Trump-Berater Stephen Miller ist infiziert.

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Joe Biden trat in Gettysburg auf.

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Donald Trump fühlt sich großartig.

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Die gute, sogar "extrem gute" Meldung zu Beginn: Donald Trumps Gesundheitszustand bietet seinem Leibarzt Sean Conley zufolge keinen Grund zur Besorgnis. "Insgesamt geht es ihm weiterhin extrem gut", schrieb Conley in einer Mitteilung über die Befunde des US-Präsidenten.

Trump war am Montag nach einer dreitägigen Behandlung infolge seiner Corona-Infektion triumphierend ins Weiße Haus zurückgekehrt. Er sei symptomfrei, seine Werte stabil, die Sauerstoffsättigung des präsidentiellen Blutes betrage zwischen 95 und 97 Prozent, erklärte Conley. Trump selbst postete am Dienstag auf Twitter, er fühle sich großartig.

Trump arbeitet im Weißen Haus aus Sicherheitsgründen derzeit nicht im Oval Office, sondern in provisorischen Büroräumen. Nur vier Personen haben direkten Zugang zum Präsidenten.

"Mächte der Finsternis"

Joe Biden, Trumps Konkurrent um das Präsidentenamt, sieht die USA im Kampf gegen "Mächte der Finsternis". "Die Mächte der Finsternis, die Mächte der Spaltung, die Mächte des Gestern ziehen uns auseinander, halten uns fest und halten uns zurück", sagte Biden in einer Rede am Ort der Bürgerkriegsschlacht von Gettysburg im Bundesstaat Pennsylvania. Er wolle "den Hass und die Angst" in den USA beenden, erklärte der Kandidat der Demokraten und rief das Land zur Einheit auf.

Associated Press

Biden verschärft nach der Corona-Infektion des Amtsinhabers seine Maßnahmen gegen das Coronavirus. Während er zuvor einmal pro Woche auf das Virus getestet wurde, findet nun mehrmals wöchentlich eine Überprüfung statt. Er behält die Maske meist auch dann noch auf, wenn er alleine an einem Rednerpult steht. Dabei finden Wahlkampfauftritte oft in praktisch leeren Räumen statt, zum Teil beschränken Bundesstaaten Versammlungen in Innenräumen auf maximal zehn Personen.

Die zweite TV-Debatte will Biden eventuell platzen lassen. "Wenn er noch Covid hat, sollten wir keine Debatte führen", erklärte der Herausforderer vor Journalisten. Trump hingegen hält weiterhin am geplanten Termin 15. Oktober fest. Er erklärte, er freue sich auf die Debatte in Miami, es werde großartig.

Weitere Infektion

Im Beraterstab des Präsidenten breitet sich das Virus inzwischen weiter aus. Auch der leitende Berater des Weißen Hauses wurde positiv getestet. Stephen Miller erklärte, er habe die vergangenen fünf Tage in Selbstisolation von zu Hause aus gearbeitet und bis gestern negative Tests abgeliefert. Mit dem positiven Test sei er nun in Quarantäne.

Vor Miller wurden bereits die enge Trump-Beraterin Hope Hicks, die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, Trumps Kampagnenmanager Bill Stepien und die republikanischen Senatoren Mike Lee, Thom Tillis und Ron Johnson positiv getestet.

Millers Infektion wirft einen Schatten auf die Debatte der Running Mates. Vizepräsident Mike Pence wird dabei am Mittwochabend in Salt Lake City auf die Demokratin Kamala Harris treffen. Stephen Miller Frau Katie Miller ist die Sprecherin von Pence und flog mit ihm nach Utah. Trotz eines negativen Tests habe sie Salt Lake City aber mittlerweile verlassen. Pence selbst wurde ebenfalls negativ getestet.

Silicon Valley gegen Trump

Die sozialen Medien setzen dem Präsidenten unterdessen weiter zu. Twitter und Facebook zensurierten erneut Postings Trumps. Diese hätten gegen "Regeln gegen Fehlinformationen über Corona" verstoßen. Trump hatte geschrieben, dass trotz der Verfügbarkeit einer Impfung jährlich zahlreiche Menschen an der Grippe sterben, in manchen Jahren mehr als hunderttausend. Facebook löschte das Posting, während Twitter es mit einem Warnhinweis versah.

Warten auf die Impfung

Die Hoffnung auf eine baldige Einführung eines Impfstoffs hat unterdessen einen Dämpfer erlitten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verlangt, dass die Teilnehmer an den Tests mindestens zwei Monate lang beobachtet werden. Das teilte die Behörde am Dienstag mit. Diese neue Richtlinie verhindert, dass ein Impfstoff noch vor der Wahl am 3. November zugelassen werden kann, was Trump mehrfach in Aussicht gestellt hatte, zuletzt bei seiner kurzen Rede nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus.

Kein Corona-Paket vor der Wahl

Die umstrittenen Corona-Hilfen, die die Demokraten bisher blockierten, werden nicht mehr vor der Wahl umgesetzt. Trump erklärte, er habe seine Vertreter angewiesen, die Verhandlungen auszusetzen. "Unmittelbar nachdem ich gewonnen habe, werden wir ein großes Konjunkturpaket verabschieden, das sich auf hart arbeitende Amerikaner und kleine Geschäfte konzentriert", schrieb Trump auf Twitter.

Er warf der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, vor, nicht in guter Absicht verhandelt zu haben. Die Demokraten hatten die Ausschüttung von 2,2 Billionen Dollar an Hilfen gefordert, die Republikaner hatten ihr Angebot zuletzt auf 1,6 Billionen erhöht. (Michael Vosatka, 7.10.2020)