Szenen der illegalen Partys.
DER STANDARD

Es sind vertraute Videos aus Wiener Clubs und Bars. Und sie verstören dennoch: weil die Videos in den vergangenen Tagen gemacht wurden. Mitten in der Corona-Krise tanzen Partygänger auf engem Raum zu Musik von Gigi D’Agostino und Co, Schutzmasken und Sicherheitsabstände existieren praktisch nicht. Walter Hillerer, der Leiter des Büros für Sofortmaßnahmen der Stadt Wien, spielte diese Videos von Mitarbeitern am Dienstag auf einer Pressekonferenz im Rathaus ab. Tenor: Es gibt "Partys wie vor Corona".

Um diese Veranstaltungen, bei denen die Corona-Regeln in hohem Maße ignoriert werden, in den Griff zu bekommen, kündigte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) weitere Kontrollen in der Gastronomie und in der Clubszene an. Dabei sei die "traditionelle Gastronomie" weniger das Problem, wie der Stadtchef meinte. Überall dort, "wo sich Menschen treffen und man sich nicht an den Sicherheitsmaßnahmen orientiert", sei die Ansteckungsgefahr aber ein Thema.

Problematisch seien "illegale Clubs" und Veranstaltungen, die die Sperrstunde um ein Uhr ignorieren würden. Laut Ludwig habe man zuletzt 60 Lokale überprüft, 100 Anzeigen seien verhängt worden.

Zuletzt hat die Polizei in Wien verstärkt Kontrollen der Einhaltung der Sperrstunde und der Corona-Regeln in der Gastronomie durchgeführt. In den kommenden Tagen soll es weitere Schwerpunktaktionen geben.
Foto: BMI / Gerd Pachauer

Kooperation zwischen Polizei und Stadt Wien

Die Kontrollen werden dabei in Kooperation zwischen der Polizei und der städtischen Gruppe für Sofortmaßnahmen durchgeführt. Polizeipräsident Gerhard Pürstl führte aus, dass die Polizei vor allem Sperrstundenkontrollen durchführe und beobachte, ob Speisen und Getränke nur an Sitzplätzen konsumiert werden. Auch die Abhaltung von "illegalen Veranstaltungen" würde kontrolliert. Aktuell sind Veranstaltungen in geschlossenen Räumen nur noch für maximal zehn Personen erlaubt. Nur dort, wo es ausschließlich zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze gibt, sind in geschlossenen Räumen bis zu 1.500 Personen erlaubt.

Allein am vergangenen Wochenende seien 460 Kontrollen durchgeführt worden, sagte Pürstl. Wie berichtet hat es vor allem in zwei Großdiskotheken in Favoriten Anzeigen gehagelt: Dort sind laut Polizei und Magistrat einmal rund 400 Partygänger und einmal rund 300 Personen angetroffen worden. Gäste und Betreiber seien teils uneinsichtig und aggressiv gewesen, die Diskotheken mussten geräumt werden. Es wurden Verstöße nach dem Covid-19-Maßnahmengesetz, dem Veranstaltungsgesetz, dem Ausländerbeschäftigungsgesetz und wegen unbefugter Gewerbeausübung festgestellt. Insgesamt sind laut Pürstl 100 Anzeigen verhängt worden. "Es gibt Missstände."

Weitere Schwerpunktkontrollen angekündigt

Am Montag hat es 230 weitere Kontrollen gegeben. Hier sind nur sechs weitere Anzeigen dazugekommen. Pürstl führte das auf den Wochentag zurück, wo es weniger Partygänger gebe.

In den kommenden Tagen soll es weitere Kontrollen geben – auch dort, wo sich Betreiber uneinsichtig zeigten. So sei etwa laut Hillerer teils nach Kontrollen am Freitag am Samstag wieder mit größeren Partys im Internet geworben worden.

Aktive Corona-Fälle in Wien stagnierten zuletzt

Andere Maßnahmen wie eine Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr wird es vorerst nicht geben, Bürgermeister Ludwig sprach sich erneut dagegen aus. Die seit Montag geltende Registrierungspflicht in Wiens Lokalen, mit dem das Contact-Tracing erleichtert werden soll, sei das "gelindere Mittel". Der Stadtchef hofft auf Akzeptanz und Hausverstand: Denn wenn die Corona-Zahlen steigen, müsste es strengere Einschnitte geben. Nach einem Anstieg stagniert aber seit zehn Tagen die Zahl der aktiven Corona-Fälle in Wien bei rund 4.400. Am Dienstag kamen 307 positive Tests dazu, 400 Fälle galten neu als genesen. (David Krutzler, 29.9.2020)