Yachten gehören zu den Lieblingsspielzeugen der Reichen. Die Coronakrise hat viele davon noch reicher gemacht.

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Die einen kämpfen hart mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, weil Jobverlust oder Kurzarbeit die individuelle Lage verschlechtert hat. Andere werden einfach reicher, weil sie schon sehr reich sind.

Die Superreichen haben die Corona-Krise bisher jedenfalls bestens überstanden. Sie sind insgesamt reicher als je zuvor. Das zeigt der "Billionaires Report", den die Schweizer Bank UBS mit dem Steuer- und Wirtschaftsberater PwC erstellt hat. Demnach besaßen Ende Juli die 2189 Reichsten rund um den Globus 10,2 Billionen Dollar – in Form von Wertpapieren, Firmenanteilen, Immobilien und weiteren Vermögenswerten. Das ist ein neuer Rekord. Der bisherige Spitzenwert von 2017 belief sich auf 8,9 Billionen Dollar – verteilt auf damals 2158 Milliardäre.

Elon Musk (49), Chef von Tesla und Space X. Mit seinen E-Autos hat Musk mittlerweile ein gutes Vermögen aufgebaut. Auch in der Raumfahrt mischt der aus Südafrika stammende kanadisch-US-amerikanische Unternehmer mit. Sein Vermögen: knapp 94 Milliarden Dollar.
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Der Anstieg ging vor allem auf steigende Wertpapierkurse zurück. Allein seit Anfang April kletterte der Reichtum der Milliardäre in nur einem Quartal um 27,5 Prozent.

Innovation versus Tradition

Im vergangenen Jahrzehnt konnten die Milliardäre aus praktisch allen Branchen ihr Vermögen vermehren. In den vergangenen zwei Jahren kam es hier zu einer anderen Entwicklung: Es waren vor allem Technologiepioniere wie Tesla-Lenker Elon Musk oder die chinesische Pharma-Unternehmerin Zhong Huijuan, die ihren Kontostand sprunghaft steigern konnten. Dagegen mussten viele, deren Reichtum aus weniger innovativen Branchen wie Immobilien und Rohstoffen stammt, zuletzt Einbußen verdauen. Damit zeichnet sich ab, dass es nicht nur weltweit eine Schere gibt zwischen Arm und Reich – auch bei den Superreichen geht diese Kluft weiter auf.

Innovatoren am aufsteigenden Ast

In Zahlen ausgedrückt: Das Vermögen der "Innovatoren und Disruptoren" vermehrte sich zwischen 2018 und Juli 2020 um 774 Milliarden US-Dollar. Das Vermögen jener aus traditionellen Branchen steigerte sich hingegen "nur" um 210 Milliarden US-Dollar.

Jeff Bezos (56), Gründer von Amazon. Die Welt des Shoppens hat Bezos reich gemacht. Mittlerweile ist Amazon ein Konglomerat, zu dem unter anderem Whole Foods Market gehört. Bezos gilt mittlerweile als die reichste Einzelperson der Welt. Sein Vermögen: 185 Milliarden Dollar.
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Am langsamsten entwickelten sich in den vergangenen zwei Jahren die Vermögen in den Bereichen Finanzwesen, Rohstoffe und dem Sektor Medien.

Und wo ist das große Geld nun zu Hause? Gut ein Drittel des Milliardärsvermögens entfällt auf die USA. Danach folgen China und Deutschland. In der größten europäischen Volkswirtschaft kommen die 119 Milliardäre auf ein Gesamtvermögen von 595 Milliarden Dollar.

Zuwachs made in China

In China ist das Vermögen der Superreichen am deutlichsten gestiegen. Von 2009 bis Ende Juli vermehrte sich das Geld der Milliardäre in Summe um 1146 Prozent auf 1680 Milliarden US-Dollar. Mit einem Zuwachs von 439 Prozent ist das Vermögen der reichsten Franzosen am zweitschnellsten gestiegen. Platz drei geht an Kanada mit einer Steigerung von 238 Prozent. Das Vermögen der superreichen Amerikaner stieg hingegen nur um 170 Prozent auf 3608 Milliarden US-Dollar.

Zhong Huijuan (59), Chefin von Hansoh Pharma. Das Pharmageschäft hat Huijuan zur weltweit wohlhabendsten Gesundheitsmilliardärin gemacht. Gegründet wurde Hansoh 1995. Produziert werden unter anderem Anti-Tumor-Medikamente. Ihr Vermögen: 20,4 Milliarden Dollar.
ho

Der Club der Superreichen gibt sich laut dem Billionairs-Report aber auch durchaus großzügig. So ist etwa die Spendenbereitschaft im Zuge der Corona-Pandemie hoch: Zwischen März und Juni haben mehr als 200 Milliardäre zugesagt, rund 7,2 Milliarden US-Dollar zu spenden, um den Kampf gegen die Pandemie zu unterstützen.

Ein Fünftel der Milliardäre war zudem laut einer PwC-Umfrage in den vergangenen zwölf Monaten bereit, mehr Geld als bisher geplant für philanthropische Zwecke einzusetzen.
(Bettina Pfluger, 8.10.2020)