Abermals wird die Zentrale von Wirecard untersucht. Dieses Mal lautet der Verdacht auf Geldwäsche.

Foto: Reuters/MICHAEL DALDER

München – Abermals fügt sich ein neues Steinchen in das Mosaik der strafrechtlichen Untersuchungen gegen den insolventen Finanzdienstleister Wirecard. Nach dem milliardenschweren Bilanzskandal im Juni wurde die Staatsanwaltschaft München bereits mehrere Male in der Konzernzentrale in Aschheim vorstellig, um selbige zu durchsuchen. Am Dienstag war es wieder einmal so weit, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Da es um Geldwäsche gehen soll, würden die Ermittler dieses Mal vom Bundeskriminalamt unterstützt, heißt es in dem Bericht. Es dürfte also noch ein Verfahren anstehen.

In der deutschen Zentrale für die Bekämpfung von Geldwäsche, der Financial Intelligence Unit (FIU), sollen seit 2017 rund 1.000 Verdachtsmeldungen diesbezüglich eingegangen sein – vor allem von Banken. Bis zum Zusammenbruch des Konzerns hätte die Kölner Behörde allerdings nicht mehr als eine Handvoll Hinweise auf Geldwäsche an das Landeskriminalamt Bayern und die Staatsanwaltschaft München I weitergegeben, heißt es in der "SZ".

Die Staatsanwaltschaft München wollte den Bericht auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.

Durchsuchungen auch bei KfW

Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass auch eine 100 Millionen Euro schwere Kreditlinie der Staatsbank KfW für Wirecard hat die Ermittlungsbehörden auf den Plan gerufen hat. Ein Sprecher der Förderbank bestätigte "Ermittlungen in den Geschäftsräumen". Die auf Exportkredite und Projektfinanzierungen spezialisierte Tochter KfW Ipex kooperiere mit den Behörden, betonte der Sprecher.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft nannte den Namen der durchsuchten Bank nicht, teilte aber mit, es gehe um den Anfangsverdacht der Untreue. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen Verantwortliche einer Bank in Frankfurt. Dem Institut werde vorgeworfen, der Wirecard AG 2018 eine Kreditlinie über 100 Millionen Euro gewährt und diese 2019 noch verlängert zu haben, ohne Absicherungsgeschäfte abzuschließen, um sich vor Verlusten zu schützen.

Aus dem Dax geflogen

Die inzwischen aus dem Dax geflogene Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der langjährige österreichische Konzernchef Markus Braun sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Ihm, dem untergetauchten Jan Marsalek und weiteren Verdächtigen werden Bandenbetrug, Bilanzfälschung, Veruntreuung von Firmenvermögen und Manipulation des Börsenkurses vorgeworfen.

Laut FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar soll der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Bilanzskandal am Freitag eingesetzt werden. Es wird erwartet, dass sich die Regierung aus Union und SPD dann enthält und der Ausschuss mit den Stimmen von FDP, Grünen und Linken angenommen wird. (and, 29.9.2020)