Bei vielen Menschen ist der Verlauf von Covid-19 mild, dennoch ist es wichtig herauszufinden, ob es sich um Covid-19 handelt, sagt die Expertin – "um niemanden anzustecken".
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Mit dem Herbst beginnt wieder die Zeit der Erkältungen. Auch die Grippesaison steht vor der Tür – und wir befinden uns inmitten einer Corona-Pandemie, in der manche Menschen schon bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens nervös werden. Die Symptome von Covid-19, der Grippe und einer einfachen Erkältung können sich tatsächlich ähneln. Die Unterscheidung kann sogar für Profis schwierig sein, berichtet die Allgemeinmedizinerin Susanne Rabady, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Was sie aus ihrer Praxis sagen kann: "Eine rinnende Nase in Kombination mit Niesen ist bei Covid-19 sehr unwahrscheinlich." Alles hingegen, was mit Husten und Halsschmerzen beginnt, vielleicht auch noch in Kombination mit Fieber, sei aber zumindest ein Grund, beim Hausarzt anzurufen. Das untrüglichste Symptom ist der Geruchs- und Geschmacksverlust, der nur bei Covid-19 auftritt. Allerdings: "Wenn Sie dieses Symptom nicht haben, heißt das noch lange nicht, dass Sie nicht Corona haben", betont Rabady. Weniger häufig kommt es zu Müdigkeit, Gelenksschmerzen, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen. Noch seltener tritt bei Erkrankten Durchfall auf.

Bei der Grippe sind die häufigsten Symptome Fieber, Erschöpfung, ein trockener Husten, Gelenks- und Kopfschmerzen. Außerdem kann die Nase rinnen bzw. verstopft sein. Auch Halsschmerzen können auftreten. Bei einer Erkältung haben Erkrankte häufig mit Niesen, Schnupfen, Hals- und Gelenksschmerzen zu kämpfen. Erschöpfung, Kopfschmerzen und erhöhte Temperatur sind seltener.

Allgemeinmedizinerin Rabady hält dennoch nichts von einer Selbstdiagnose. "Wenn Ärzte Probleme haben, das klinisch zu unterscheiden, bringen Online-Recherchen gar nichts." Wer einen Hausarzt hat, sollte die Symptome telefonisch abklären, "letztendlich sind das immer Einzelfallentscheidungen". Noch einen Vorteil sieht Rabady im Kontakt zum Hausarzt: Dieser kennt einen vielleicht besser und weiß, dass man jedes Jahr im Herbst eine Nebenhöhlenentzündung bekommt – und die Symptome auch heuer ähnlich sind.

Hoffen auf weniger Infekte

Bei vielen Menschen ist der Verlauf von Covid-19 allerdings mild. "Es ist dennoch wichtig herauszufinden, ob es sich um Covid-19 handelt", betont Rabady. "Und zwar nicht wegen der Betroffenen selbst, sondern damit sie niemanden anstecken." Das sei bei anderen Viruserkrankungen, bei denen es nur darum geht, die Beschwerden der Patienten zu lindern, nicht in diesem Maße der Fall.

Die gute Nachricht: Abstand halten, Handhygiene und Maske tragen helfen sowohl gegen die Verbreitung des Coronavirus als auch gegen die Grippe und Infekte. Wer sich nicht fit fühlt, sollte nicht in die Arbeit gehen und seine sozialen Kontakte reduzieren.

Noch sei es verhältnismäßig ruhig in den Arztpraxen. "Unsere große Hoffnung ist, dass es heuer insgesamt wenige Infekte gibt", sagt Rabady. Den Effekt habe es bereits im Frühjahr gegeben. Damit das auch im Herbst und Winter funktioniert, müsse sich nun aber jeder Einzelne im Privatleben zusammenreißen.

Zur Beruhigung: "Es ist immer noch so, dass die meisten Infekte andere Infekte sind", sagt Rabady. Im Zweifel bringt aber nur ein Corona-Test Gewissheit. (Franziska Zoidl, 8.10.2020)