Mitglieder der "Proud Boys" bei einer Kundgebung in Portland vergangene Woche.

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Auf die Frage, ob er rechtsextreme Gruppen und Milizen verurteile, hat US-Präsident Donald Trump während des ersten TV-Duells mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden am Dienstagabend keine klare Antwort gegeben. Er sei zwar dazu bereit, doch sehe er mehr Gewalt von der linken Seite, erklärte Trump. Dann sprach er die rechtsextreme Gruppe "Proud Boys" an und sagte: "Haltet euch zurück und haltet euch bereit."

In Reaktionen nach der Debatte zeigten sich Bürgerrechtsorganisationen schockiert – Angehörige der "Proud Boys" hingegen waren erfreut. In privaten Onlinekanälen nannten sie die Aussage des Präsidenten "historisch", wie die "New York Times" berichtet. Sie verstehen Trumps Aussage demnach als Unterstützung ihrer gewalttätigen Vorgehensweise. Donald Trump junior sagte anschließend im Sender CBS, dass sich sein Vater wohl versprochen habe. Einer der Berater des Präsidenten stellt nach der Debatte klar: "[Trump] will, dass sie damit aufhören." Und meinte die Gewalt.

"Haltet euch zurück und haltet euch bereit", sagte der US-Präsident zu den "Proud Boys".
Associated Press

Die "Proud Boys" wurden 2016 von Gavin McInnes initiiert, der auch Vice Media mitbegründet hat. Ihre Mitglieder sehen sie als "prowestliche brüderliche Organisation für Männer". Sich selbst beschreiben sie als "westliche Chauvinisten, die sich nicht dafür entschuldigen wollen, die moderne Welt errichtet zu haben". McInnes ist der Ansicht, dass Frauen durch den Feminismus unglücklicher geworden sind und das vor allem daran liegt, dass man sie vom Herd weggeholt habe. Die Nacht, in der Trump 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, nannte McInnes "die glücklichste Nacht meines Lebens". Mittlerweile hat er sich von der Gruppe distanziert.

Auf Facebook und Twitter gesperrt

Für Bürgerrechtsorganisationen wie das Southern Poverty Law Center sind die "Proud Boys" eine Hassgruppierung und rechtsextrem. Die Gruppierung hat die Organisation wegen dieser Einstufung geklagt. Bereits 2018 wurden die "Proud Boys" von Twitter und Facebook gesperrt.

In ihren gelb-schwarzen Shirts sind die Mitglieder der "Proud Boys" bei Trump-Auftritten im Wahlkampf mitmarschiert und haben bei Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt ihre Loyalität mit der Exekutive gewaltbereit kundgetan. Auch bei dem Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville im Jahr 2017 spielten sie eine Rolle.

In der Vergangenheit hat sich Trump nur widerstrebend von rechten Gruppen distanziert und immer wieder vor der Gefahr durch die "Antifa" gewarnt. Dabei sprechen die Sicherheitsbehörden davon, dass Rechtsextremismus auch 2021 die größte Bedrohung in den USA bleibe. (bbl, 30.9.2020)