäude zerstört worden waren.

Wissenschafter machen den Klimawandel für die seit Jahren zunehmenden Dimensionen der Wald- und Buschbrände im Westen der USA mitverantwortlich. Nach ihren Angaben nimmt durch die Erderwärmung die Trockenheit in der Vegetation deutlich zu, was wiederum eine rasche Ausbreitung der Flammen begünstigt. US-Präsident Donald Trump hatte jedoch erst kürzlich bei einem Besuch in Kalifornien den Klimawandel infrage gestellt – nicht zum ersten Mal. (APA, 29.9.2020)