Seit der Dividendenerhöhung hängt der Haussegen bei A1 Telekom Austria wieder einmal schief.

Foto: Reuters / Leonard Foeger

Wien – Telekom-Austria-Chef Thomas Arnoldner verteidigte die Erhöhung der für 2019 ausgeschütteten Dividende von 21 auf 23 Cent je Aktie am Mittwoch. Das entspreche einer Dividendenrendite von 3,7 Prozent und sei keineswegs besonders hoch oder gar überbordend, sagte Arnoldner im Klub der Wirtschaftspublizisten. Die Telekom liege damit im Durchschnitt des Leitindex ATX und des Telco-Index. "Die Eigentümer tragen ja auch das volle Risiko."

Das trifft auf die Republik Österreich, die über ihre Beteiligungsverwaltung Öbag 28,42 Prozent an der Telekom Austria (TA) hält, freilich nur bedingt zu. Denn Österreichs größter Telekomkonzern wird mehrheitlich von América Móvil kontrolliert, das operative Risiko liegt also beim mexikanischen Hauptaktionär.

Staat profitiert

Als Profiteur der auf insgesamt 153 Millionen Euro erhöhten Gewinnausschüttung spielt die Öbag hingegen eine maßgebliche Rolle, zumal Amov so viel Gewinn wie möglich auf neue Rechnung vortragen wollte – auch mit Blick auf den anstehenden Breitbandausbau des A1-Netzes, für das die Frequenzen soeben versteigert wurden.

Durchgesetzt hat sich die heimische Politik auch bei der Kurzarbeit. Diese wurde – unter tatkräftiger Hilfe der maßgeblich an den beamteten Telekom-Bediensteten orientierten Belegschaftsvertretung – nicht in Anspruch genommen, zum Leidwesen des mexikanischen Großaktionärs geradezu verhindert. Dies, obwohl die Telekom – trotz boomender Telearbeit – die Corona-Krise sehr wohl kräftig spürt.

A1 Telekom gilt als fixer Dividendenbringer für den Staat. Entsprechend staatstragend gibt sich Telekom-General Thomas Arnoldner.
Foto: APA / Hans Klaus Techt

Den Umsatz erwartet man im Gesamtjahr um zwei Prozent niedriger als im Vorjahr, "weil die Telefonrechnungen nicht im gleichen Ausmaß wie Telefon- und Datenvolumen gestiegen sind", rechnete Arnoldner vor. Mit dem Tourismus brachen auch die Roaminggebühren empfindlich ein. Dafür sei das operative Ergebnis (Ebitda) zum ersten Mal seit 15 Jahren in allen Märkten des in Ost- und Südosteuropa aktiven Konzerns gestiegen.

Personalabbau geht weiter

An den seit Jahren laufenden Personalabbauprogrammen hält die österreichische Leitgesellschaft A1 unvermindert fest. Per Saldo würden bei rund 7500 Beschäftigten (davon 42 Prozent beamtet) an die 300 bis 400 Stellen nicht nachbesetzt. In der laufenden Lohnrunde, in der die um neun Prozent erhöhte Dividende für schlechtes Klima sorgt, sieht man die Metaller (plus 1,45 Prozent) als Richtschnur.

Die Ankündigung der Sozialpartner, wasserdichte Regelungen für Homeoffice erst im Frühjahr 2021 vorlegen zu wollen, frustriert den TA-General. Vor allem Versicherungsfragen seien offen, etwa Arbeitsunfälle betreffend. Insgesamt habe sich Arbeiten von zu Hause aus bewährt, die Netze seien nicht zusammengebrochen. Als pauschale Abgeltung für die hundertprozentige Nutzung privater Geräte für berufliche Zwecke halte er 50 Euro pro Monat für angemessen. Da dies als Sachbezug der Einkommensteuer unterliege, wäre auch ein Steuerfreibetrag einfacher.

Expansion? Bitte warten

Für die weitere Expansion – es gibt auf dem Balkan noch einige weiße Flecken – sieht Arnoldner die Zeit noch nicht gekommen, die Bewertungen seien noch relativ hoch. Heißt auf gut Deutsch: Es ist zu teuer. Aber das könnte sich in der Wirtschaftskrise rasch ändern.

Die größte Herausforderung sei aktuell Weißrussland. Operativ laufe es dort zwar gut, die massiven Wechselkursabwertungen aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in dem Land werden sich jedoch auf das in Euro bilanzierte Ergebnis niederschlagen. (ung, 30.9.2020)