Foto: Reuters

Wien – Die Bande zwischen Borealis und der OMV werden immer enger. Nicht nur hat der heimische Öl- und Gaskonzern im März, wenige Tage vor dem Lockdown, seine Anteile am österreichischen Kunststoffhersteller aufgestockt – und zwar von 36 auf 75 Prozent. Seit Dienstag ist auch der ehemalige Borealis-Chef Mark Garrett Vorsitzender des OMV-Aufsichtsrats.

Die Hauptversammlung des Ölkonzerns habe den 58-jährigen gebürtigen Australier, der auch einen Schweizer Pass hat, in das Kontrollgremium gewählt, von den Aufsichtsratsmitgliedern wurde er im Anschluss zu ihrem Vorsitzenden gewählt, teilte die OMV am Dienstagabend mit. Garrett löst damit Wolfgang Berndt ab, der sich aus dem Kontrollgremium zurückzieht.

Kein Schönheitspreis

Einen Schönheitspreis würde er Garretts Bestellung nicht verleihen, sagt Wilhelm Rasinger. Grund dafür ist einerseits, dass der Australier auf einem Ticket der Staatsholding Öbag im Aufsichtsrat sitzt. Es sei nicht unbedingt ideal, wenn die Staatsholding auf dem Chefsessel im Aufsichtsrat Platz nimmt, so der Präsident des Interessenverbandes für Anleger.

Dazu kommt: Die OMV hat rund vier Milliarden hingeblättert, um die Anteile an Borealis aufzustocken. Viele sehen darin alles andere als einen guten Deal. Das Argument, dass sich die OMV mehr im Kunststoffgeschäft engagieren wolle, könne er nicht nachvollziehen, sagte Rasinger mit Blick auf die bereits bestehende Minderheitsbeteiligung der OMV am Chemiekonzern. Außerdem sei erstaunlich, dass der Preis angesichts der Corona-Krise nicht noch einmal verhandelt wurde, merken Kritiker an. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft geht hier einem Anfangsverdacht der Untreue nach. Verkäufer der Anteile ist OMV-Mitgesellschafter Mubadala, Staatsfonds aus Abu Dhabi.

Branchenkenner

Ob der Borealis-Deal für die OMV ein guter ist, muss auch deren Aufsichtsrat bewerten. Dass dessen Neo-Chef Borealis-Vergangenheit hat, sieht dabei nicht jeder positiv.

Mark Garrett ist neuer Chef des OMV-Aufsichtsrats.
Foto: Reuters

Garrett, der in Melbourne Ökonomie studiert hat, ist jedenfalls ein Profi in der Chemiebranche. Er begann seine Karriere beim Schweizer Chemieunternehmen Ciba-Geigy als Marktanalytiker und Controller. Dort blieb er für mehr als zwanzig Jahre, ehe er 2007 zu Borealis wechselte. Die Aktivitäten von Ciba-Geigy sind in der Zwischenzeit mehrheitlich im Pharmakonzern Novartis sowie im deutschen Chemieriesen BASF aufgegangen. (luis, 30.9.2020)