Microsofts Phil Spencer gibt sich kämpferisch

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Im Schatten von Facebook und Google konnte sich Apple lange dem Interesse von Kartellwächtern entziehen. Dieser Zustand hat im vergangenen Jahr allerdings ein abruptes Ende genommen. Gerade die strikten Regeln, die Apple in seinem App Store anlegt, sind zunehmend in den Fokus der Regulatoren geraten. So hat etwa der Wettbewerbs-Unterausschuss im US-Repräsentantenhaus erst vor wenigen Tagen einen Bericht veröffentlicht, in dem Apple – neben Amazon, Google und Facebook – eine unfaire Ausnutzung der eigenen Marktmacht vorgeworfen wird.

Kontroverse

Einer der aktuellsten Streitpunkte dreht sich dabei um Spiele-Streaming-Dienste: Apple verbietet diese nämlich schlicht über seine App-Store-Richtlinien. Der Grund, den das Unternehmen offiziell nennt: Es gehe darum, dass man jegliche Titel einzeln vorab prüfen wolle, aus Sicherheitsgründen wie es heißt. In Wirklichkeit steckt dahinter aber noch eine andere, etwas profanere Motivation: Es geht darum, dass Apple an sämtlichen finanziellen Transaktionen beteiligt werden will, üblicherweise bekommt man hier 30 Prozent Anteil.

Diese Regel hatte vor allem ein Unternehmen auf die Barrikaden gebracht: Microsoft entschloss sich Anfang August dazu, öffentlich Kritik an Apple zu äußern. Durch die App-Store-Regeln sei es de facto unmöglich den eigenen Spiele-Streaming-Dienste xCloud für iPhones und iPads anzubieten. Apple reagierte darauf einige Wochen später mit einer leichten Lockerung: Seitdem dürfen sehr wohl Streaming-Titel angeboten werden aber eben nur als einzelner Download, der von Apple vorab geprüft werden muss, und an dem der iPhone-Hersteller mitverdient. Komplette Pakete wie es xCloud oder auch Googles Stadia anbieten, bleiben verboten.

Kehrtwende

Nun gibt sich Microsoft allerdings kämpferisch: In einem internen Meeting verkündete Phil Spender, Gaming-Chef des Unternehmens, dass der Xbox Game Pass im Verlauf des Jahres 2021 auch für iPhones und iPads verfügbar sein wird, berichtet Business Insider.

Dabei will man die Regeln des App Stores einfach umschiffen: Statt als Apps soll der Xbox Game Pass komplett über den Browser angeboten werden. Damit würden auch die Regeln von Apple nicht gelten. Angst, dass der iPhone-Hersteller dagegen vorgeht, hat Microsoft offenbar nicht: Spencer ist jedenfalls davon überzeugt, dass man auf jeden Fall kommendes Jahr auf dem iPhone landen werde.

Luna als Vorreiter

Lange wurde davon ausgegangen, dass dies technisch nicht möglich ist, da Apple auch die Browserplattform unter iOS unter strikter Kontrolle hat. Vor einigen Wochen hat dann aber Amazon seinen eigenen Spielestreamingdienst Luna vorgestellt – und zwar samt iOS -Support. Amazon betonte damals, dass man dafür den Browser nutzt und zur Umsetzung sogar mit Apple zusammengearbeitet hat. (apo, 9.10.2020)