Während Aserbaidschans Außenminister nach Genf reist, wird in Berg-Karabach weiter gekämpft.

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Stepanakert/Eriwan/Baku – Wegen des Konflikts um die Kaukasusregion Berg-Karabach wird am Donnerstag in Genf ein internationales Vermittlungstreffen stattfinden. Das teilte Aserbaidschans Außenministerium am Mittwoch mit. Demnach wird der aserbaidschanische Außenminister Ceyhun Bayramov mit Vertretern der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammenkommen.

Für Bayramov handle es sich bei dem Treffen in Genf um einen Arbeitsbesuch, um den "Standpunkt Aserbaidschans zur Beilegung des Konflikts vorzustellen", erklärte das Ministerium. Die Minsk-Gruppe wurde zur Entschärfung des Konflikts um Berg-Karabach eingerichtet und wird seit 1992 von Russland, Frankreich und den USA geleitet.

Kein direktes Treffen der Außenminister

Zu einem Treffen zwischen Bayramov und dem armenischen Außenminister Sohrab Mnazakanjan wird es laut einer Sprecherin Armeniens nicht kommen. Man könne "nicht mit der einen Hand verhandeln und mit der anderen Hand militärische Operationen durchführen", sagte sie. Unklar blieb, ob sich der armenische Außenminister dennoch nach Genf begeben will, um sich dort separat mit der Minsk-Gruppe zu treffen.

In Berg-Karabach toben seit eineinhalb Wochen heftige Kämpfe. Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich seit Jahrzehnten einen erbitterten Streit um die Region im Südkaukasus, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Die selbst ernannte Republik Berg-Karabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe am 27. September wurden nach offiziellen Angaben fast 300 Menschen in Berg-Karabach getötet, darunter Dutzende Zivilisten. Vermutlich starben jedoch weit mehr Menschen. Die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan werfen sich inzwischen gegenseitig vor, gezielt zivile Einrichtungen unter Beschuss zu nehmen. (APA, 7.10.2020)