45.000 Spar-Mitarbeiter gehen in Spitzenzeiten wie beim Jahreswechsel an ihre Leistungsgrenzen, schreibt der Handelskonzern an österreichische Produzenten. "Das dürfen wir auch von unseren Lieferanten erwarten."

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Österreichs Lieferanten für Lebensmittelketten sind nicht zimperlich. Preise werden da gerne mit der Brechstange verhandelt und kleine Produzenten gegeneinander ausgespielt. Der Ton ist ein rauer. Es gilt das Recht des Stärkeren, ob bei der Forderung nach Boni oder rund um Lieferkonditionen.

Post vom Handel lässt bei vielen Partnern daher die Nerven flattern. Der jüngste Brief von Spar sorgt unter ihnen jedoch querbeet für Empörung. Von "Präpotenz und Cäsarengehabe" ist in der Branche die Rede. Und von subtilen Drohungen eines Marktführers, denen kleine Hersteller nicht die Stirn bieten könnten.

"An die Leistungsgrenzen"

Stein des Anstoßes ist ein aktuelles Schreiben von Spar an Lieferanten unter dem Betreff: Nichtverfügbarkeit zum Jahreswechsel. Der österreichische Handelskonzern lässt Unternehmer darin wissen, dass er künftig keine Lieferbeschränkung, keine Betriebsschließung und keine nicht verfügbare Ware während der Weihnachtsfeiertage dulden werde. "Wenn wir mit unseren 45.000 Mitarbeitern an die Leistungsgrenzen gehen, dann dürfen wir das auch von unseren Lieferanten erwarten."

Lieferverfügbarkeit gehöre "laufend, lückenlos, ohne Pause" sichergestellt. Darauf bestehe man. Andernfalls werde der Lieferant zu einer Wachstumsbremse. Darüber hinaus ersucht Spar um Verständnis dafür, dass "ab sofort und bis auf weiteres keine Mindestbestellwerte" akzeptiert würden. Das geht aus dem Brief der Hauptzentrale in Salzburg hervor, der dem STANDARD vorliegt.

Planungssicherheit

"Haben wir künftig für jedes einzelne Packerl Rosinen ins Zentrallager von Spar zu fahren?", fragt sich ein mittelständischer Unternehmer. Er erinnert daran, dass auch Produzenten ihre Logistikkosten kalkulieren können müssen – und dass der Einzelhandel nach wie vor im großen Stil Lebensmittel beim kleinsten Makel retourniert. Mindestbestellwerte bedeuten für Lieferanten Planungssicherheit, die es etwa vor allem beim Anbau von saisonalem Obst und Gemüse braucht. Unter bestimmten Mengen zu liefern rechnet sich schlichtweg oft nicht.

Hochsaison

Spar selbst verbittet sich den Vorwurf der Überheblichkeit. Die Briefe seien nur sehr deutlich – das aus gutem Grund, sagt Konzernsprecherin Nicole Berkmann. Spar habe rund um den Jahreswechsel 2019 unter erheblichen Versorgungsproblemen bei manchen Lieferanten gelitten. Diese hätten über Weihnachten Betriebsurlaub gemacht. Der Lebensmittelhandel habe über die Feiertage bis Heilige Drei Könige absolute Hochsaison. "Das ist, als würde in Schladming ein Hotel mitten in den Semesterferien schließen."

Zuvor werde Spar Ware palettenweise vor die Lagerhäuser gestellt, was die Pipelines verstopfe.

Verstopfte Logistik

Verstopft werde die Logistik auch von Produkten, die sich nicht so gut verkauften. Daher erlaube man sich, von Mindestbestellmengen Abstand zu nehmen. Spar betreibt in Österreich neun Lagerhäuser. Wels wird bis 2022 ausgebaut. Die Supermarktkette sieht sich in Zeiten von Corona Monat für Monat wachsen. Zu Jahreswechsel kommt es zum Vorstandswechsel. (Verena Kainrath, 11.10.2020)