Foto: Reuters/Tomasz Stachura/ Baltictech

Polnische Taucher haben in der Ostsee ein Schiffswrack entdeckt, bei dem es sich ihren Angaben nach um die Überreste der 1945 versenkten Karlsruhe handeln muss. Eine Reihe deutscher Schiffe trug diesen Namen – erst vor drei Wochen wurde das Wrack eines Leichten Kreuzers namens Karlsruhe entdeckt, der 1940 vor der norwegischen Küste versenkt worden war. Der neue Fund hingegen bezieht sich auf einen Frachtdampfer, mit dem in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs deutsche Flüchtlinge aus Ostpreußen evakuiert werden sollten.

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Das Schiff verließ am 12. April 1945 den Hafen Pillau bei Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. An Bord waren rund 1.100 Menschen, die meisten davon Flüchtlinge aus Ostpreußen. Am nächsten Tag wurde der Schiffskonvoi, in dem die Karlsruhe unterwegs war, von sowjetischen Fliegern bombardiert. Der Frachter sank, nur etwa 100 Menschen überlebten.

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Laut dem Taucherteam um Lukasz Piotrewicz liegt das Wrack in 88 Meter Tiefe, mehrere Dutzend Kilometer nördlich des Hafenortes Ustka. Die Sucharbeiten hätten ein Jahr gedauert, zur Ortung habe man unter anderem die Berichte sowjetischer Kampfpiloten ausgewertet. "Wir sind praktisch sicher, dass es sich um die Karlsruhe handelt", sagte Piotrewicz.

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Dies ergebe sich aus der Position und der Form des Schiffs sowie aus erkennbaren Details wie dem Schornstein und der Schraube. Völlige Gewissheit könne es aber erst geben, wenn die polnische Meeresbehörde die Genehmigung erteile, Gegenstände zu bergen. An Bord machten die Taucher bereits Militärfahrzeuge, Porzellan und viele Kisten mit unbekanntem Inhalt aus.

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Einen höchst spekulativen Aspekt hat der Fund auch noch: Nach Angaben der Taucher könnte das Wrack nämlich möglicherweise auch Aufschluss über den Verbleib des legendären Bernsteinzimmers geben. Dieses sei zuletzt in Königsberg gesichtet worden, und von dort habe ja auch der Frachter mit einer großen Ladung seine letzte Reise angetreten.

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Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. hatte die kostbar geschnitzten Wandtäfelungen aus Bernstein 1716 dem russischen Zaren geschenkt. Deutsche Soldaten brachten sie 1942 dann nach Königsberg, wo sich die Spur des Bernsteinzimmers verliert. Seitdem kursieren viele, oft abenteuerliche Theorien über seinen Verbleib. (APA, red, 2. 10. 2020)

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