Cecilia Bartolis Mezzo ist immer noch top.

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Schon auf dem Cover ihrer CDs beweist sie sich als Verwandlungskünstlerin: Auf der Agostino-Steffani-CD Mission sieht man Cecilia Bartoli mit Glatze, für den Kastraten-Arien-Silberling Sacrificium wandelte sich der Klassikstar zur Marmorbüste. Und auf Farinelli, ihrem neuesten, Ende 2019 erschienenen Tonträger, sieht man die 54-Jährige im Conchita-Wurst-Look mit Bart und langem lockigen Haar. Langweilig wird es mit Cecilia Bartoli nie.

So ziemlich das Gegenteil von langweilig war auch der Auftritt der Koloraturkönigin, dieses Springbrunnens des Frohsinns und der perlenden Tonfolgen am Sonntagabend im Musikverein. Die (höchst erfolgreiche) Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele weiß auch ein Konzert dergestalt zu inszenieren, dass es die Grenzen zum Event, zur Show streift. Auf die Orgel des Großen Musikvereinssaals wurde der Innenraum des Teatro San Carlo in Neapel projiziert, auf dem Konzertpodium war linker Hand eine aparte Reisekoffer-Garderobe zu sehen, in der La Bartoli zahlreiche Kostüm- und Perückenwechsel vornahm, assistiert von einem Kammerdiener in Livree. Fürs Auge wurde also doch einiges geboten.

Musikalische Wettkämpfe zum Gaudium des Publikums

Für die Ohren aber noch deutlich mehr. Grazie mit Swing, noble Klangwucht mit feinster Kontur und poetische Sinnlichkeit: Von der Qualität der Originalklangvirtuosen Les Musiciens du Prince-Monaco unter der Leitung von Gianluca Capuano kann man nicht genug schwärmen – die fantastischen Instrumentalsolisten miteingeschlossen. Mit Letzteren lieferte sich die Bartoli diverse musikalische Wettkämpfe, zum Gaudium des Publikums.

Grundsätzlich frönte die Italienerin in ihrer Interpretation der Arien von Händel, Porpora und Co der dynamischen Dezenz; in Sachen Glanz, Geschmeidigkeit und Geläufigkeit ist bei ihrem Mezzo immer noch alles top. Ganze vier Zugaben und viel, viel Freude nach pausenlosen 105 Minuten im Wiener Musikverein. (Stefan Ender, 5.10.2020)