In Italien bereitet die Regierung einen Maßnahmenkatalog vor, um das aktuell steigende Infektionsgeschehen wieder einzufangen.

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Die seit Wochen erwartete und befürchtete "zweite Welle" der Covid-19-Pandemie rollt schon längst über Europa hinweg. Im Gegensatz zum Frühjahr, als Schock und Panik zu herrschen schienen, scheinen sich die Regierungen aber zumeist einen Masterplan zurechtgelegt zu haben, um in jeweils ihrem Zuständigkeitsbereich einen großflächigen Lockdown vermeiden zu können. Stattdessen wird mehr auf einzelne Maßnahmen gesetzt.

  • In Brüssel durfte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre vorsorgliche Coronavirus-Quarantäne am Dienstagabend beenden. Sie hatte vor einer Woche Kontakt zu einem später positiv getesteten portugiesischen Diplomaten gehabt. Nach zwei seitdem durchgeführten Tests – beide verliefen für sie negativ – kann von der Leyen in Übereinstimmung mit den belgischen Corona-Bestimmungen ab Mittwoch wieder ihrer Arbeit nachgehen. Belgien hat neulich die Quarantänedauer bei Verdachtsfällen von 14 auf sieben Tage verkürzt, obwohl die Zahl der Neuinfektionen in dem Land momentan zu den höchsten in Europa gehört.
  • In Italien bereitet die Regierung einen Maßnahmenkatalog vor, um das aktuell steigende Infektionsgeschehen wieder einzufangen. Zu Jahresbeginn wurde Italien als erstes betroffenes europäisches Land von der Pandemie völlig überrascht. Vielfach wurde falsch oder zu spät reagiert – mit fatalen Folgen. Über den Sommer bekam man das Infektionsgeschehen gut in den Griff – nicht zuletzt, weil die Regierung den seit Ende Jänner geltenden Notstand aufrecht erhält und diesen sogar bis 31. Jänner 2021 beibehalten will, um schnell agieren zu können.
    Zum neuen Maßnahmenbündel gehört nach Informationen von Gesundheitsminister Roberto Speranza auch die Verpflichtung, künftig wieder die Maskenpflicht auch im Freien einzuführen – und zwar immer und überall, wenn man sich außer Haus befindet. Bisher galt diese Regelung – ähnlich wie in Österreich – in Geschäften, Büros sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Ansteckungszahl war in Italien zuletzt deutlich gestiegen, am vergangenen Wochenende lag sie bei rund 2.900 entdeckten Neuerkrankungen pro Tag. Das ist der höchste seit April in dem Land registrierte Wert, aber noch deutlich unter jenen Zahlen, die aktuell aus Frankreich, Spanien oder Großbritannien gemeldet werden. Die Zahl der am Coronavirus Verstorbenen lag zuletzt bei täglich rund 30 – weit entfernt von den über 1000, die im März zu beklagen waren. Insgesamt starben in Italien seit Ausbruch der Pandemie rund 36.000 Menschen.
  • Nach mehreren anderen europäischen Ländern hat nun auch Rumänien Einreisebeschränkungen für aus Österreich kommende Personen ausgesprochen. Ab dem heutigen Mittwoch müssen Reisende aus Österreich für 14 Tage in Quarantäne, ab dem achten Tag können sie einen PCR-Test durchführen lassen. Ist dieser negativ, endet die Quarantäne frühestens am zehnten Tag. Ausnahmen bzw. eigene Regeln gibt es für Kurzzeitreisende. Die Fallzahlen in Rumänien liegen zurzeit bei über 2000 pro Tag. Österreich hat bereits vor Monaten eine Reisewarnung für Rumänien ausgesprochen.
  • Die ursprünglich für Montag geplante Vereidigung neuer Minister in Polen wurde am Dienstag nachgeholt – allerdings ohne den designierten neuen Bildungs- und Wissenschaftsminister Przemysław Czarnek: Er ist nach einem positiven Covid-19-Test in Isolation.
  • In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind bei knapp zehn Millionen Einwohnern mittlerweile über 100.000 Erkrankungsfälle registriert worden, die Infektionszahl wuchs seit August von 164 auf zuletzt über 1200 pro Tag an.
  • China verhandelt laut Medienberichten mit der Weltgesundheitsorganisation WHO über die Testung und Zulassung eigener Impfstoffe. Doch ähnlich wie in Russland befinden sich die Medikamente allesamt noch im Erprobungsstadium. Laut Reuters seien hunderttausende Arbeitskräfte in systemrelevanten Berufen bereits geimpft worden, obwohl die klinischen Studien noch lange nicht abgeschlossen oder evaluiert seien.
  • In Großbritannien droht das zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzte Medikament Remdesivir knapp zu werden. Daher hat das Gesundheitsministerium in London eine Rationierung verfügt, bis es gegen Ende des Monats wieder problemlos lieferbar sein soll. (Gianluca Wallisch, 6.10.2020)