Der XB-1 hat einen 21,6 Meter langen Rumpf, Flugzeugzelle aus Carbon-Verbundwerkstoff und drei von GE entworfene J85-15-Triebwerke. Der erste Flug des Flugzeugs ist für das zweite Halbjahr 2021 geplant.

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Overture, ein Überschallflugzeug mit 65 bis 88 Sitzplätzen, das ursprünglich zu Business-Class-Tarifen angeboten wurde, würde die transatlantische Flugzeit um die Hälfte auf etwa dreieinhalb Stunden verkürzen.

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Denver – Im Juli hatte es Boom schon angekündigt, am 7. Oktober war es nun so weit: Der Prototyp des Überschalljets XB-1 wurde der Weltöffentlichkeit präsentiert – ein Meilenstein für das US-Startup aus Denver, das ein Verkehrsflugzeug namens Overture plant, das die Schallmauer überwinden kann. Und den Überschallpassagierverkehr zurückbringen soll, der mit dem Ende der Concorde zum Erliegen kam.

Das Unternehmen teilte mit, dass XB-1 einem klimaneutralen Flugtestprogramm unterzogen wird, das nächstes Jahr in Mojave-Wüste, Kalifornien, starten soll. Man wolle dann die Schlüsseltechnologien demonstrieren – etwa die Kohlefaserverbundkonstruktion und die computeroptimierte hocheffiziente Aerodynamik des Flugzeugs. Mit den Ergebnissen des XB-1-Testprogramms, das zu 100 Prozent klimaneutral sein soll, will das Unternehmen das Design dann weiter optimieren.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Maschine ab 2030 mit Passagieren an Bord abheben. Man will sich auf transozeanische Strecken konzentrieren, auf denen der Überschalljet die Vorteile seiner hohen Reisegeschwindigkeit von Mach 2,2 voll ausspielen kann – beispielsweise von New York nach London. Reisedauer: drei Stunden und 15 Minuten.

Die Firma erklärt, Bestellungen für Overture unter anderem von Japan Airlines und Virgin Atlantic zu haben. Womöglich gibt es ja tatsächlich eine kleine Zielgruppe, für die der Faktor Geschwindigkeit so viel wichtiger ist als die Frage nach dem Preis eines Tickets oder den Umweltfolgen eines solchen Fluges.

Die Inbetriebnahme des Überschallflugzeugs Overture des Unternehmens wird für Ende des Jahrzehnts erwartet, sagte Boom-Chef Blake Scholl in einem Interview. Er rechnet damit, dass sich der von der Coronavirus-Pandemie betroffene Luftfahrtmarkt bis zur Markteinführung von Overture erholen wird. Scholl gründete Boom im Jahr 2014, nachdem er laut der Website des Unternehmens in Führungspositionen bei Amazon und Groupon gearbeitet hatte.

Das Flugzeug wurde laut Boom mit den neuesten geräuschreduzierenden Technologien entwickelt und soll nur über den Ozeanen mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs sei – um sicherzustellen, dass in besiedelten Gebieten nichts vom Überschallknall zu hören ist. (red, Reuters, 8.10.2020)

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